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Wertorientiertes Beteiligungsmanagement: Unternehmen verschenken viel Potenzial

Das Beteiligungsmanagement weist in vielen Unternehmen Mängel auf. Obwohl Managementkapazitäten fehlen, werden die vorhandenen Ressourcen oft falsch eingesetzt. Auch Notfallpläne existieren nur selten.

Unternehmen managen Beteiligungen oft mangelhaft

Das Beteiligungsmanagement vieler Unternehmen in Deutschland weist zahlreiche Mängel auf. Nur eine Minderheit besitzt eine stringente wertorientierte Steuerung ihrer Beteiligungen. Hauptprobleme sind

  • eine falsche Ressourcenverteilung,
  • Intransparenz und
  • unkalkulierbare Risiken.

Hinzu kommt, dass der Beteiligungswert durch die Krise starken Schwankungen unterworfen war. Wertberichtigungen waren oft die Folge. Der Betreuungsansatz sollte sich daher konsequent am Ertrag und am Risiko orientieren. Außerdem bietet ein differenzierter Betreuungsansatz Vorteile, weil er die speziellen Bedürfnisse von strategischen und Finanzbeteiligungen besonders berücksichtigt.

Die größten Herausforderungen: Betreuungsrelation, Prozesse und Krisenbewältigung

  1. Betreuungskapazität ist oft ungenügend

    Ein häufiger Schwachpunkt ist die dünne Personaldecke im Beteiligungsmanagement. Durchschnittlich betreut ein Vollzeitmitarbeiter 10 bis 15 Beteiligungen. In Industrieunternehmen können es deutlich mehr sein. Wenn ein Beteiligungsmanager im Mutterhaus viele Beteiligungen betreut, stehen ihm durchschnittlich 40 Stunden pro Jahr und pro Beteiligung zur Verfügung. Dies scheint vergleichsweise wenig, um ein intensives Verhältnis und umfassendes Know-How zu der Beteiligung aufzubauen.
  2. Organisation und Prozesse sind mangelhaft

    Durch mangelhafte Organisation und Prozesse werden viele Potenziale verschenkt. Die Rolle der Beteiligungsmanager und die Abgrenzung ihrer Aufgaben von unterstützenden Abteilungen sind oft unklar. Hinzu kommt, dass Schwerpunkte in der Betreuung oft nicht angemessen gesetzt werden. Viele Unternehmen stecken großen Betreuungsaufwand in strategisch wenig relevante Beteiligungen während wichtige Beteiligungen zu kurz kommen.
  3. Unternehmen sind auf Krisen ihrer Beteiligungen schlecht vorbereitet

    Der Betreuungsansatz vieler Unternehmen ist passiv. Aktive Maßnahmen der Muttergesellschaft, die einer systematischen Betreuungsphilosophie folgen, sind nur vereinzelt anzutreffen. Lediglich 32 % der Banken und Versicherungen und 10 % der Industrieunternehmen verfügen über eine Task Force und einen Notfallplan, wenn eine Beteiligung in die Krise gerät. Hinzu kommt, dass auch außerhalb von Krisenzeiten die Betreuung recht eindimensional ausfällt. Die meisten Beteiligungsmanager konzentrieren sich auf ertragsbezogene Kennzahlen. Die Kapitalkosten geraten dabei in den Hintergrund. Zusätzliche Kennzahlen wie die Eigenkapitalrendite können zu mehr Transparenz beitragen.

Corporate Governance ist kritischer Erfolgsfaktor

Ein einheitliches Verständnis darüber, welche Rollen bestimmte Personen und Gremien in der Muttergesellschaft und den Beteiligungen einnehmen, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor zur Umsetzung eines wertorientierten Beteiligungsmanagements. Auf diese Weise werden bestimmte Verhaltensregeln verbindlich vorgegeben. Diese Regeln sind Grundlage für eine transparente, effiziente Struktur. Die einheitliche Ausrichtung von Organisation, Prozessen und IT-Systemen bilden dazu beispielsweise wichtige Voraussetzungen.

Grundlagen

Im Januar 2011 veröffentlichte die Managementberatung Kienbaum die Ergebnisse der Studie „Wertorientiertes Beteiligungsmanagement“. Befragt wurden 114 Unternehmen mit signifikantem Beteiligungsportfolio.

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