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Zwischen Himmel und Hölle – Planen in einem volatilen Umfeld

Auch bei der Lufthansa beeinträchtigt die steigende Volatilität in der Luftfahrtbranche die Genauigkeit der Ergebnisplanung. Als Reaktion darauf startete die Lufthansa ein Projekt, um die Ursachen zu ermitteln, über eine Risikoaggregation zu bewerten und dadurch eine Ergebnisbandbreite in der Planung abbilden zu können. (CfC-Serie, Teil 3)

Stärke und Häufigkeit der Schwankungen nehmen zu

Zu Beginn seines Vortrages illustrierte Karl-Heinz Steinke, Leiter des Konzerncontrolling der Deutschen Lufthansa AG, die steigende Volatilität in der Luftfahrtbranche am Beispiel der Entwicklung des Nettoergebnisses im Weltluftverkehr. Dieses zeichnete sich in den letzten Jahrzehnten dadurch aus, dass die Frequenz und die Amplitude der Schwankungen ständig zunahmen. Daraus resultierten starke Abweichungen zwischen den geplanten und tatsächlichen Ergebnissen bei der Lufthansa, die z.T. einen Wert von 1 Mrd. Euro erreichten. Da die Lufthansa auch in Zukunft von einem Fortbestand des Trends hin zu mehr Unsicherheit ausgeht, stellt sich die Frage, was die Treiber dieses Trends sind.

 

 Ursache: Prozyklische Bestellung, aber antizyklische Auslieferung

Zurückzuführen sind die Schwankungen in den Ergebnissen auf die prozyklischen Bestellungen der Luftfahrtgesellschaften bei den Flugzeugbauern. In konjunkturell guten Phasen bestellen erstere in verstärktem Maße Flugzeuge, so dass es zu Produktionsengpässen und verlängerten Auslieferungszeiten auf Seiten der Flugzeugbauer kommt. Häufig sind die bestellten Flugzeuge daher erst einsatzbereit, wenn sich die Konjunktur wieder abgekühlt hat und sie eigentlich nicht gebraucht würden. Somit entstehen Überkapazitäten, die in konjunkturell schlechten Phasen das Preisniveau und damit die Profitabilität der Fluggesellschaften verschlechtern. Daraus resultiert ein regelmäßiges Ungleichgewicht zwischen der verfügbaren Kapazität an Passagiersitzplätzen und dem Ergebnis der Lufthansa. Bislang gibt es jedoch keinen verlässlichen Indikator für die Prognose solcher Überkapazitäten.

Herr Karl-Heinz Steinke beim Campus for Controlling

Risikoaggregation sammelt und bewertet Einflussfaktoren

Um der Unsicherheit zu begegnen, versucht die Lufthansa in einem Projekt mit einem Beratungsunternehmen eine Planung zu entwickeln, die Unsicherheiten modelliert. Ziel ist es, so Steinke, das Ergebnis der Lufthansa in Wahrscheinlichkeiten und Bandbreiten ausdrücken zu können, um zusätzliche Aspekte in die Managementdiskussionen zu bringen und die Schnelligkeit und Flexibilität der eigenen Reaktionen auf Veränderungen zu erhöhen. Die dahinterliegende Methodik ist die Risikoaggregation. D.h. die wesentlichen Einzelfaktoren, die auf die Gewinn- und Verlustrechnung wirken, müssen erfasst, deren Einzelrisiken bestimmt und letztlich aggregiert werden. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen

  • externe Faktoren (z. B. Treibstoffkosten und Währungsschwankungen),
  • interne Faktoren (wie der Ertrag pro Sitzplatz), die von externen Faktoren (z. B. dem Eintritt neuer Wettbewerber) bestimmt werden, und
  • ereignisabhängige Faktoren (z. B. Streiks oder Krankheiten wie SARS).

Um Eintrittswahrscheinlichkeiten und Ergebniseinflüsse dieser Faktoren zu ermitteln wird auf Zeitreihen oder auf Expertenmeinungen zurückgegriffen.

Konzerngesellschaften werden einzeln betrachtet

Die Planungen der verschiedenen Tochterfluggesellschaften der Lufthansa werden dabei jeweils einzeln modelliert. Dies ist auf die jeweils verschiedenen Risiken, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind, zurückzuführen. Für die Planungsdiskussion mit dem Vorstand wird es nach Meinung von Herrn Steinke entscheidend sein, den Wirkungseinfluss der verschiedenen Faktoren zu visualisieren. Für die Lufthansa ist es von besonderem Interesse die Faktoren zu ermitteln, die das Kreditrating beeinflussen, um die Finanzierung des Unternehmens zu sichern.

Zusatznutzen: Integration von Risikomanagement und Controlling

Abschließend ging Herr Steinke auf nützliche Zusatzeffekte dieses Projektes ein. Diese bestehen auf Seiten der Planung darin die Transparenz der Planung und die Planungsqualität zu steigern sowie die Unsicherheit greifbarer zu machen. Außerdem wird das Wissen im Unternehmen durch die Darstellung der Zusammenhänge im Airline-Geschäft sowie die Konsolidierung und Anwendung des Geschäfts-Know-hows gestärkt. Letztlich kommt es bei diesem Projekt zu einer Integration des Risikomanagements und des Controllings bei der Lufthansa.  |

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