28.10.2011 | Controllerpraxis

Zukunftsfähigkeit von Controllern – Neue Anforderungen an die Rolle und Qualifikation von Controller

Als Business Partner können Controller nicht nur das Management, sondern auch operative Geschäftseinheiten intensiv unterstützen und somit die Erreichung der individuellen Unternehmensziele positiv beeinflussen. Die BASF bietet hierfür ein inspirierendes Beispiel, welches zeigt, dass Controller bei der Gestaltung der Business Partner Rolle ruhig auch kreativ werden dürfen. (CfC-Serie, Teil 4)

Controlling legt Wert auf internationale Vernetzung

In seinem Vortrag auf dem 5. Campus for Controlling sprach Wolfgang Hagen, Senior Vice President Corporate Controlling, über die Business Partner Rolle der Controller bei der BASF SE. Dabei ging er nicht nur auf Controller-Aufgaben, sondern auch auf Personalentwicklungsmaßnahmen ein, die die Weiterentwicklung des Controller-Bereichs fördern.

Zu Beginn seines Vortrages stellte Wolfgang Hagen das Unternehmen und seine multidimensionale Organisation vor. Dabei ging er auch auf die enge Einbindung des Controllings in die einzelnen Unternehmensbereiche und Regionen ein. Die Vernetzung der Controller untereinander in dem global agierenden Konzern sowie die Aufrechterhaltung der Business Partner Rolle werden dabei durch die sogenannte Global Controller Community sowie institutionalisierte Meeting-Strukturen sicherstellt. So bringen z. B.

  • Global Controller Meetings und Workshops,
  • Jours Fixes regionaler sowie funktionaler Controller oder
  • die Global Controller Conference, die alle zwei Jahre stattfindet,

Controller unterschiedlicher Bereiche und Regionen innerhalb der BASF SE zusammen. Sie bieten gern genutzte Plattformen zum Erfahrungsaustausch und zur gemeinsamen Generierung neuer Ideen.

Herr Wolfang Hagen beim Campus for Controlling

Was sind Hauptaufgaben und Ziele der BASF-Controller als Business Partner?

Zur Beantwortung dieser Frage stellte Wolfgang Hagen die vier Hauptaufgabenfelder der BASF Controller vor:

  • Planung und Performance Management,
  • Business Analysis,
  • Governance & Compliance und
  • Interface Management / HR Development.

Als übergeordnetes Ziel des Business Partnerings – die sogenannte „BASF Controller Mission“ – bezeichnete er die Sicherstellung eines ökonomischen Verständnisses innerhalb des traditionell eher naturwissenschaftlich geprägten Unternehmens. Dabei betonte er, dass – unterstützt vom Controlling – in dieser Hinsicht bereits  eine Entwicklung eingesetzt habe.

Controller als Challenger des Managements

Controller innerhalb der BASF weisen eine starke Zukunfts- und Marktorientierung auf. Neben einem funktionalen und methodischen Controlling-Wissen besitzen sie auch intensive Geschäftskenntnisse. Zudem verstehen sie sich als „Challenger“ der Manager. Insbesondere der letzte Punkt führt laut Hagen zu einem bewussten Spannungsverhältnis, welches Controller in ihrer täglichen Arbeit meistern müssen. Als Business Partner müssen sie – auf der einen Seite – in der Lage sein, als „Trusted Partners“ zu agieren. Auf der anderen Seite müssen Controller jedoch auch als kritischer Counterpart die Entscheidungen ihrer Manager kritisch hinterfragen. Dieses Spannungsverhältnis erfordert ein entsprechendes Fingerspitzengefühl der Controller.

Top Management und Personalentwicklung fördern neue Controller-Rolle

Das sich vom klassischen „Erbsen zählen“ stark unterscheidende „Business Partnering“ motiviert Controller und gibt ihnen ein neues Rollenverständnis. Zudem steigert es ihr Standing im Unternehmen. Damit Controller jedoch zu Business Partnern avancieren können, sind nicht nur sie selbst angehalten, sich auf die Rolle vorzubereiten und einzulassen. Auch das Top Management kann ein passendes Umfeld schaffen, in dem Controller von und in allen Unternehmensbereichen akzeptiert werden und die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln.

Die Personalentwicklung im Controlling spielt laut Wolfgang Hagen für die Zukunftsfähigkeit des Business Partners eine essenziell wichtige Rolle. Unter den zahlreichen Beispielen stellte Hagen auch ein Projekt vor, das im Jahre 2009 mit einer Umfrage zur Erhebung der Erwartungen und Anforderungen an die Controller startete. Im späteren Verlauf des Projekts wurde eine konkrete Ausgestaltung der Business Partner Rolle erarbeitet und durch den globalen Roll-out dieses spezifischen Rollenkonzeptes im gesamten Konzern gefördert. Der Referent merkte jedoch auch an, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen sei.

Drei Bilder sagen mehr als 1000 Worte…

Ferner stellte Wolfgang Hagen im Rahmen seines Vortrages drei Gemälde vor, die von den Controllern der BASF im Zuge der Ausgestaltung der Business Partner Rolle erstellt wurden. Die Werke spiegeln die wichtigsten Eigenschaften und Aufgaben eines Controllers auf künstlerische Art und Weise wider. Nicht nur auf diesem Wege zeigt die BASF, dass sie bereit ist innovative und kreative Wege zu gehen, um die Business Partner Rolle des Controllings im Konzern zu etablieren.

In seinem Vortrag ging Hagen auch auf weitere Aktivitäten, wie

  • die Verleihung eines Business Partnering Awards,
  • die Veranstaltung von Talent Workshops und Business Partnering Seminaren, sowie
  • interne Best Practices

ein. Er verdeutliche dabei, welch wichtige Rolle Personalentwicklung und Mitarbeitermotivation im Controlling der BASF spielt. Ganz bewusst sollen die vorgestellten Maßnahmen auch die Verankerung des Business Partners im Unternehmen langfristig sicherstellen. Dabei untermalte Hagen seine Ausführungen auch mit einem Video und bewies damit erneut, dass das Controlling bei der BASF weit mehr ist als nur trockene Zahlen.

Der Autor: Lukas Goretzki, Institut für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management.

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