Controller-Leitbild gestern und heute

Zusammenfassung

  • Ein Controller-Leitbild ist eine schriftliche Erklärung über das Selbstverständnis von Controllern in Form eines Idealbilds und erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Es gibt Controllern Orientierung und transportiert das moderne Controllerprofil nach außen.
  • Das IGC-Controller-Leitbild beschreibt die grundsätzliche Rolle moderner Controller und ihre wesentlichen Aufgaben. Es hat in Praxis und Wissenschaft breite Beachtung und Akzeptanz als Grundlage effektiver Controllerarbeit gefunden.
  • In seiner kompakten und pointierten Form erfüllt es eine strategische Kommunikationsaufgabe in Richtung aller relevanten Stakeholder des Controllings.
  • Das IGC-Controller-Leitbild leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die zielgerichtete Controllingausbildung, einen effizienten Jobmarkt von Controllern und die Weiterentwicklung der Controllingpraxis.
  • Der Artikel beschreibt den Nutzen von Leitbildern, die Entwicklung des IGC-Controller-Leitbilds im Laufe der Zeit sowie die aktuelle Fassung und die dahinterliegenden Intentionen und Diskussionspunkte.

1 Controller-Mission im Wandel der Zeit

Entstehung und Einfluss des IGC-Controller-Leitbilds

Die International Group of Controlling (IGC) verfolgt das Ziel, den deutschsprachigen Controllingansatz als international akzeptierten Standard in Ausbildung und Praxis zu etablieren. Insbesondere das Controller-Leitbild hat Beachtung und breite Akzeptanz als Grundlage effektiver Controllerarbeit gefunden. Es ist jener IGC-Standard, der die größte Bekanntheit und Anwendung in der Praxis erlangt hat. Das Controller-Leitbild wurde erstmals 1996 veröffentlicht und beschreibt in kurzer und prägnanter Form die Rolle des Controllers und seine wesentlichsten Aufgaben. Es wurde 2002 und 2013 überarbeitet, ohne von der Grundposition des Controllers als proaktiven, umfassenden Begleiter des Managers auf Augenhöhe (der Controller als "Management-Partner bzw. Sparringspartner") abzurücken. Diese Position ist heute ein De-facto-Standard, da sie in weiterer Folge auch von großen internationalen Verbänden, wie IMA (The Association for Accountants and Financial Professionals) und CIMA (Chartered Institute of Management Accountants), sinngemäß übernommen wurde.

Das IGC-Controller-Leitbild ist bewusst kurz gehalten. Die ursprüngliche Idee von Albrecht Deyhle war, dass das Leitbild auf die Rückseite der Visitenkarte eines Controllers passen sollte, um es bei den "Hausbesuchen" griffbereit zu haben und die Rolle des Controllers einfach kommunizieren zu können. Das Controller-Leitbild ist daher auf das Wesentlichste reduziert. Intentionen, Diskussionspunkte und Hintergründe sind daher kaum ersichtlich. Der nachfolgende Artikel diskutiert das IGC-Controller-Leitbild vom Grundsatz her. Er beschreibt den Nutzen von Leitbildern, die Entwicklung des IGC-Controller-Leitbilds im Laufe der Zeit sowie die aktuelle Fassung und die dahinterliegenden Intentionen und Diskussionspunkte.

2 Funktion und Nutzen von Leitbildern

Funktionen von Leitbildern

Leitbilder werden in der Praxis primär mit dem Begriff des Unternehmensleitbildes verbunden: Es ist die schriftliche Erklärung einer Organisation über ihr Selbstverständnis und ihre Grundprinzipien.[1] Leitbilder formulieren einen Zielzustand bzw. ein Idealbild, das häufig von der Realität abweicht. Im Allgemeinen haben Leitbilder zwei wesentliche Funktionen:

  • Nach innen soll ein Leitbild den Mitgliedern Orientierung geben und sie in ihrem Handeln leiten und motivieren. Dazu muss ein Leitbild die Fragen beantworten, wofür die Organisation steht, was sie erreichen will und welche Werte sie dabei leiten (Mission, Vision, Werte).
  • Nach außen soll es erklären, wofür eine Organisation steht, und dabei ein positives Image prägen.

Die beiden Grundfunktionen eines Unternehmensleitbilds lassen sich unmittelbar auf den Berufsstand des Controllers übertragen. Ein Controller-Leitbild ist somit eine schriftliche Erklärung über das Selbstverständnis von Controllern in Form eines Idealbilds. Ein Controller-Leitbild soll (nach innen) Controllern eine grundsätzliche Antwort geben, warum es Controller in Organisationen braucht bzw. was die Rolle des Controllers ist und welche wesentlichen Aufgaben mit dieser Rolle verbunden sind. Nach außen soll es allen Kunden des Controllers, allen voran dem Management, die Rolle des Controllers und seine Verantwortung verständlich machen und damit die effektive Zusammenarbeit von Managern und Controllern fördern.

Controller-Leitbild spiegelt Selbstverständnis von Controllern wider

Das Berufsbild der Controller ist ausgesprochen vielschichtig. Es reicht inhaltlich von operativen, geschäftsnahen Positionen wie z. B. Vertriebs-Controllern bis zu stark finanzorientierten, vom Tagesgeschäft entkoppelten Positionen in Konzernzentralen. Hierarchisch reicht es von jungen Junior-Controllern auf Sachbearbeiter-Ebene bis hin zum Leiter Controlling mit entsprechender Führungsverantwortung und Außenwirkung. In kleinen Organisationen sind Controller zumeist Generalisten mit entsprechender Aufgabenbreite, in großen Konzernen mit ausgeprägten Control...

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