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Kostenoptimierung mit der Produktkostenanalyse

Die Produktkostenanalyse schafft Transparenz über aktuelle und zukünftige Kosten. Bei diesen Projekten kann der Controller seine Fach- und Methodenkompetenz umfassend einbringen.

Kostensenkung in Einkauf, Entwicklung und Produktion

Die Produktkostenanalyse liefert dem Controller wichtige, entscheidungsrelevante Informationen. Produkte, vor allem extern bezogene Teile, werden systematisch in ihre Einzelteile zerlegt und akribisch untersucht. Diese Einzelteile werden genau vermessen, gewogen und schließlich in ihre Kostenparameter aufgespalten. Lohnkosten, Materialkosten, Transportkosten etc. werden dabei berücksichtigt. Das Ergebnis ist eine systematische Übersicht über die Kosten des Gesamtproduktes und seiner Einzelteile.

Wozu kann ein Controller diese Kosteninformationen nutzen?

Wenn es sich um Fremdfabrikate handelt, bietet sich ein Briefing des Chef-Einkäufers an. Neue Argumente für Einkaufsverhandlungen können Potenziale für Kosteneinsparungen freisetzen. Auch bei internen Projekten können zukünftige Kosten geplant werden und – falls nötig – rechtzeitig optimiert werden. Auf diese Weise entfallen unnötige Entwicklungs- und Produktionskosten. Die rechtzeitige Einbindung der Controller in die Projektarbeit ist dabei essenziell.

Automobilzulieferer sind Pioniere, andere Branchen hinken noch hinterher

In der deutschen Wirtschaft wurden die Potenziale der Produktkostenanalyse noch nicht flächendeckend erkannt. Zwar wollen 80 % der Befragten Kosten einsparen. Jedoch verschenkt eine Reihe an Unternehmen unnötig Potenziale. Pionierarbeit leisten die Automobilzulieferer. 44 % von ihnen nutzen derartige Instrumente zur systematischen Aufgliederung von Kosten. Das ist auch nicht verwunderlich: Schließlich hat die Automobilzulieferindustrie die Produktkostenanalyse vor mehr als dreißig Jahren erfunden.

Trotz Krise und zunehmender Wettbewerbsintensität in vielen Branchen hat die Produktkostenanalyse in anderen Industrien noch nicht die erwartete Verbreitung gefunden. Nur rund 20 % der deutschen Maschinenbauer geben an, dieses Instrument zu nutzen. Bei kleineren Unternehmen mit weniger als 100 Mio. EUR Jahresumsatz sind es mit 10 % sogar noch weniger.

Ist die Produktkostenanalyse nur für große Unternehmen geeignet?

Diese Aussage kann pauschal nicht beantwortet werden, weil der Nutzen eines Controlling-Instruments an den individuellen Bedürfnissen eines Unternehmens zu messen ist. Allerdings gilt: Ohne Schweiß kein Preis. Für die Implementierung der Produktkostenanalyse müssen Controller gerade am Anfang einiges an Ressourcen aufbringen. Da kleinere und mittlere Unternehmen oft weniger Ressourcen zur Verfügung haben, mögen einige von ihnen skeptisch sein. Ein gangbarer Kompromiss wäre, die Produktkostenanalyse nicht pauschal auf jedes Produkt anzuwenden, sondern sich auf besonders wichtige Produkte zu fokussieren.

Grundlagen

Die gemeinschaftliche Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach und der Universität St. Gallen im Auftrag von Kerkhoff Consulting und costada Cost Engineering diente als Grundlage für die Publikation. Die Studie wurde im Juni 2011 publiziert.

Schlagworte zum Thema:  Kostenmanagement, Effizienzsteigerung, Kostensenkung

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