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Zukunft des Controllings: Zehn Themen bestimmen die strategische Agenda der Controller

Auf der Controlling-Agenda der nächsten fünf Jahre stehen zehn Zukunftsthemen, deren Facetten auf vielfältige Weise zusammenhängen und somit nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können. Das Controlling sollte durch eigene Ideen Veränderungen im Controlling vorantreiben, um den Herausforderungen, die aus den Zukunftsthemen resultieren, gestaltend zu begegnen. (CfC-Serie, Teil 2)

Ergebnisse eines umfassenden Forschungsprojekts

Zur Eröffnung des 5. Campus for Controlling hat Jürgen Weber, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC), die Ergebnisse eines explorativ angelegten, empirischen Forschungsprojekts zu den Zukunftsthemen des Controllings vorgestellt. Ziel war es konkrete Themen der Veränderung für das Controlling zu identifizieren und die Veränderung der Bedeutung, die Controllern diesen Themen beimessen, zu erfassen.

Die Studie begann in einem mehrstufigen Verfahren, in dem unter Mitarbeit zahlreicher Experten zehn Zukunftsthemen und ihre Facetten hergeleitet wurden. Die Ergebnisse dieser qualitativen Vorarbeiten wurden im Anschluss in einen Fragebogen mit mehr als 100 Einzelfragen umgesetzt. Am Ende der dreimonatigen Datenerhebung standen insgesamt 448 vollständige Antworten für die Auswertung zur Verfügung.

Im Folgenden präsentierte Jürgen Weber die Rangfolge der zehn Zukunftsthemen, sortiert nach ihrem Bedeutungszuwachs in den nächsten fünf Jahren. Sechs ausgewählte Themen wurden im weiteren Verlauf des Vortrags schlaglichtartig vorgestellt.

Informationssysteme: Datenqualität und Mitarbeiterqualifikation

Die Vorstellung der Themen begann Jürgen Weber mit dem Thema Informationssysteme, durch die eine weitere Automatisierung der Informationsbereitstellung erwartet wird. Als resultierende Herausforderungen für das Controlling werden insbesondere

  • die Qualitätssicherung der Daten,
  • eine steigende Informationsmenge sowie
  • eine Veränderung der erforderlichen Mitarbeiterqualifikation

angenommen. Mit Veränderungen des Ressourceneinsatzes wird jedoch nur eingeschränkt gerechnet: Während die Zeitersparnis noch moderate Zustimmung erhält, werden Kostensenkungen und Größenreduzierungen der Controlling-Abteilung nur wenig erwartet. Jürgen Weber merkte an, dass das Controlling hier einen Beitrag zur Effizienz im Controller-Bereich leisten sollte.

Innerhalb des Themas „Effizienz & Controlling“ zeigt sich, dass ein zunehmender Effizienzdruck im Controlling starke Veränderungen des Controllings hervorrufen wird. Zudem zeigte Jürgen Weber auf, dass die durch den Effizienzdruck ausgelöste Veränderung des Controllings einen positiven Einfluss auf den Bedeutungszuwachs der Zukunftsthemen

  • Informationssysteme,
  • Beteiligung des Controllings an der strategischen Planung,
  • die Rolle als Business Partner und
  • den Controller-Nachwuchs
    hat.

Beteiligung des Controllings an der strategischen Planung

Hier verwies Jürgen Weber zunächst auf die Ergebnisse weiterer Studien, anhand derer sich aufzeigen lässt, dass eine Verknüpfung der operativen und strategischen Planung förderlich für den Unternehmenserfolg ist. Insofern ist eine Beteiligung des Controllings an der strategischen Planung von zunehmender Relevanz und die im Rahmen dieser Studie abgefragten Facetten der Beteiligung erfahren einen starken Bedeutungszuwachs. Die beiden Facetten, die eine sehr weitgehende Beteiligung aufzeigen (Agieren als kritischer Counterpart, frühe Einbindung), erfahren dabei jedoch eine etwas schwächere Zustimmung. Laut Jürgen Weber wirken sich gerade diese beiden Facetten positiv auf die Bedeutung des Controllings in der strategischen Planung im Vergleich zu Strategieabteilung aus.

Den Business Partner stellte Jürgen Weber als Konstrukt vor, hinter dem die Idee „auf Augenhöhe mit dem Management zu agieren“ steht. In der Studie wurde dieses Konstrukt durch vielfältige Facetten konkretisiert, wie z. B.

  • Einbindung in das Risikomanagement,
  • Verantwortung für die Interpretation von Daten,
  • Einbindung in operative Geschäftsprozesse und
  • Einbindung in die Gestaltung des Produktportfolios.

Facetten mit mehr Nähe zum operativen Geschäft wurden niedriger bewertet, obwohl gerade diese Nähe zum operativen Geschäft eine wesentliche Grundlage für wichtige Aspekte anderer Zukunftsthemen ist.

Bedeutung von Compliance ist abhängig von bestehender Einbindung des Controllings

Das Thema Compliance wird von unternehmensexternen Faktoren getrieben. Von Controllern ist es nicht unbedingt gewollt, da ein Agieren als Business Partner nicht mit den formalen Kontrollfunktionen dieses Themas vereinbar ist. Durch Compliance-Regelungen kommen neue Aufgaben auf das Controlling zu; eine Involvierung der Controller in die Kontrolle Compliance-relevanter Regelungen erfährt jedoch keine hohe Zustimmung. Ferner zeigte Jürgen Weber auf, dass eine aktuelle Involvierung zu einer höheren Einschätzung des Bedeutungszuwachses dieses Zukunftsthemas führt. Dies ist möglicherweise ein Indikator dafür, dass eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema erforderlich ist.

Die Idee des Verhaltensorientierten Controllings berücksichtigt u. a. Verhaltenswirkungen, die von Informationen ausgehen. Die Studie zeigt, dass wesentliche Voraussetzungen für dieses Thema eine hohe Zustimmung erfahren. Dazu zählen:

  • Hinterfragen des Verständnisses von Informationen,
  • Vereinfachung von Steuerungssystemen und
  • Beschränkung auf wesentliche Informationen

Einem der wesentlichen Kerngedanken dieses Konzepts, der Beeinflussung der effektiven Nutzung von Instrumenten und Systemen, wird jedoch weniger Bedeutung beigemessen.

Gegenseitige Einflüsse der Zukunftsthemen beachten

Im letzten Teil seines Vortrags betonte Jürgen Weber, dass Controller bei allen Themen als Veränderungstreiber auftreten sollten, weil diese Themen direkt den Controllerbereich betreffen. Zudem hob er hervor, dass die Facetten der zehn Zukunftsthemen nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können. Deutlich machte er dies am Beispiel der Anforderungen an den Controllernachwuchs. Mit steigendem Bedeutungszuwachs einiger Zukunftsthemen steigen auch die Anforderungen an, weshalb er dazu aufrief das Thema Controllernachwuchs nicht zu unterschätzen.

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