Im Blickpunkt

 
Die Finanzierungssituation deutscher Unternehmen hat sich im Sommer 2014 insgesamt weiter entspannt. Das zeigt die neue Sonderauswertung "Finanzierungszugang" des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die auf der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer und damit auf knapp 21 000 Unternehmensantworten beruht und unter www.dihk.de abrufbar ist. Sie zeichnet – so die dazu veröffentlichte PM der DIHK – ein auf den ersten Blick erfreuliches Bild: 30 % der Betriebe gaben an, derzeit keine externe Finanzierung zu benötigen – ein Rekordwert. Und die Unternehmen, die Fremdkapital brauchen, können sich aktuell oft zu guten Bedingungen Geld leihen. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bewertet die Situation allerdings als fragil: Derzeit überdeckten die relativ gute Konjunktur, aber auch die verhaltene Investitionstätigkeit sowie die Niedrigstzinspolitik der Europäischen Zentralbank mögliche Probleme bei der Unternehmensfinanzierung in Deutschland. Es seien jedoch deutliche Auswirkungen der Basel-III-Regulierung auf die Unternehmensfinanzierung zu erwarten, wenn diese Sonderfaktoren nachlassen. Schon heute zeigten die steigenden Anforderungen der Banken an die Sicherheiten der Schuldner, dass die Unterschiede zwischen guten und mittleren Bonitäten mit den neuen Regeln größer würden. "Vor allem für Unternehmensgründer könnte es schwierig werden", so Wansleben (vgl. dazu auch die Meldungen in den Rubriken Finanzierung und Betriebswirtschaft auf S. 2091 in diesem Wochenüberblick). Insbes. wenn sich bei einem Konjunkturabschwung die Bonitäten der Unternehmen wieder verschlechterten, könne es zum bösen Erwachen kommen. Er berichtete zudem, dass der Bankkredit für die Breite der Unternehmen hierzulande das zentrale Finanzierungsinstrument bleibe. Immer häufiger ergänzten jedoch alternative Instrumente wie Leasing oder Förderkredite die Finanzierungspalette. Eine Umstellung der Wirtschaft auf eine Kapitalmarktfinanzierung auch kleinerer und mittlerer Unternehmen, wie sie in Brüssel gerne diskutiert werde, gehe "hingegen an der Unternehmensrealität vorbei", sagte Wansleben. Dies sei im – in Deutschland vorherrschenden – Segment der KMU aufgrund der Anforderungen der Kapitalgeber kaum zu stemmen.

Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft

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