22.09.2011 | Controllerpraxis

Reporting: Neues Konzept zum integrierten Berichtswesen

Ein neues Konzept zum integrierten Berichtswesen verbindet wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Inhalte in einem einzigen Report. Dieser Report enthält alle richtungsweisenden Informationen über ein Unternehmen.

Was ist das „Neue“ am integrierten Berichtswesen?

Das neue Konzept des International Integrated Reporting Committee (IIRC) zum integrierten Berichtswesen soll alle unternehmerischen Informationen über die Leistungsfähigkeit, Steuerungsgrundsätze und Strategie bündeln. Dabei werden die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Faktoren gleichermaßen berücksichtigt und umfassend erläutert. Sicherlich berichten viele Unternehmen bereits über diese drei Faktoren, z. B. in ihrem Jahresabschluss, dem Nachhaltigkeitsbericht oder der Unternehmensvision. Allerdings existieren diese Berichte in der Regel nebeneinander. Trotz zahlreicher Überschneidungen zwischen ihnen sind die Berichte nicht optimal aufeinander abgestimmt.

Das Konzept des integrierten Berichtswesens:

  • fokussiert sich auf die essentiellen Informationen,
  • zeigt die Verbindungen zwischen verschiedenen Themen auf und
  • gibt Rechenschaft über die Wertschöpfung eines Unternehmen im kurz-, mittel- und langfristigen Zeithorizont.

Ergebnis soll ein einziger Bericht sein, der als Kernbericht alle zentralen Informationen eines Unternehmens enthält. Dieser Kernbericht dient als zentrales Kommunikationsinstrument über die unternehmerischen Entscheidungen.

Warum gerade jetzt?

Die Frage, warum ein neues Konzept zum integrierten Berichtswesen gerade jetzt benötigt wird, ist berechtigt. Mehrere Argumente sprechen dafür:

  1. Traditionelle Ansätze zum Berichtswesen fokussieren sich auf vergangenheitsorientierte Finanzinformationen. Diese Ansätze stammen aus dem industriellen Zeitalter, in dem Kapital und materielle Güter dominierten. Auch wenn die Wichtigkeit dieser Information nach wie vor unbestritten ist, haben intangible Werte an Bedeutung gewonnen. Von ihnen wird jedoch nur ein Teil in den etablierten Berichten abgedeckt. Ein leistungsfähiges Berichtswesen muss mit der ansteigenden Komplexität Schritt halten und intangible Werte ebenfalls umfassend abdecken.
  2. Die Zufriedenheit der Investoren mit den unternehmerischen Informationen nimmt stetig ab. Dabei beklagen die Investoren nicht den Mangel an Informationen. Vielmehr geht es darum, dass die entscheidungsrelevanten Informationen nicht zeitnah und gebündelt vorliegen. Die Defizite liegen gerade bei den nicht-finanziellen Informationen.
  3. Durchwursteln hilft nicht mehr. Einige Unternehmen haben bereits auf die steigenden Informationsbedürfnisse reagiert. Die Ergebnisse sind bekannt: Die Jahresberichte werden immer länger und unübersichtlicher und die Anzahl an Berichten steigt. Eine nachhaltige Verbesserung der Informationsqualität ist damit aber immer zu erzielen. Hinzu kommt, dass Unternehmen deutlich mehr Ressourcen benötigen und die IT-Infrastruktur ihre Belastungsgrenze erreicht.

Ein integriertes Berichtswesen, welches wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Faktoren gleichermaßen berücksichtigt, kann zukunftsweisende Fortschritte für die Unternehmen und seine Stakeholder bieten.

Welchen Mehrwert bringt integriertes Berichtswesen den Unternehmen?

Bei dem hier vorgestellten Konzept zum integrierten Berichtswesen handelt es sich um einen vergleichsweise jungen Ansatz, der in der Praxis noch erprobt und verfeinert werden muss. Trotzdem lassen sich einige Vorteile identifizieren:

  • Verbesserte Kommunikation mit Stakeholdern: Die Informationen sind enger mit den Bedürfnissen der Stakeholder abgestimmt. Dies gilt insbesondere für die nicht-finanziellen Daten. Dies schafft eine gute Vertrauensbasis und mehr Möglichkeiten für die gewinnbringende Interaktion.
  • Weniger Risiken, die der Reputation schaden könnten: Ein derart umfassender Bericht steigert die Transparenz und minimiert somit das Risiko für Fehltritte. Dies erspart einer Organisation auch negative Berichterstattung in den Medien.
  • Bessere Ressourcenallokation: Auch die internen Prozesse und Entscheidungswege von Unternehmen können von einem integrierten Berichtswesen profitieren. Ferner können Unternehmen mit geringeren Kapitalkosten rechnen als Belohnung für die transparentere Berichterstattung.

Auf der anderen Seite sind einige Herausforderungen mit der Einführung des integrierten Berichtssystems verbunden. Zunächst gilt es, intern die benötigte Infrastruktur und Expertise bereitzustellen. Die IT-Systeme müssen den Herausforderungen eines derartig umfassenden Berichtssystems gewachsen sein, um möglichst viele Prozesse zu automatisieren. Ferner sind das Wissen und die Erfahrungen der Mitarbeiter wichtig, um aus verschiedenen Bereichen die Informationen für den Bericht zu verdichten. Schließlich ist nicht davon auszugehen, dass es in absehbarer Zeit international einheitliche Standards geben wird. Viele Berichtsinhalte sind der lokalen Gesetzgebung unterworfen und werden sich daher unterschiedlich schnell entwickeln. Lokale Anpassungen sind daher unumgänglich.

Die Initiative

Das Diskussionspapier „Towards Integrated Reporting“ wurde Anfang September 2011 von dem International Integrated Reporting Committe (IIRC) veröffentlicht. Das IIRC versteht sich als global agierendes, interdisziplinäres Netzwerk, das führende Experten aus den verschiedensten Bereichen (z. B. Unternehmen, Wissenschaft, Gesellschaft, Gesetzgeber u. a.) vereint. Ziel ist es, das Rahmenkonzept im Diskurs mit allen Interessierten schrittweise zu verfeinern.

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