Der Erfolg einer Transaktion in China beginnt bereits mit der klaren Herausarbeitung der strategischen Ziele, die mit dem Investment verbunden sind. Während sich für manche Unternehmen eher eine Greenfield-Investition, sprich eine, bei der der Geschäftsbetrieb von Grund auf aufgebaut wird, anbietet, mag sich für andere der Erwerb eines bestehenden Geschäftsbetriebs als Brownfield-Investition oder gar als klassischer M&A-Prozess anbieten. Für die richtige strategische Weichenstellung muss sich das betreffende Unternehmen fragen, wodurch die Investition den eigenen Unternehmenswert steigern soll. Diese Frage führt notwendigerweise zu folgenden Kernüberlegungen:

  • Vor welchen regulatorischen und politischen Herausforderungen steht das (deutsche) Unternehmen bei einem Markteintritt?
  • Soll allein die lokale Nachfrage bedient werden oder ist ein über den chinesischen Markt hinausgehender Absatzmarkt, wie etwa nach Vietnam oder Kambodscha im Fokus?
  • Inwieweit können Synergien durch eine lokale Produktion gehoben werden und welche Marktaustrittsrisiken stehen dem gegenüber?
  • Wie ist die örtliche Infrastruktur ausgestaltet und ist der Zugang zu genüg qualifizierten Arbeitnehmern geben?[1]

Wenngleich diese Fragen nicht China-spezifisch sind, darf der Wert dieser Vorüberlegungen nicht unterschätzt werden. Da der Transaktionsprozess in China einer Vielzahl von Besonderheiten unterliegt, lohnt sich das direkte Investment in China nicht für jedes Unternehmen. Möglicherweise kann eine Steigerung des Unternehmenswertes einfacher und wirkungsvoller durch ein reines Exportgeschäft erreicht werden. Zudem helfen diese Überlegungen auch bei der Auswahl des passenden Erwerbsobjektes, sofern ein Brownfield-Investment oder ein M&A-Prozess beabsichtigt ist.

Des Weiteren sollte man sich im Rahmen der strategischen Vorüberlegungen auch fragen, unter welchen Bedingungen ein Abbruch des Investitionsvorhabens erfolgen soll und wie ein entworfener Zeitplan angepasst werden kann. Gerade eine etwaige Anpassung des Zeitplans sollte das investierende Unternehmen frühzeitig mit im Blick haben, da erfahrungsgemäß Transaktionen in China nicht dem Rhythmus west-europäischer Transaktionen folgen, sondern häufig neue Verhandlungsrunden eröffnet werden.

Bei einer Risiko-/Chancen-Analyse der Investitionsarten zeigt sich der wesentliche Vorteil des Greenfield-Investments, bei dem das investierende Unternehmen kaum historische Risiken, wie etwa im Falle des Unternehmenskaufs, übernimmt. Zwar ist der Erwerb oder die Pacht eines Grundstücks zur Ansiedelung des Unternehmens auch nicht risikofrei, jedoch ist hier das Risiko gegenüber dem Erwerb eines gesamten Unternehmens zumindest theoretisch geringer. Allerdings leiden solche Greenfield-Investments häufig darunter, dass der Aufbau und die Etablierung des Unternehmens einen erheblichen Zeitaufwand mit sich bringen.

Praxistipp: Die Analyse des chinesischen Marktes kann zeit- und damit auch kostenaufwendig sein. Allein um die entsprechenden Kontakte in den Markt und zu Regierungsstellen zu bekommen, sollten Sie entsprechend Zeit einplanen. Insofern sollten Sie Ihr China-Engagement als langfristiges Projekt betrachten, da sich Ihr Investment in das Netzwerk von vertrauenswürdigen Beratern und weiteren Kontakten erst über die Zeit entsprechend auszahlt.

Auf der Zeitachse dürfen gerade langwierige staatliche Genehmigungsverfahren nicht unterschätzt werden. Nicht wenige west-europäische Unternehmen klagen darüber, dass ihre chinesischen Konkurrenten nicht im gleichen Maße von diesen Schwierigkeiten betroffen sind. Bei der zeitlichen Planung ist auch zu bedenken, dass chinesische Unternehmen bzw. Verkäufer sich schwer tun, einen Zeitplan für ein Projekt von sechs bis acht Monaten zu akzeptieren, da dies für sie ein zu rasches Handeln bildet.[2]

Praxistipp: Im chinesischen Rechts- und Beratermarkt werden Ihnen auch Anbieter begegnen, die Ihnen versichern, vieles möglich machen und beschleunigen zu können. Nicht selten war oder ist ein Teil des Honorars zur Weitergabe an korrupte Beamte gedacht. Sie sollten dieser Versuchung auf keinen Fall erliegen. Die chinesische Regierung hat der Korruption massiv den Kampf angesagt und zeigt hier wenig Verständnis.[3] Eine ganze Reihe von ausländischen Unternehmen wird derzeit in China strafrechtlich untersucht und verfolgt. Ebenso wie in anderen Ländern hilft den verfolgten Unternehmen nicht der Hinweis auf sogenannte marktübliche Praktiken. Auch in China gibt es keine Gleichheit im Unrecht. Insofern kann schon die Auswahl Ihrer Berater von entscheidender Bedeutung sein.

Alternativ zu einem Greenfield-Investment kommt ein sogenanntes Brownfield-Investment in Betracht. Hier erwirbt das markteintretende Unternehmen ein bestehendes Unternehmen und ändert den Geschäftszweck des erworbenen Unternehmens ab. Je nachdem, wie groß der Finanzierungsbedarf zum Umbau und zur Neuausrichtung des Unternehmens ist, kommt häufig gleich der Erwerb eines passenden Unternehmens in Betracht, bei dem nicht...

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