13.12.2011 | Controllerpraxis

Nachhaltige Vorstandsvergütung: Zusätzliche Gestaltungsparameter erhöhen auch die Komplexität

Zahlreiche börsennotierte Unternehmen haben auf die Kritik der Öffentlichkeit und Gesetzesänderungen reagiert und die Vorstandsvergütung überarbeitet. Die Bemühungen, vor allem nachhaltigen Erfolg zu belohnen, haben jedoch auch Nachteile.

Vorstände profitieren von besserer Wirtschaftslage

Höhe und Ausgestaltung der Vorstandsvergütung stehen seit längerem unter genauer Beobachtung. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und Investoren und geänderte gesetzliche Regelungen sind wesentliche Treiber dieser Entwicklung. Die Frage ist: In welche Richtung entwickelt sich die Vorstandsvergütung?

Die Höhe der Vorstandsvergütung ist zum einen von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Dementsprechend konnten sich die Vorstände im Geschäftsjahr 2010 über eine 25%ige Steigerung ihrer Einkünfte im Vergleich zum Vorjahr freuen. Mit durchschnittlich 951.000 Euro lag das Jahreseinkommen in 2010 sogar um 5 % über dem Vorkrisenniveau aus 2007.

Allerdings treten innerhalb der Indizes des Prime Standards signifikante Unterschiede auf. Vorstände von DAX-Unternehmen verdienen mit durchschnittlich 2.772.000 Euro Jahreseinkommen am meisten, gefolgt von den Kollegen im MDAX mit 1.485.000 EUR. TecDAX-Unternehmen zahlten ihrem Spitzenpersonal in 2010 durchschnittlich 831.000 Euro und liegen damit fast gleichauf mit den SDAX-Unternehmen, die 857.000 Euro pro Kopf berappen. Bei der Steigerungsrate hatten die MDAX-Vorstände die Nase vorn.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich auch in den variablen Gehaltsbestandsteilen nieder. Diese stieg von 37 % auf 45 % in den Jahren 2009/2010.

Zusätzliche Gestaltungsparameter bei der variablen Vergütung

In den letzten Jahren sahen sich viele Unternehmen veranlasst, ihre variablen Gehaltsbestandsteile zu überarbeiten. 2010 passten rund zwei Drittel der Unternehmen ihre variable Barvergütung an; immerhin 47 % optimierten ihre aktienbasierten Anreizsysteme. Eine Reihe weiterer Gestaltungsparameter ist in der Diskussion. Zu diesen Parametern zählen z. B.

  • Ausschüttungssperren,
  • Malusregelungen,
  • Bonusbanken und
  • Caps.

Die Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten macht es den Aufsichtsgremien nicht gerade leichter, eine angemessene, transparente und nachvollziehbare Vergütungsstruktur zu entwickeln. Auch wenn der Einsatz der oben genannten Instrumente auf dem Vormarsch ist, bleibt das Niveau niedrig. 11 % der Unternehmen nutzten Malusregeln, 9% haben Ausschüttungssperren implementiert.

Besonders herausfordernd ist die nachhaltige Erfolgsmessung. Die Mehrheit der Unternehmen fokussiert sich auf einjährige Bemessungsgrundlagen. Einige wenige kombinieren ein- und mehrjährige Ansätze bzw. nutzen ausschließlich die mehrjährige Betrachtung bestimmter Kennzahlen zur Bestimmung variabler Vergütungsbestandsteile.

Steigende Komplexität führt zu Intransparenz und mangelnder Leistungsabhängigkeit

Die steigende Komplexität der Vergütungssysteme zeigt sich auch darin, dass mehr als die Hälfte der DAX- und MDAX-Unternehmen zur Beurteilung ihrer Vorstände mindestens drei Kennzahlen nutzt.

Die zunehmende Komplexität wird von Investoren und der Öffentlichkeit durchaus kritisch begleitet. Denn die Vielzahl an Kennzahlen und teilweise vagen Oder-Verknüpfungen von Zielen führt zu undurchsichtigen Bonusansprüchen. In bestimmten Fällen wird der Zusammenhang zwischen Leistung und Vergütung abgeschwächt, d. h. es liegen auch bei ungenügender Unternehmensperformance Bonusansprüche vor. In den kommenden Jahren besteht an diesen Punkten noch Handlungsbedarf, um allen Interessen gerecht zu werden.

Grundlagen

Die Studie „Aktuelle Entwicklungen bei der Vorstandsvergütung“ erschien in der Ausgabe 10/2011 der Zeitschrift „Der Aufsichtsrat“. Der Beitrag der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rapp und Prof. Wolff der Universitäten Marburg und Göttingen basiert auf einer Untersuchung von rund 300 Unternehmen aus dem deutschen Prime Standard.

Aktuell

Meistgelesen