| Mittelstand

Innovationsstärke noch immer auf niedrigem Niveau

Bild: KfW / Stephan Sperl

Innovationen im deutschen Mittelstand sind bei weitem nicht so ausgeprägt wie vielfach angenommen. Dies zeigt der aktuelle KfW-Innovationsbericht. Trotz insgesamt leichter Verbesserung gibt es weiterhin merkliche Innovationshemmnisse. Erstaunlicherweise führt trotz verbesserter Situation ein Klassiker die Liste der Hemmnisse an.

Die gute Nachricht zuerst: Im deutschen Mittelstand hat der Anteil der Innovatoren im Vergleich zur Vorperiode (2011/2013) um etwa ein Prozent auf 29% (2012/2014) zugelegt. Als Innovatoren gelten diejenigen Unternehmen, die im jeweiligen Untersuchungszeitraum neu eingeführte Innovationen vorzuweisen haben. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass im Vergleich zur Vorperiode 32.000 mehr Unternehmen Innovationen hervorbringen konnten.
Dieser leichte Anstieg sollte jedoch nicht den Blick auf die Gesamtentwicklung versperren, denn der aktuelle Wert (29%) liegt weit unter denen der Perioden vor der Finanzkrise. In der Spitzenperiode 2004/2006 lag die Innovatoren-Quote bei 43%. Auch im internationalen Vergleich sind deutsche KMU mit ihren Innovationsbemühungen eher Mittelmaß. Eine Ausnahme in der gesamthaft eher schwächelnden Innovatorenlandschaft ist das FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe, das mit 55% Innovatorenanteil im aktuellen Berichtszeitraum die Nase vorn hat. Ursächlich für die insgesamt leichte Innovationsverbesserung könnte unter anderem die aktuelle Konjunktur sein.

Impulse von außen sind wichtige Innovationsquelle

Während nur geringfügige 5% der Unternehmen kontinuierliche Forschung und Entwicklung betreiben, manifestieren sich Impulse von außen als wichtiger Innovationstreiber. So gehen insgesamt 26% der Mittelständler Innovationskooperationen ein wobei der Anteil mit zunehmender Unternehmensgröße wächst. Kunden sind dabei die Nummer 1 unter den Top 3 Kooperationspartnern:

  • Kunden / Nutzer / Auftraggeber: 41%
  • Lieferanten von Maschinen / Software: 29%
  • Material- / Vorproduktlieferanten: 27%

Mangelnde Finanzierungsquellen sind zentrales Innovationshemmnis

Sind Innovationsquellen schließlich erschlossen und Ideen generiert sehen sich viele Unternehmen verschiedenerlei Hemmnissen gegenüber, die den Innovationsprozess erschweren. Ein Blick auf die Top 3 Hemmnisse verdeutlicht, dass bei der Finanzierung der Schuh am meisten drückt:

  • Mangel an internen Finanzierungsquellen: 39%
  • Mangel an geeigneten externen Finanzierungsquellen: 36%
  • Mangel an Fachpersonal: 30%

Erstaunlich ist dies insbesondere vor dem Hintergrund der besseren Eigenkapitalsituation und des grundsätzlich positiven Finanzierungsumfelds. Aber eine schwierige Einschätzung von Chancen und Risiken, die regelmäßigen Investitionen in Know-how und ein insgesamt oft recht geringes Investitionsvolumen machen insbesondere den Zugang zu externen Finanzierungsquellen für Mittelständler schwierig. Relativierend ist hier jedoch anzumerken, dass die Innovationshemmnisse Innovationen selten vollständig verhindern, sondern gegebenenfalls Projektlaufzeiten verlängert oder nur einzelne Projekte nicht durchgeführt werden.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der deutsche Mittelstand derzeit ein ganzes Stück von seiner Innovations-Bestmarke entfernt ist. Damit sich der leicht positive Trend fortsetzen kann bedarf es in näherer Zukunft laut KfW vor allem einer positiven Konjunkturentwicklung.

Zur Studie

Die Daten der Studie stammen aus dem KfW-Mittelstandspanel, das seit 2003 über schriftliche Wiederholungsbefragungen Entwicklungen bei Unternehmen bis 500 Mio. EUR Umsatz erfasst. Der aktuellen Erhebung liegt eine repräsentative Stichprobe von 12.207 mittelständischen Unternehmen zugrunde.

Quelle: KfW Bankengruppe (2016): KfW-Innovationsbericht Mittelstand 2015 – Innovationen trotz leichter Erholung weiterhin im Tal. Frankfurt am Main.

Schlagworte zum Thema:  Mittelstand, Innovation

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