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Planungsfachkonferenz: Erfolgreiches Redesign des Planungsprozesses

Auch bei der Axel Springer AG war der Planungsprozess zeit- und ressourcen-aufwändig. Durch den Wechsel zum Top-down-Prinzip, einem verringerten Detaillierungsgrad und einer Kennzahlenorientierung konnten Planungsprozess und –ergebnis entscheidend verbessert werden.

In seinem Vortrag „Neudesign des Planungsprozesses bei Axel Springer“ im Rahmen der 12. Planungsfachkonferenz berichtete Florian Baier über neue Entwicklungen im Bereich Planung bei der Axel Springer AG. Herr Baier ist Senior Project Manager im Bereich Controlling, M&A und Strategie bei Axel Springer und koordiniert die Unternehmensplanung auf Konzernebene.

Defizite: Überholte Ergebnisse nach ineffizientem Planungsprozess

Auch bei der Axel Springer AG sind die Anforderungen an die Planung gewachsen. Der ursprüngliche Planungsprozess konnte diese Anforderungen nur in geringem Maße erfüllen. Die wesentlichen Defizite bezogen sich sowohl auf die Effizienz des Prozesses als auch auf das Planungsergebnis. Die Bottom-up-Vorgehensweise setzte auf detaillierter Kostenstellenebene an und war demnach sehr zeit- und ressourcenaufwändig. Dies zog eine späte Einbindung des Vorstandes nach sich. Zahlreiche weitere Abstimmungsschleifen und ein direkt nach Erstellung bereits veraltetes Planungsergebnis waren die Folge.

Gegenmaßnahme 1: Top-down-Ansatz und geringerer Detaillierungsgrad

Die Planungslogik beginnt nun erlös- und renditeseitig mit der Beplanung von vier KPIs auf Bereichsebene („Guidance“-Phase):

  • Vertriebserlöse/VE (aus dem Verkauf im Einzelhandel oder im Abonnement)
  • Werbeerlöse/WE (aus dem Verkauf von Print- und Online-Anzeigen)
  • Sonstige Erlöse/SE
  • EBITDA (Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern sowie ordentlichen und Goodwill-Abschreibungen.

Im Rahmen der Eckwertplanung werden im Anschluss die Kostenträger mit ansteigendem Detaillierungsgrad geplant. Erst nach Genehmigung durch den Vorstand erfolgt die Detailplanung auf Monatsbasis und Kostenstellenebene.

Gegenmaßnahme 2: Systemseitige Unterstützung des Planungsprozesses auf Kennzahlenebene

Als zweite Maßnahme wurde der Planungsprozess nun systemseitig auf Kennzahlenebene unterstützt. Durch Integration verschiedener Teilplanungen, die neben monetären insbesondere auch verlegerische Daten mit einschließen, konnte laut Herrn Baier eine wesentliche Vereinfachung und Verkürzung der Planung erreicht werden. Umfangreiche Toolsets und Funktionalitäten runden die systemseitige Unterstützung für den Planer ab.

Mobile Reporting: Management Cockpits für das iPhone

Großen Anklang fanden auch Baiers Ausführungen zum sogenannten „Mobile Reporting“ bei Axel Springer. Das Mobile Reporting wurde 2009 bei Axel Springer eingeführt und stellt eine Weiterentwicklung des SAP BW dar. Dabei werden Informationen aus verschiedenen Quellsystemen wie SAP R/3 oder Info Cube zum iPhone-Server übermittelt. Diese werden zu empfängerkreisspezifischen Management-Cockpits verdichtet und an die iPhone-Endgeräte der Nutzer übertragen. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Übersichtlichkeit der Datenaufbereitung und die „Drill-down“-Funktion für eine gezielte Analyse der Daten durch den Nutzer.

Insgesamt sieht Herr Baier die vorgestellten Neuerungen in der Planung bei Axel Springer als Grundvoraussetzung für nachhaltige Verbesserungen. Darüber hinaus ist aus seiner Sicht auch die stetige Einbindung der beteiligten Bereiche in Form von Schulungen und standardisierten Abstimmprozessen unabdingbar, um breite Akzeptanz für das Thema Planung innerhalb der Organisation zu erzielen.

 

Der Autor: Markus Schneider

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