07.12.2011 | Controllerpraxis

Komplexe Wertschöpfungsketten: Fünf Tipps für erfolgreiches Schnittstellenmanagement

Je komplexer die Wertschöpfungskette, desto größer die Anzahl der Schnittstellen. Ohne Koordination gerät die Wertschöpfungskette schnell an ihre Grenzen. Um das Schnittstellenmanagement zu optimieren, sollten fünf Empfehlungen berücksichtigt werden.

Warum hakt es häufig an den Schnittstellen?

Die arbeitsteilige Zusammenarbeit gehört zu den Erfolgsfaktoren heutiger Unternehmen. Mehrere Abteilungen müssen sich optimal untereinander abstimmen, um einen Auftrag kundengerecht abzuwickeln. Mit zunehmend geringerer Wertschöpfungstiefe steigt allerdings die Anzahl der Schnittstellen mit externen Partnern. Dies erhöht die Fehleranfälligkeit der gesamten Wertschöpfungskette und beeinträchtigt ihre Leistungsfähigkeit. Die Unternehmensberatung J&M Management Consulting hat die Probleme analysiert und Empfehlungen für Verbesserungsansätze erarbeitet.

Wo liegen nun die häufigsten Schnittstellen-Probleme in der Wertschöpfungskette? In der Praxis lassen sich drei zentrale Problem-Typen unterscheiden:

  • Zielkonflikte: Auch wenn die übergeordneten Ziele von allen Mitarbeitern akzeptiert und verstanden werden, können auf der operativen Ebene Herausforderungen bei der Umsetzung auftreten. Der klassische Konflikt tritt beispielsweise zwischen Vertriebs- und Produktionszielen auf. Aufgabe des Vertriebs ist es, möglichst spezifisch auf den Kunden einzugehen und seinen Bedürfnissen entsprechend ein attraktives Angebot zu liefern. Im Gegensatz dazu strebt die Produktion die größtmögliche Standardisierung an, um Kosten einzusparen.
  • Brüche im Informationsfluss: Die ständige enge Abstimmung aller Beteiligten unterstützt durch moderne IT soll einen durchgängigen Informationsfluss sicherstellen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Im hektischen Alltag fallen oft wichtige Informationen, wie z.B. kundenspezifische Wünsche, unter den Tisch. Und auch die IT kann nicht alle Probleme lösen. Unterschiedliche IT-Systeme führen zu weiteren Brüchen und die Stammdatenqualität lässt mancherorts auch zu wünschen übrig.
  • Fehlende Koordination: Je komplexer die Wertschöpfungskette, desto dringlicher wird die Rolle eines Koordinators. Aufgabe dieses Wertstrom-Managers ist es, sich um Probleme zu kümmern, kontinuierliche Verbesserungen anzustoßen und zu überwachen und die Priorisierung von Aufträgen vorzunehmen. D.h. hier handelt es sich um einen Generalisten, der zu jeder Zeit den Überblick über alle Prozesse haben sollte.

 

Fünf Tipps für ein erfolgreiches Schnittstellenmanagement

  1. Vertrauen schaffen: Dieser Hinweis klingt fast schon banal. Trotzdem wird er in der Praxis oft nicht hinreichend beachtet. Der Informationsaustausch zwischen den Partnern einer Wertschöpfungskette kann sehr schleppend verlaufen, wenn das nötige Vertrauen fehlt. Doch ohne Offenheit kann keine vernünftige Planung stattfinden. In einer vertrauensvollen Atmosphäre hingegen können auch knifflige Themen besprochen werden wie z. B. Lieferengpässe.
  2. Kommunikationsstandards implementieren: Wenn viele Beteiligte unter einen Hut gebracht werden müssen, sind klare Standards zu setzen. Wer tauscht wann welche Fakten miteinander aus? Wenn diese Fragen geklärt sind, zählt die Ausrede nicht mehr „Das habe ich nicht gewusst.“
  3. Ansprechpartner definieren: Gebündelte Verantwortlichkeiten vermindern die Anzahl der Schnittstellen. Wenn der Kunde einen statt mehrerer Ansprechpartner hat, können Informationen gebündelt intern weitergeleitet werden. Dies verringert auch die Gefahr, dass einige Inhalte verloren gehen.
  4. Realistische Zeitpläne aufstellen: Komplexe Wertschöpfungsketten bestehen nicht zwangsläufig aus ebenbürtigen Partnern. Wenn ein Partner in finanzielle Schwierigkeiten gerät oder weniger leistungsfähig ist, sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. Druck aufbauen und zu ambitionierte Ziele setzen ist hingegen nicht erfolgsversprechend. Eher tritt das Gegenteil ein: Der Partner wird vor den Kopf gestoßen und ist nicht mehr bereit, alle Informationen offenzulegen.
  5. Langfristig handeln: Bei der Suche nach Partnern sind mehrere Kriterien abzuwägen. Der Preis ist nicht die einzig wichtige Variable. Verlässlichkeit, Flexibilität, Qualität und Kapazitäten spielen ebenfalls eine zentrale Rolle, um die Leistungsfähigkeit der Wertschöpfungskette nachhaltig sicherzustellen.

Grundlagen

Dieser Artikel basiert auf einem Interview mit Dr. Christoph Kilger und einem Fachbeitrag von Dr. Dieter Bölzing von der Unternehmensberatung J&M Management Consulting. Die Informationen wurden im September 2011 unter www.jnm.de veröffentlicht.

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