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Nachhaltige Unternehmensführung: Deutsche Konzerne ganz vorne mit dabei

Der Druck auf Unternehmen zu nachhaltigem Handeln wächst. Auch die entsprechende Berichterstattung wird zunehmend professioneller und transparenter. Deutsche Dax-30-Unternehmen stehen in der Gesamtbewertung weit vorne.

Bedeutung nachhaltiger Unternehmensführung wächst

Die Bedeutung einer nachhaltigen Unternehmensführung wächst. Stakeholder treten Unternehmen zunehmend kritischer entgegen und verlangen eine transparente Berichterstattung. In den letzten Jahren haben die Unternehmen darauf reagiert, besonders in Deutschland. Nicht nur die Anzahl an Nachhaltigkeitsberichten ist angestiegen, sondern auch deren Qualität ist merklich besser geworden.

Die Dax-30-Unternehmen liegen im Vergleich zu ihren Nachbarn in Österreich und der Schweiz in der Gesamtbewertung vorne. Die Vollständigkeit, Transparenz und Aussagekraft ihrer Nachhaltigkeitsberichte wurde mit 77 von 100 möglichen Punkten bewertet. Aktiengesellschaften in der Schweiz und Österreich erzielten mit 66% bzw. 43% deutlichh schlechtere Noten. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben. Verbesserungsbedarf besteht vor allem im Umgang mit den Bedürfnissen der Stakeholder. Lediglich ein Drittel der im Dax notierten Unternehmen setzt sich in der öffentlichen Kommunikation mit ihren Stakeholdern auseinander. In Österreich und der Schweiz ist der Wert sogar noch geringer.

Die Top-3-Unternehmen stammen aus Deutschland und der Schweiz

Mit Henkel, Siemens und Roche stellt die verarbeitende Industrie zwei von drei Gewinnern im Nachhaltigkeits-Reporting. Mit Henkel und Siemens stammen zwei von ihnen aus Deutschland. Unternehmen aus Österreich sind nicht auf dem Treppchen vertreten. Was zeichnet diese drei Top-Unternehmen aus?

Henkel publiziert z.B. seit 1992 Umweltberichte, die seit 2000 um soziale und ökonomische Komponenten erweitert wurden. Siemens hingegen gilt als Best-Practice-Beispiel für die Integration ökologischer und sozialer Verantwortung im Kerngeschäft.

Branchenvergleich: Energie und Chemie top, Immobilien flop

Unternehmen, die sehr eng mit dem Endverbraucher zusammenarbeiten, weisen in der Regel eine sehr gute Gesamtbewertung ihrer Nachhaltigkeits-Berichterstattung auf. Noch deutlicher wird der Brancheneffekt jedoch bei der Exponiertheit einer Branche in der öffentlichen Diskussion. Je kritischer eine Branche in den Medien wahrgenommen wird, umso transparenter ist häufig die Berichterstattung. Dementsprechend gehören die Energie-, Chemie- und Baubranche zu den Vorreitern. Auf den hinteren Rängen stehen hingegen der Unterhaltungs- und Immobiliensektor.

Gerade bei den Branchen auf den hinteren Rängen ist noch Potenzial vorhanden. Beispiel Immobilienbranche: Immobilienverwalter und Projektentwicklung arbeiten aus der Sicht des Endkundens eher im Verborgenen. Dementsprechend kommunizieren diese Berufsgruppen auch viel weniger über ihr nachhaltiges Handeln. Dabei gäbe es reichlich Themen von großer Wichtigkeit, wie z.B. Energieeffizienz in Gebäuden, Klimaschutz oder umweltfreundliche Baumaterialien.

Grundlage

Im März 2011 veröffentlichte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC die Studie „Unternehmerische Verantwortung im Zeitalter der Transparenz“. Untersucht wurde die Transparenz der nicht-finanziellen Berichterstattung von 89 Unternehmen der größten Aktienindizes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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