10.06.2011 | Controllerpraxis

Nachhaltigkeit messen und steuern – Neue Herausforderung für Controller

Trotz vielfältiger Maßnahmen insbesondere im Bereich des Umweltmanagements, steht die Integration der Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung noch in den Anfängen. Dabei kann das Controlling bei der Messung und der Steuerung von Nachhaltigkeit einen wichtigen Beitrag leisten. Hier wird zukünftig eine Erweiterung der Aufgaben der Controller erwartet.

Auch Nachhaltigkeit muss man messen können

Das gesellschaftliche Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung hat in den vergangenen Jahren zunehmend auch für Unternehmen an Bedeutung gewonnen.Der diesjährige Congress der Controller des Internationalen Controller Vereins (ICV) widmete sich deshalb der Thematik „Nachhaltigkeit und Controlling“ in einem gesonderten Themenzentrum. Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management, beschäftigte sich im ersten Vortrag mit der Fragestellung, wie man Nachhaltigkeit messbar machen und erfolgreich steuern kann.

Vierstufiger Steuerungsprozess

Er stellte dabei einen Steuerungsprozess von Nachhaltigkeit im Unternehmen vor, der aus insgesamt vier Teilschritten besteht:

  • Im ersten Teilschritt erfolgt die Identifikation von geeigneten Indikatoren. Die Guidelines der Global Reporting Initiative (GRI) haben sich dabei als ein anerkannter Standard für das externe Reporting etabliert und eignen sich darüber hinaus auch für die Identifikation von Nachhaltigkeitsindikatoren in der internen Steuerung.
  • Im zweiten Teilschritt steht die Erhebung der relevanten Daten im Vordergrund. Diese können sowohl unmittelbar (bspw. durch eine konkrete Messung oder Befragung) als auch mittelbar (bspw. durch Umrechnung oder Schätzungen) erhoben werden. Hier ist in der Praxis häufig abzuwägen zwischen dem benötigten Aufwand zur Datenermittlung und der Genauigkeit der zur Verfügung stehenden Daten. Insbesondere die unmittelbare Erhebung von CO2-Emissionen ist äußerst aufwändig und stößt gelegentlich auch an Grenzen der Messbarkeit.
  • Im dritten Teilschritt werden anhand der Analyse der erhobenen Daten Reduktions- und Verbesserungspotenziale abgeleitet. Als Beispiele sind hier die Erstellung und Auswertung eines Company Carbon Footprints oder eines Product Carbon Footprints zu nennen.
  • Auf Basis der in den ersten drei Teilschritten erhobenen Datenbasis und der getätigten Analysen sind im vierten Teilschritt zukünftige Zielvorgaben zu entwickeln. Diese können sich dabei auf das Unternehmen als Ganzes, kaskadiert auf untergeordnete Bereiche oder auf bestimmte Geschäftsprozesse beziehen.

 

Green Controlling – der aktuelle Stand in den Unternehmen

Im zweiten Vortrag des Themenzentrums stellten Dr. Uwe Michel und Johannes Isensee eine aktuelle Studie der ICV-Ideenwerkstatt zum Thema „Green Controlling – eine (neue) Herausforderung für den Controller?” vor. Diese untersuchte die Relevanz, den aktuellen Stand sowie Heraus­forderungen der Integration ökologischer Aspekte in das Controlling aus Sicht der Controllingpraxis. 295 Teilnehmer hatten sich an der Studie beteiligt. Die befragten Controller wiesen ein hohes Bewusstsein für ökologische Themen im Controlling auf. Mehrheitlich gingen sie davon aus, dass derartige Aspekte künftig noch stärker in das Unternehmenscontrolling integriert werden. Weiterhin wurde deutlich, dass das Controlling in der ökologischen Gestaltung des Unternehmens eine aktive Rolle einnehmen sollte.

„Green-Controlling“ in der Praxis bisher kaum umgesetzt

„Green-Controlling wird in der Theorie schon seit langem behandelt, ist aber in der Controllingpraxis bislang – auch aufgrund eines kaum vorhandenen Handlungsdrucks seitens der Unternehmen – nur in einem begrenzten Umfang zur Anwendung gekommen“, erklärte Johannes Isensee von der Stuttgarter IPRI gGmbH, Mitglied der ICV-Ideenwerkstatt. Unter Green-Controlling verstehen die Autoren der Studie eine „Unterstützungsfunktion der Führung, die eine um grüne Inhalte erweiterte Planung, Steuerung und Kontrolle im Unternehmen ermöglicht“. Hierzu sind sowohl Controllingprozesse als auch -instrumente weiterzuentwickeln. Die Prozesse, in denen grüne Themen heute am weitesten berücksichtigt werden, sind strategische und operative Planung, internes und externes Reporting sowie Risikomanagement. Darüber hinaus haben bereits Anpassungen insbesondere beim Beschaffungs- und Logistik-Controlling für grüne Themen stattgefunden. Spezifische Umweltmanagementinstrumente, wie Umweltaudits, Umweltchecklisten, Stoff- und Energiebilanzen sowie Ökobilanzen, werden bei etwa 40-50% der befragten Unternehmen eingesetzt.

Kernaufgaben des Controlling auf ein neues Feld übertragen

 „Obwohl dem Green-Controlling eine hohe Relevanz zugestanden wird und es im Bewusstsein der Studienteilnehmer weit verbreitet ist, bestehen mit aktuell nur 3% der Unternehmen eigentlich noch keine Handlungspläne zum Umgang mit grünen Themen im Controlling“, stellt Isensee fest. Die am häufigsten genannten Aufgaben für ein Green-Controlling sind:

  • „grüne Wirtschaftlichkeit nachweisen und sicherstellen“ (36 Antworten),
  • „grüne Zielerreichung monitoren und überwachen“ (30 Antworten) sowie
  • „Transparenz über grüne Themen durch Kennzahlen für Planung, Steuerung und Kontrolle fördern“ (24 Antworten).

„Diese Auflistung unterstreicht, dass es sich beim Green-Controlling nicht um neuartige Aufgaben handelt, sondern dass es den Controllern gelingen muss, die Kernaufgaben des Controllings auf ein neues inhaltliches Feld zu übertragen und neue Informationen in die Unternehmenssteuerung zu integrieren“, erläutert Isensee.

Zahlreiche Herausforderungen sind noch zu bewältigen

Wie die Studie ebenfalls zeigt, bringt der Aufbau ökologischer Controlling-Lösungen zahlreiche Herausforderungen mit sich, die überwiegend in der Lösung eines Mess- und Bewertungsproblems bestehen, für das geeignete Kennzahlen und Methoden zu entwickeln sind. Doch ebenso müssen Wissensdefizite sowie Verständnisprobleme gemeistert und Kompetenzen z. B. zwischen den Mitarbeitern des Umweltbereiches und den Controllern geklärt werden. Das Thema wird daher zukünftig im neuen ICV-Facharbeitskreis „Green-Controlling“ weiter bearbeitet.

Grundlagen

Der Beitrag beruht auf den Präsentationen „Nachhaltigkeit messbar machen“ von Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management, sowie „Praxis des Green Controlling – Ergebnisse der Ideenwerkstatt und Beispiele aus Unternehmen“ von Dr. Uwe Michel, Senior Partner der Horváth & Partner GmbH, und Dipl.-Kfm. techn. Johannes Isensee, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Prokurist der IPRI gGmbH, im Rahmen des 36. Congress der Controller  am 16. Mai 2011 in München.

 

Autor:

Dipl.-Kfm. Mike Schulze ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) an der EBS Business School in Oestrich-Winkel.

Aktuell

Meistgelesen