Controlling von Wertschöpfungs- und Absatzrisiken und deren Bewältigung durch Harmonisierung der Supply Chain

Zusammenfassung

 
Überblick

Die Dynamik auf den Absatz- und Beschaffungsmärkten in Bezug auf die Quantität und Qualität geforderter Leistungen erfordert eine stetige Überwachung von Risiken auf allen Stufen der zunehmend fragmentierten Wertschöpfungskette.

Das Risiko kann durch flexible, adaptionsfähige Wertschöpfungsstrukturen reduziert werden, die unter dem Begriff des Performance Contracting diskutiert werden. Derartige Strukturen sind geeignet, Wirkung oder Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken zu reduzieren, bzw. erlauben bei Risikoeintritt wirtschaftlichere Reaktionsmöglichkeiten.

Dieser Beitrag erläutert zunächst die Ursachen dieser Unternehmensrisiken und ordnet sie in den Kontext der Steuerung von Supply Chains ein. Anschließend werden Inhalte des Konzepts des Performance Contracting, wie z.°B. ein unternehmensübergreifendes Leistungsmess- und Entlohnungssystem, erläutert.

Als Ergebnis vermittelt der Beitrag, wie ergebnisabhängige Verträge Wertschöpfungs- und Absatzrisiken auf unterschiedliche Wertschöpfungspartner aufteilen können.

1 Transparenz und Controlling der Wertschöpfungskette

Supply Chains als Quelle von Wettbewerbsvorteilen

Globale Wertschöpfungsnetzwerke bilden die Grundlage für den Zugang zu Rohstoffen, Lieferanten und großen Absatzmärkten. Insbesondere die Verbindung von Forschungs- und Entwicklungszentren mit kostengünstigen Arbeits- und Produktionsstandorten ist für viele Unternehmen eine wichtige Quelle ihrer vorteilhaften Wettbewerbsposition. Wenngleich globale Lieferketten, sog. Supply Chains, enorme Vorteile und Potenziale bieten, so bergen diese ggf. auch unternehmensgefährdende Risiken.

Herausforderung des Supply-Chain-Controllings

Die Existenz globaler und komplexer Lieferketten und Wertschöpfungsnetzwerke ist grundsätzlich nichts Neues, verdeutlicht man sich nur die weltweiten, komplizierten und unübersichtlichen Versorgungswege des Salz- oder Seidenhandels im Mittelalter. Neuartig sind allerdings komplexitätstreibende Faktoren, z. B. verkürzte Produktlebenszyklen oder die hohe Geschwindigkeit des technologischen Wandels.

Gestiegen ist aber auch der Anspruch, wie mit solchen Supply Chains und deren Risiken umgegangen wird. So soll das Supply-Chain-Controlling eine zielgerichtete Steuerung ganzer Lieferketten unterstützen. Es ist dieser umfassende Anspruch, der die besondere Problematik eines Supply-Chain-Management ausmacht, müssen doch zahlreiche Akteure und Maßnahmen über Unternehmensgrenzen hinweg koordiniert und erzielte Effizienzgewinne verteilt werden. Das Supply-Chain-Controlling hat deshalb in der jüngsten Vergangenheit einen erheblichen Bedeutungszuwachs erfahren.[1]

Risiken gefährden die Wirtschaftlichkeit von Supply Chains

Dabei ist es gerade nicht das Ziel, nur die Wirtschaftlichkeit eines einzelnen Unternehmens zu optimieren, sondern es sollen insgesamt die Effizienz und Effektivität der gesamten Supply Chain gesteigert werden. Gefährdet wird die Wirtschaftlichkeit einer Lieferkette allerdings maßgeblich durch Supply-Chain-Risiken. Ein solches Risiko kann definiert werden als ein mit einer Auftretenswahrscheinlichkeit bewerteter Schaden, dessen Eintreten mehr als ein Unternehmen der Supply Chain betrifft und dessen Ursache zumindest im Umfeld einer Supply Chain liegt.[2] Hier stellt sich die Frage, auf welche Weise solche Risiken bestmöglich reduziert werden können.

Herausforderungen für das Controlling

Das Supply Chain Risk Management hat die Aufgabe, derartige Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu steuern. Das Supply-Chain-Controlling muss daher in der Lage sein, unternehmensübergreifend Risikoinformationen bereitzustellen und gemeinsame Maßnahmen der Supply-Chain-Akteure zu koordinieren. Dieser speziellen Controllingherausforderung widmet sich dieser Beitrag.

Im Weiteren wird erläutert, wie Supply-Chain-Risiken durch integrative und kooperative Ansätze optimiert werden können und wie jeder Akteur jeweils seinen Anteil an den Wertschöpfungsrisiken der gesamten Lieferkette übernehmen kann. Hierzu werden zunächst die Supply-Chain-Risiken und traditionelle Risikobeeinflussungsstrategien erläutert.

Anschließend wird das innovative Konzept kooperativer Allianzen und ergebnisorientierter Verträge, das sog. Performance Contracting, vorgestellt. Das in diesem Konzept angewandte Risikomanagement durch Harmonisierung der Supply Chain wird anschließend mithilfe eines Fallbeispiels erläutert. Abschließend werden Empfehlungen für die Implementierung dieses Konzepts gegeben.

[1] Vgl. Weber/Wallenburg, 2010, S. 342.
[2] Vgl. Kersten et al., 2007, S. 10.

2 Risikokategorien und traditionelle Risikobewältigung

Umfassender Risk-Management-Ansatz notwendig

Moderne und globale Wertschöpfungsketten sind zahlreichen Risiken und Unsicherheiten ausgesetzt. Allerdings ist die Bandbreite der Risikoursachen in einer Supply Chain sehr groß, was ein aktives Management häufig deutlich erschwert. Risikoursachen reichen von rein ökonomischen Risiken, z. B. Wechselkursschwankungen, bis hin zu extremen Krisensituationen, z. B. terroristische Anschläge oder Naturkatastrophen.

Supply-Chain-Risiken werden unterschätzt

Gerade Risike...

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