13.09.2011 | Controllerpraxis

Mehr Liquidität durch Working Capital Management: Mittelstand hinkt hinterher

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Viele Unternehmen in Deutschland verschenken Potenziale, weil sie ihr Working Capital Management vernachlässigen. Gerade der Mittelstand sollte aufrüsten.

Wie steht es um das Working Capital Management in deutschen Unternehmen?

Fast zwei Drittel der großen deutschen Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern hat das Working Capital ständig im Auge. Der deutsche Mittelstand hinkt hinterher: Lediglich ein Drittel der Befragten arbeitet an einer Senkung des Working Capital.

Dabei könnten gerade mittelständische Unternehmen von einem besseren Working Capital Management profitieren. Jeder Euro mehr stärkt die Innenfinanzierung des Unternehmens und macht es unabhängiger von externen Kapitalgebern. Gerade der deutsche Mittelstand baut traditionell sehr stark auf Fremdkapital von Banken. Immerhin 84 % der Befragten setzten hauptsächlich auf Bankkredite. Doch die Vergaberichtlinien der Banken sind in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden. Weitere 21% der deutschen Mittelständler setzen auf Gesellschafterdarlehen. Andere Finanzierungsquellen stehen kleineren Unternehmen kaum offen. Große Unternehmen hingegen können sich beispielsweise über den Kapitalmarkt finanzieren.

Status Quo: Wie deutsche Unternehmen ihr Working Capital optimieren

Bei der Optimierung des Working Capital haben sich unter den Befragten einige Klassiker herauskristallisiert:

  • 94 % der Befragten setzt auf die Reduzierung ihres Lagerbestandes 79 % der großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern reduziert regelmäßig die Forderungen. Kleinere Unternehmen nutzen diese Möglichkeit mit 55 % deutlich weniger. Ein Grund kann die höhere Verhandlungsmacht großer Unternehmen gegenüber Kunden sein.
  • Rund 50 % der großen Unternehmen erhöht die Verbindlichkeiten bei Lieferanten. Der deutsche Mittelstand nutzt diese Chance zu 33 %.

Noch einen Schritt weiter: umfassendes Working Capital Management

Trotz der zahlreichen Bemühungen zur Senkung des Working Capitals bleiben mehrere Maßnahmen ungenutzt. Grundprinzip eines umfassendes Working Capital Management ist es, die gesamte Wertschöpfungskette zu betrachten, d.h. vom Wareneingang bis zum Verkauf beim Kunden. Dann ergeben sich weitere Möglichkeiten:

  • Die Einkäufer können die Zahlungskonditionen bei Lieferanten zugunsten des Unternehmens nachverhandeln und längere Zahlungsziele erreichen.
  • Auch bei den Belieferungskonzepten sind mehrere Optionen denkbar. Diese reichen von einer IT-gestützten Bestandssteuerung bis hin zu Just-in-Time-Konzepten.
  • Ist die Ware geliefert, sollte sie zügig in die Produktion gehen um unnötige Lagerzeiten zu vermeiden. Lange Lagerzeiten erhöhen stets das Risiko von Schwund und Beschädigung.
  • Produktionsprozesse, Losgrößen und interne Transport- und Laufwege müssen optimiert werden, um einen schlanken Produktionsprozess zu schaffen.
  • Schließlich gilt es mit den eigenen Kunden möglichst rasche Zahlungsziele zu vereinbaren. Anreize durch Skonto sind eine Möglichkeit, dies zu erreichen.

Diese Maßnahmen sind unabhängig von der konjunkturellen Lage von Bedeutung. Denn wenn ein Unternehmen erst in Krisenzeiten an sein Working Capital denkt, kann es bereits zu spät sein.

Grundlage

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting. Die Befragung wurde im ersten Quartal 2011 durchgeführt. 501 Entscheider aus allen Branchen nahmen teil. 

Schlagworte zum Thema:  Working-Capital, Liquidität, Mittelstand

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