Die digitale Transformation verändert das Controlling radikal. Neue Datenströme, Datenquellen und Datenqualitäten sowie neue Business Intelligence-Werkzeuge verändern das Anforderungsprofil an Controller grundlegend. In den nächsten Jahren müssen sich Controller acht zentralen Herausforderungen stellen.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Controllings muss sich das Rollenbild des Controllers anpassen, weil sich das technologische Umfeld rasant weiterentwickelt. Bisher bestimmten die Anforderungen aus der Controlling-Praxis, was die Technologie leisten muss – nicht umgekehrt. Controller stehen vor der Herausforderung, ihr Aufgabenprofil, ihre Tools und ihre Denkweisen diesen neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Auf lange Sicht wird die Zahl der Controller zurückgehen, während sich das Controlling an sich noch stärker zur Managementaufgabe entwickelt. Auch wenn technische Veränderungen diesen Wandel vorantreiben, können Controller ihre Rolle jetzt proaktiv weiterentwickeln. Sie müssen die Veränderungen lediglich erkennen und die acht großen Herausforderungen annehmen.

1.    Das Management von Daten

Die Bedeutung des Managements von Rohdaten und Stammdaten steigt. Sauberes und fehlerfreies Datenmaterial ist die Grundlage für beispielsweise Predictive Analytics. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, die Konsistenz und die Kompatibilität verschiedener Daten- und Analysemodelle innerhalb eines Unternehmens sicherzustellen. Die Hoheit über das Management finanzieller und nicht-finanzieller Stammdaten muss im Controlling liegen.

2.    Self-Controlling

Drei Trends in der IT verändern das Reporting. Erstens funktionieren viele Lösungen nach dem Self-Service-Prinzip. Manager sind mehr und mehr in der Lage, eigenständig die für sie relevanten Informationen aus einem System zu ziehen. Zweitens passiert dies zunehmend ortsunabhängig und in – drittens – Echtzeit. Controller sollten diese Entwicklung aktiv fördern und den Kontext des Self-Service steuern. Dazu gehört auch die Frage: Was ist das optimale Maß an Self-Service und Realtime?

3.    Unternehmen agil steuern

Etablierte Geschäftsmodelle stehen heute im Wettbewerb mit digitalen Alternativen. Unternehmen sind gezwungen, schlanker, integrierter und schneller zu arbeiten. Kurzum: sie müssen agil werden. Controller müssen auf Basis aktueller Forecasts auch unterjährig schnell agieren und mehr Feedbackschleifen durchlaufen. Allgemein geht die Planbarkeit des Geschäftes zurück. Controller müssen lernen, mit strategischen und operativen Unsicherheiten umzugehen. Es bedarf einer kontrollierten Trail-and-Error-Kultur.

4.    Effizienz im Controlling

Controlling-Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren, erhöht die Effizienz enorm. Fallen Routinetätigkeiten wie beispielsweise Datenimporte aufgrund von Automatisierung weg, können sich Controller wichtigeren Aufgaben widmen, die das Business voranbringen. Es eröffnen sich neue Karrierewege.

5.    Controller als Berater des Managements

Controller sind Businesspartner des Managements und haben einerseits die Aufgabe, die digitale Transformation aktiv voranzutreiben. Andererseits müssen sie auch die kurzfristige Profitabilität erhalten. Beide Interessen können miteinander in Konflikt stehen. In der Startphase der digitalen Transformation müssen Controller die zur Verfügung stehenden Ressourcen weise zwischen analogen und digitalen Geschäftsfeldern verteilen. Um in volatilen Märkten zu bestehen, brauchen Unternehmen eine Kultur des offenen Informationsaustauschs und der konstruktiven Kritik.

6.    Analytics und Big Data

Möchten Controller auch künftig als ernstzunehmende Businesspartner angesehen werden, dürfen sie sich nicht länger auf Small Data beschränken. Die Analyse von Big Data gewinnt zusehends an Bedeutung. In Forecasts sollten sie sich nicht mehr damit aufhalten, einen punktgenauen Wert anzustreben. Stattdessen sollte das Einhalten eines – je nach Geschäftsmodell – mehr oder weniger breiten Korridors das Ziel sein.

7.    Neue Fähigkeiten erlernen

Die Anforderungen an das Kompetenzprofil des Controllers wachsen. Im Zeitalter der Digitalisierung müssen sie ihre Kompetenzen in den Bereichen Statistik und Informationstechnologie weiterentwickeln, genauso gewinnen soziale und kommunikative Fähigkeiten und ein solides Verständnis des Geschäftes an Bedeutung.

8.    Denkmuster infrage stellen

Das Denken und Handeln von Controllern ist derzeit noch auf Effizienz und rentables Wachstum ausgerichtet. Die damit verbundenen Logiken zur Unternehmenssteuerung und um Entscheidungen zu treffen funktionieren hervorragend in stabilen Kontexten. Jedoch kommen sie eher schlecht mit der Konkurrenz disruptiver Technologien zurecht und behindern die digitale Transformation mehr, als dass sie sie unterstützen.

 

Fazit: Die Digitalisierung erfordert ein Umdenken für Controller. Wertbringende Tätigkeiten und die Arbeitszeit als Gut werden noch wichtiger. Der erste Schritt, um sich wiederholende Tätigkeiten zu automatisieren, ist die Implementierung einer Softwarelösung. Controller werden künftig Technologien brauchen, die sie intelligent bei der Planung unterstützen. Es wird noch mehr zur Aufgabe des Controllings, auf Basis einer guten Planung die Zukunft des Unternehmens zu gestalten.

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