14.12.2010 | Controllerpraxis

Planungsfachkonferenz: Best-Practice-Beispiele zum Planungsprozess im Handel

Wer ein einfaches Geschäftsmodell hat, sollte auch die Planung nicht kompliziert gestalten. Vielmehr können durch bestehende Erfahrungen und Kennzahlen neue strategische Optionen relativ zutreffend durch Simulationen bewertet werden.

Vortrag „Vom Handel Planen lernen?“

In dem Vortrag „Vom Handel Planen lernen?“ im Rahmen der 12. Planungskonferenz wurden verschiedene Best-Practice-Beispiele vorgestellt und deren Übertragbarkeit auf andere Branchen thematisiert. Referent war Michael Buttkus, Leiter des Business Segments „Handel & Konsumgüter“ bei Horváth & Partners.

Zunächst legte Michael Buttkus die im deutschen Einzelhandel herausfordernde Gesamtsituation dar. Die knappen für die Planung zur Verfügung stehenden Ressourcen müssen einerseits hohe Datenvolumina beherrschen, die sich aus der Sortimentstiefe ergeben. Andererseits hat die Aktualität der Planungsinformationen einen hohen Stellenwert, um das Sortiment jederzeit optimal aussteuern zu können.

Einfaches Geschäftsmodell auch auf den Planungsprozess übertragen

Eine geforderte schlanke Planung sollte laut Michael Buttkus auf dem vergleichsweise einfachen Geschäftsmodell des Einzelhandels aufsetzen, das sich insbesondere durch einen hohen Grad an Standardisierung sowie relativ genau zu bestimmende Umfeld-Determinanten, wie dem Konsumverhalten oder demographische Entwicklungen, auszeichnet. Den im Handel dennoch stetig auftretenden absatzseitigen oder prozessualen Veränderungen muss durch eine geeignete Frequenz der Planung Rechnung getragen werden. Der skizzierten Erfordernis zur Detaillierung sollte nach Michael Buttkus durch eine Fokussierung auf steuerungsrelevante Sachverhalte begegnet werden. Das heißt, detaillierte Budgets werden nur selektiv nach Notwendigkeit und in Übereinstimmung mit der Steuerungsphilosophie eingesetzt, darüber hinaus sollte mit Globalbudgets gearbeitet werden. Des Weiteren sollte aus der Steuerungsphilosophie heraus anstatt einer reinen Input-orientierten Kostenplanung eine Zielgrößen-orientierte Planung forciert werden.

Simulationen helfen bei der Bewertung strategischer Optionen

Im Folgenden stellte Michael Buttkus zwei ausgewählte Praxisbeispiele dar. Das erste Beispiel verdeutlichte, dass die Sicherstellung einer hohen Durchgängigkeit der jeweiligen Strategie ein weiterer wesentlicher Eckpfeiler einer effektiven und effizienten Planung ist. Ein wichtiges Element ist dabei die Bewertung strategischer Optionen, die durch geeignete Simulationen transparent gemacht werden sollen. Hierbei wird die Tatsache genutzt, dass Aktivitäten im Handel gut planbar sind, sofern vergleichbare Vergangenheitswerte vorliegen. Simulationen bedienen sich laut Michael Buttkus also idealer Weise

  • bereits bekannten Saisonverläufen im operativen Geschäft,
  • typischen Investitions- und Kostenverläufen bei Markteröffnungen oder
  • Umsatzentwicklungen bei Veränderung des Marketingbudgets.

Solche sogenannten Standardrelationen ermöglichen eine flexible und effiziente Abbildung verschiedener Planungsszenarien.

Integration zweier Planungszeiträume durch rollierende Planung

Das zweite Praxisbeispiel erläuterte die Konzeption einer integrierten Planungslösung. Kernpunkte sind hierbei unter anderem

  • die Reduzierung der Planungsbelastung,
  • eine automatisierte Datenverarbeitung,
  • verschiedene Simulationsfunktionalitäten sowie
  • eine rollierende Planung.

Die rollierende Planung erlaubt höhere Planungsfrequenzen ohne zwingendermaßen in zu viel Aufwand zu münden, da für die aktuelle Planung lediglich eine Überprüfung stattfindet. Eine Neuplanung ist somit nur für die hinzukommenden beziehungsweise hinten angefügten „Zeitscheiben“ notwendig. Der Fokus rückt also weg vom Geschäftsjahresende und erlaubt einen konstant weiten Blick in die Zukunft. Stetig auftretenden Veränderungen im Planungsumfeld wird auf diese Weise Rechnung getragen. Eine solche integrierte Planungslösung führte im betrachteten Fall, so Buttkus, zu

  • einem insgesamt reduzierten Planungsaufwand,
  • einer höheren Datenaktualität sowie
  • der Integration der Ein-Jahres- und der Drei-Jahresplanung.

Wird - wie am Beispiel des Handels aufgezeigt - die Komplexität der Planungswirklichkeit auf geeignete Art und Weise reduziert und intelligente Tools und Verfahren eingesetzt, sieht Michael Buttkus auch in anderen Branchen Potential die Planung nachhaltig zu verschlanken sowie schneller und flexibler gestalten zu können.

Der Autor: Markus Schneider

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