25.01.2013 | Finanzvorstände sehen große Einsparpotenziale

Nachhaltigkeit rückt wieder stärker in den Blick der CFOs

Bild: Haufe Online Redaktion

Nachhaltigkeit wird für viele CFOs weltweit zur Priorität. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche. Allerdings gibt es je nach Land und Region deutliche Unterschiede.

Nachhaltigkeit steht schon seit längerem auf der Agenda vieler Unternehmen. Allerdings ist das Thema in den letzten Jahren aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise etwas in den Hintergrund getreten. Mittlerweile stehen ökologische Fragestellungen wieder weit oben auf der Prioritätenliste vieler Finanzvorstände. Etwas mehr als die Hälfte der CFOs hat sich damit im vergangenen Jahr intensiver auseinandergesetzt. Fast zwei Drittel von ihnen wollen in den nächsten zwei Jahren ihr Engagement ausbauen.

Zahlreiche Gründe führen zu diesem verstärkten Interesse:

- Die finanziellen Vorteile stehen an erster Stelle. Mit Investitionen in nachhaltige, ressourcenschonende Technologien lassen sich gerade in margenschwachen Industrien wichtige Kosteneinsparungen erzielen. 56% der CFOs planen in den nächsten zwei Jahren Investitionen in virtuelle Konferenz- und Kommunikationssysteme. 55% wollen mehr Geld für energieeffizientere Geräte ausgeben und weitere 52% planen Mehrausgaben für effizientere Rechenzentren.

- Regulatorische Aspekte spielen auch eine besondere Rolle. In vielen Ländern haben sich die gesetzlichen Anforderungen bereits verschärft. Dies wird sich in Zukunft fortsetzen. Viele Regierungen und supranationale Organisationen wie die EU planen bereits neue Gesetzesinitiativen. Um nicht von jeder Änderung überrascht zu werden, kümmern sich bereits jetzt zahlreiche Unternehmen um entsprechende Anpassungen.

- Jenseits der gesetzlichen Verpflichtungen steigen auch die Anforderungen von Stakeholdern. Ratingagenturen, Investoren und Umweltverbände fordern immer häufiger weiterführende Informationen über nachhaltige Aktivitäten von Unternehmen. Auch Kunden achten bei ihren Kaufentscheidungen stärker darauf, ob ein Unternehmen nach nachhaltigen Kriterien wirtschaftet.

Die grüne Wirtschaft im weltweiten Vergleich
Die Bedeutung von Nachhaltigkeit ist ohne Zweifel gewachsen. Die Zuständigkeiten der CFOs für diese Themen wurden somit gestärkt. Zwei Drittel von ihnen ist stets bzw. häufig an der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie beteiligt. Allerdings gibt es je nach Land und Region spürbare Unterschiede. In Deutschland ist im vergangenen Jahr im internationalen Vergleich die Bedeutung des CFOs spürbar gestiegen. Fast zwei Drittel gibt an, dass sich an ihrer Rolle nichts Wesentliches geändert hat (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Wie hat sich Ihre Rolle bzgl. der Nachhaltigkeitsstrategie Ihrer Firma im letzten Jahr verändert?

 

International

Deutschland

Größer:

27 %

8 %

Etwas größer:

26 %

24 %

Gleich:

44 %

64 %

Etwas kleiner:

2 %

0 %

Kleiner:

1 %

4 %

Quelle: Deloitte, 2012, „Nachhaltigkeit: Warum CFOs auf Einsparungen und Strategie setzen“, S. 2.

Für die Zukunft rechnen alle CFOs weltweit mit einer Aufwertung ihrer Rolle bzgl. der Nachhaltigkeitsstrategie. Deutschland belegt im internationalen Vergleich einen guten Platz. Die Entwicklung scheint jedoch etwas zaghafter zu verlaufen als in einigen anderen Ländern (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Wie wird sich Ihrer Erwartung nach Ihre Rolle bzgl. der Nachhaltigkeitsstrategie in den nächsten 2 Jahren ändern?

 

International

Deutschland

Größer:

33 %

16 %

Etwas größer:

28 %

32 %

Gleich:

38 %

52 %

Etwas kleiner:

1 %

0 %

Kleiner:

0 %

0 %

Quelle: Deloitte, 2012, „Nachhaltigkeit: Warum CFOs auf Einsparungen und Strategie setzen“, S. 2.

Australien in der Vorreiterrolle
Australien gehört mit zu den Spitzenreitern, da dort dank einer umfassenden Selbstverpflichtung der Unternehmen die CFOs für den Nachhaltigkeitsbericht ihrer Firma rechenschaftspflichtig sind. 80% von ihnen geben an, dass im vergangenen Jahr ihre Verantwortlichkeit bzgl. der Nachhaltigkeitsstrategie gestiegen ist.

Zurückhaltender ist die Einschätzung der CFO aus den USA Dort hängt die Bedeutung umweltrechtlicher Aspekte sehr stark von der jeweiligen Regierung. Rund 60% der befragten CFOs geht davon aus, dass sie in den nächsten zwei Jahren etwas oder erheblich mehr in die Nachhaltigkeitsstrategien ihrer Unternehmen eingebunden werden.

In Europa plant die EU neue Gesetze zur Berichterstattung nicht-finanzieller Kennzahlen. Die CFOs aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind sich dessen bewusst und bereiten sich entsprechend vor. Diese Vorbereitungen sind in Frankreich und Deutschland allerdings deutlich weiter vorangeschritten als in Großbritannien, wo lediglich 38% anstelle von 48% von einer stärkeren Einbindung in die Nachhaltigkeitsstrategie ausgehen. Fast ein Drittel der CFOs aus Großbritannien gibt zudem an, dass ihnen die Datengrundlage für ein entsprechendes Reporting noch nicht in der notwendigen Form zur Verfügung steht. Bei den europäischen Nachbarn sind es deutlich weniger: 21% in Frankreich und 4% in Deutschland.

Grundlagen
Der Beitrag beruht auf der Publikation „Nachhaltigkeit: Warum CFOs auf Einsparungen und Strategie setzen“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht. 250 CFOs weltweit, darunter 25 aus Deutschland, wurden von Verdantix im Auftrag von Deloitte befragt.

Schlagworte zum Thema:  Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitscontrolling, CFO

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