Zur Abbildung des tatsächlichen Wertverzehrs in der Kostenrechnung muss sich das Unternehmen von bestimmten Normen der externen Rechnungslegung lösen.[31] Konkret sind nur Wertverzehre in die Kostenrechnung einzubeziehen, die einen Bezug zur Abrechnungsperiode und zum typischen betrieblichen Geschehen haben. Diese sind so zu bewerten, dass sie kurzfristige Entscheidungen und Betriebsvergleiche unterstützen. Periodenfremde, nicht betriebsnotwendige sowie ungewöhnlich hohe Wertverzehre (z. B. bewertete Folgen eines "Jahrhunderthochwassers") sind zu eliminieren bzw. zu neutralisieren. Ebenfalls als neutrale Aufwendungen sind die Auswirkungen von allein steuerlich motivierten Abschreibungsverfahren und Nutzungsdauerfestlegungen zu handhaben.

Von besonderer Bedeutung sind Kosten, die als kalkulatorisch (= fiktiv) bezeichnet werden. Die Berücksichtigung kalkulatorischer Kosten ist gerade bei KMU unverzichtbar, um den tatsächlichen Wertverzehr abzubilden und kostenorientierte Entscheidungen sowie Vergleiche zu ermöglichen. Die Nichtberücksichtigung kalkulatorischer Kosten bildet – gerade bei KMU – regelmäßig die Beiträge der Eigentümer-Geschäftsführer unzutreffend ab, die sich in Arbeitskosten (kalkulatorischer Unternehmerlohn), Sachkosten (kalkulatorische Mieten) und Kapitalkosten (kalkulatorische Eigenkapitalzinsen) niederschlagen müssen. Diese kalkulatorischen Kosten werden vielfach nach dem Opportunitätskostenprinzip bemessen und bewirken, dass das kostenrechnerische Betriebsergebnis deutlich geringer ausfällt, als ein aus der Bilanz ersichtlicher Jahreserfolg. Unter der Annahme, dass das neutrale Ergebnis null ist, beruht die Differenz auf der in den kalkulatorischen Kosten zum Ausdruck kommenden Mindestgewinnvorstellung bzw. dem Mindestbetriebserfolg.

Die Umsetzung dieser Forderungen kann – bis zur Realisierung einer umfassenden Kostenrechnung – durch eine differenzierte Buchhaltung erfolgen, die auch Konten für kalkulatorische Sachverhalte führt. Die darauf aufsetzende monatliche Erfolgsrechnung in Form der BWA integriert die kalkulatorischen Kosten und bewirkt den Ausweis eines betriebswirtschaftlich "richtigen" Ergebnisses. Von diesem Ergebnis kann in einer Nebenrechnung durch Neutralisierung der kalkulatorischen Kosten ohne große Schwierigkeiten auf den handelsrechtlichen Erfolg und unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte auch auf den steuerlich relevanten Erfolg übergeleitet werden. Die konsistente Überführbarkeit des betriebswirtschaftlichen in ein handels- und steuerrechtliches Ergebnis ist Voraussetzung für die Akzeptanz einer neu konzipierten und aussagefähigeren Erfolgsrechnung.

[31] Vgl. hierzu und im Folgenden nur Kloock/Sieben/Schildbach/Homburg, Kosten- und Leistungsrechnung, 9. Aufl. 2005, S. 30 ff. sowie 79 ff.

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