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Werteorientierte Führung und Nachhaltigkeit im Mittelstand

Kein Shareholder Value ohne Stakeholder Value, so die Botschaft von Alfred Gutekunst, Vorstand der Rudolf Wöhrl AG, beim 25. Stuttgarter Controller-Forum. Mit der Nachhaltigkeit kommt zukünftig außerdem eine weitere Erfolgsvoraussetzung hinzu. (SCF-Serie, Teil 7)

Shareholder-, Stakeholder-Ansatz und Nachhaltigkeit

 Im Mittelpunkt des Vortrags von Alfred Gutekunst stand der Zusammenhang zwischen ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit sowie die Relation zum Shareholder Value. Nur mithilfe von nachhaltigen Beziehungen zu den Stakeholdern lässt sich der Wert des Eigenkapitals (Shareholder Value) steigern.Diese Beziehungen sind für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens essentiell. Es ist eine Grundsatzbedingung, dass die Interessen der Anspruchsgruppen, extern wie intern, berücksichtigt werden.

Alfred Gutekunst beim Stuttgarter Controller-Forum

Des Weiteren führe eine Maximierung des Shareholder Value zu einem höheren Wohlstand für Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Fraglich ist dabei, ob der Wohlstand bis zu diesen Anspruchsgruppen durchdringen kann. Hierfür sind die Führungsorgane einer Unternehmung zuständig.

 

Handlungsempfehlungen an das Management eines Unternehmens

Die Aufgaben des Managements fasste Alfed Gutekunst so zusammen:

  • Finde eine Strategie für das Unternehmen.
  • Ziel ist eine langfristige Maximierung des Wertes des Eigenkapitals (Shareholder Value) nach Erfüllung der Ansprüche der Stakeholder.
  • Beachte die Cash Flows. Steure das Unternehmen langfristig über Werttreiber.
  • Organisiere […] die wichtigsten Führungsentscheidungen.

Sein Führungs-Motto: „Führe Dein Unternehmen so, wie Du selbst geführt werden willst“.

Nachhaltigkeit im Sinne einer ökologischen Interpretation

 „Nachhaltigkeit ist kein neues Thema, lediglich [ein] zusammenfassender Begriff in Bezug auf gesellschaftliche Verantwortung“, so Alfred Gutekunst. Auch künftige Generationen haben das Recht auf einen sauberen Planeten mit genügend Ressourcen. Manager benötigen eine Vision der ökologischen Nachhaltigkeit. An dieser Vision orientiert sich das Unternehmen und ist somit zukunftsfähig und innovativ. Weitere soziale Gesichtspunkte wie die Abschaffung von Kinderarbeit und Lohndumping stärken das Ansehen eines Unternehmens. Mit gut abgestimmten Lieferketten wird der Ressourcenverbrauch gesenkt und eine Kosteneinsparung erreicht. „Sparen führt zu Nachhaltigkeit“, referiert Alfred Gutekunst. Dies bringt ein Unternehmen wirtschaftlich voran. Unternehmen sind gefährdet, wenn sie nicht die ökologischen Standards einhalten.

Alles beginne im Kleinen, so Alfred Gutekunst. Er hat deshalb seinen Drucker abgegeben und benutzt zusammen mit den anderen Mitarbeitern eine Druckstation.

Nachhaltigkeit im Sinne einer ökonomischen Interpretation

Es ist unerlässlich, dass der langfristige Bestand und die Liquidität gewahrt werden muss. In seinem Vortrag zieht er die gescheiterte Übernahme von VW durch Porsche als Beispiel heran. Das Management muss eine Strategie formulieren, die die ökonomische Nachhaltigkeit beinhaltet. Nach der Umsetzung einer Strategie erfolgt die Ermittlung des Erfolges oder Misserfolges, hierfür ist es notwendig Werttreiber zu finden. Diese müssen zweifelsfrei und verständlich definiert sein. Mit einer Strategieformulierung tun sich die meisten Unternehmen schon schwer, doch vor allem bei der Umsetzung scheitern viele.

 

Die WÖHRL-Gruppe

Das 1933 gegründete Textilhandelsgeschäft ist mittlerweile mit 38 Filialen in Ost- und Süddeutschland vertreten und beschäftigt 2.463 Arbeitnehmer. Das Familienunternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von über 346 Mio. EUR (Geschäftsjahr 2009/2010). Alfred Gutekunst ist seit 2008 Mitglied des Vorstandes der Rudolf Wöhrl AG und zuständig für Finanzen & Controlling, IT und Recht.

 

Der Autor: Christian Nusser, Horváth & Partners

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