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Nachhaltigkeit: Bedeutung wächst, doch Controller bleiben zurückhaltend

Bild: Haufe Online Redaktion

Seit wenigen Jahren wächst die Bedeutung nachhaltiger Unternehmensführung im Managements und im Controlling. Ob und wie sich Controller diesem Thema annehmen sollten und welche Herausforderungen ihnen dabei möglicherweise begegnen, zeigt Prof. Utz Schäffer. (CfC-Serie, Teil 6)

Nicht erst seit gestern ist nachhaltiges Wirtschaften ein heiß diskutiertes Thema. Allerdings: Wofür steht „Nachhaltigkeit“ überhaupt? Den Einstieg in seinen Vortrag nahm Prof. Dr. Utz Schäffer  über den Nachhaltigkeits-Begriff selbst, den viele auch als „Alles-oder-nichts“-Begriff wahrnehmen. Eine gängige Definition beschreibt Nachhaltigkeit insbesondere darüber, dass nachfolgende Generationen nicht durch das Tun der heutigen Generation beeinträchtigt werden. Üblicherweise nähert man sich diesem Ziel über den sog. Triple-Bottom-Line Ansatz, der die soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt. Dabei können diese drei Säulen derart in Beziehung gesetzt werden, dass die ökonomische Nachhaltigkeit durch die soziale und ökologische bedingt ist. Demzufolge folgt nachhaltiges Handeln durch regulatorischen Zwang, oder wenn durch sie ökonomischer Mehrwert generiert wird („Nachhaltigkeit als Business Case“).

Welche Faktoren fördern die Nachhaltigkeit?

Prof. Schäffer nutzte aktuelle Ergebnisse aus der WHU Zukunftsstudie (siehe Zukunftsthemen-Vortrag von Prof. Weber), um die Einschätzung der Controller bezogen auf die strategische Relevanz des Themas Nachhaltigkeit zu veranschaulichen. Demnach sehen 41 % der befragten Controller in der Nachhaltigkeit ein Thema, was zukünftig (d. h. innerhalb der nächsten 5 Jahre) in steigendem Maße eine hohe Relevanz haben wird. Dabei wird der ökonomischen Nachhaltigkeit die höchste zukünftige Relevanz beigemessen, was auch daran liegt, dass soziale und ökologische Nachhaltigkeit diese erst bedingt. In Deutschland haben lt. den Ergebnissen des Centers für Controlling und Management (CCM) unter DAX30-Unternehmen verschiedene Entwicklungen zu dieser hohen strategischen Relevanz beigetragen.

  • Zum einen erfahren die Unternehmen einen deutlich spürbaren öffentlichen Druck, nachhaltige Unternehmensführung zu etablieren.
  • Auch führen Schneeballeffekte (z. B. Anforderungen von Lieferanten) zu einem steigenden Druck, sich dem Thema Nachhaltigkeit anzunehmen.
  • Des Weiteren rücken Nachhaltigkeitsdaten und -berichte immer mehr in den Fokus, wenn es beispielsweise um Kreditvergabe und Ratings geht.

Engagement der Controller bleibt zurückhaltend

Im weiteren Verlauf seines Vortrags erläuterte Prof. Schäffer zunächst die Global Reporting Initiative (GRI), die als anerkannter Standard für das externe Reporting rund um das Thema Nachhaltigkeit gilt. Für die anwesenden Controller wurde es besonders spannend, als es darum ging, wie man Nachhaltigkeit eigentlich messen könne. Dafür wurden viele Beispiele angeführt, in denen es u.a. um Ressourcenverbrauch, CO2-Emissionen, oder den Company Carbon Footprint ging. Schließlich ging es um die wichtige Frage, wie intensiv sich das Controlling mit dem Thema beschäftigen sollte. Aus den Ergebnissen der WHU Zukunftsstudie ging hervor, dass sich Controller nur mäßig in der Verantwortung sehen, Nachhaltigkeitskennzahlen zu entwerfen oder die Integration in unternehmerische Anreizsysteme zu vollziehen. Nur eine Minderheit vermeldete diesbezüglich, das Controlling sei in einer starken Verantwortungsposition. Die Mehrheit entschied sich dafür, in einer moderaten Verantwortung zu stehen, Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung einzubinden.

Allerdings sollte nicht vorschnell geurteilt werden, gibt es doch verschiedene Für- und Wider-Argumente dafür, dass Nachhaltigkeit ein zentrales Thema für Controller werden könnte. Ein Pro-Argument ist beispielsweise, dass Controller durch ihre Erfahrungen mit dem Messen und Interpretieren von unternehmerischen Aktivitäten eine Vormachtstellung im Unternehmen besitzen, was System- und Methodenkompetenz angeht. Dadurch kann das Controlling gewährleisten, dass die Nachhaltigkeitsdaten intern und extern glaubhaft sind. Nachteilig wirken sich demgegenüber Wissensdefizite seitens des Controllings und die selbst geäußerten Zweifel an der strategischen Relevanz des Themas aus. Trotzdem, so Prof. Schäffer, wird Nachhaltigkeit weiterhin ein relevantes Thema bleiben. Jeder Controller ist gut darin beraten, das Thema nicht voreilig „ad acta“ zu legen, denn das Controlling ist durchaus in der Lage, einen wichtigen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit zu leisten!

Der Referent: Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar

Die Autoren: Jochen Rehring/Ludwig Voußem, Institut für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management

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Schlagworte zum Thema:  Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitscontrolling, Green Controlling

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