27.09.2011 | Controllerpraxis

Integriertes Reporting: fünf Kriterien und sechs Kernelemente

Das Konzept des integrierten Reportings lässt sich mit fünf übergeordneten Kriterien und sechs Kernelemente relativ leicht beschreiben. Doch die Bewährung in der Praxis steht noch aus.

Wodurch unterscheided sich integriertes Reporting vom traditionellen Ansatz?

Der traditionelle Fokus im Reporting liegt auf vergangenheitsorientierten Finanzdaten. Der neue Ansatz zielt darauf ab, umfassendere Informationen zu liefern: strategische, zukunftsorientierte Daten sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Auf diese Weise erfolgt auch ein Wandel vom einem kurzzeitigen zu einem längerfristigen Zeithorizont, der nachhaltiger auf die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens abzielt.

Die vernetzte Analyse aller relevanten Informationen ist eine weitere Neuerung am Konzept des integrierten Reporting. Herkömmliche Ansätze begünstigen ein Silo-Denken, mit dem Resultat, dass mehrere Berichte isoliert voneinander existieren. Die Komplexität des Geschäftsmodells verständlich abzubilden ist eine Herausforderung, die zukünftig stärker in den Fokus gerückt werden sollte.

Integriertes Reporting zielt ferner darauf ab, Vertrauen zu allen relevanten Interessensgruppen aufzubauen. Die höhere Transparenz schafft die Grundlage dafür. Erreicht werden soll dies durch einen höheren Informationswert, nicht durch eine höhere Seitenanzahl des Berichts. Konkret bedeutet dies, die Themenpalette auszuweiten (z. B. um ökologische und gesellschaftliche Themen) und neben positiven Inhalten auch negative Themen anzusprechen.

Wie funktioniert integriertes Reporting?

Das neue Konzept des International Integrated Reporting Committee (IIRC) zum integrierten Reporting lässt sich in fünf übergeordnete Prinzipien und sechs Kernelemente gliedern, die im Folgenden erläutert werden.

Die fünf übergeordneten Prinzipien:

Aufgabe der dieser Prinzipien ist es, die Vorbereitung des integrierten Reports mitzugestalten, den Inhalt vorab zu definieren und formale Gestaltungsansätze vorzuschlagen. 

  1. Strategischer Fokus
    Ein integrierter Report sollte auf die strategischen Ziele eingehen und erläutern, wie diese Ziele mit dem Geschäftsmodell und der Wertschöpfung zusammenhängen. Inhaltlich gehören beispielsweise Risiken und Chancen für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zu diesem Punkt.
  2. Zusammenhang zwischen den Informationen
    Die zahlreichen Beziehungen zwischen den Unternehmensfunktionen und der Umwelt sollten erläutert werden. Dieser Ansatz ermöglicht einen Wandel vom klassischen Silo-Denken zum vernetzten Denken. Ein Beispiel ist die Darstellung, wie finanzielle Ergebnisse durch operative Maßnahmen beeinflusst werden.
  3. Zukünftige Orientierung
    Dieses Prinzip beinhaltet die kurz- und langfristigen Pläne eines Unternehmens sowie die Chancen und Risiken auf diesem Weg. Ein Unternehmen sollte an dieser Stelle beschreiben, wie es sich im Vergleich zum Wettbewerb aufstellt und wie es mit Risiken umgeht.
  4. Reaktionsfreudigkeit und Einbezug von Stakeholdern
    Unternehmen sollten darlegen, wie sie mit den Interessen ihrer Stakeholder umgehen. Ein proaktiver Dialog mit den wichtigsten Interessensgruppen bietet sich ebenfalls an, um rechtzeitig neue Themen aufzuspüren und konstruktiv gemeinsam daran zu arbeiten.
  5. Präzision, Verlässlichkeit und Wichtigkeit der Information
    Natürlich ist es herausfordernd einen Bericht zu erstellen, der jederzeit alle drei Kriterien – Präzision, Verlässlichkeit und Wichtigkeit – erfüllt. Trotzdem sollte sich das Top-Management dafür stark machen, dass diese drei Ziele so gut wie möglich erreicht werden.

Die sechs Kernelemente:

Die folgenden sechs Kernelemente sind integraler Bestandteil jedes Reports und stehen im engen Zusammenhang. Die Zusammenhänge zwischen ihnen sollten explizit erläutert werden und isolierte Darstellungen vermieden werden.

  1. Struktur und Geschäftsmodell
    Das grundlegende Verständnis eines Unternehmens beinhaltet seine Organisationsstruktur, die Funktionsweise des Geschäftsmodells sowie zentrale Stärken und Schwächen.
  2. Kontext, inklusive Chancen und Risiken
    Wie entwickelt sich das relevante Umfeld? Welche sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren beeinflussen uns? Diese Fragen sind zu beantworten und zielgruppenspezifisch darzustellen.
  3. Strategische Ziele
    Hier steht im Vordergrund, für welche Projekte die Ressourcen genutzt werden, wie Risiken gehandhabt werden und wie nachhaltig die Wirkung einzelner Maßnahmen ist.
  4. Steuerung und Vergütung
    Unter Steuerung sind die Entscheidungswege, Führungsprinzipien und Verantwortlichkeiten zu verstehen. Ein weiterer Punkt sind die Anreizsystem des Top-Managements und ihre kurz-, mittel- und langfristige Ausrichtung.
  5. Leistung
    Wie hat das Unternehmen im Vergleich zu seinen Zielen und dem Wettbewerb abgeschnitten? Welche Kennzahlen belegen dies? Welche Optimierungspotenziale bestehen? Diese Informationen sind dezidiert darzulegen.
  6. Ausblick
    Hier sind die zukünftigen Entwicklungen und Ziele darzulegen. Die Leser des Reports sollten überzeugt werden, dass das Unternehmen gut für die Zukunft gerüstet ist und seine Chancen optimal ausschöpft.

Ein erstes Fazit

Das hier vorgestellte neue Konzept eines integrierten Reporting ist vergleichsweise jung und muss sich in der Praxis noch bewähren und verfeinert werden. In diesem ersten Vorschlag ist es vor allem für große Unternehmen konzipiert worden. Anpassungen an die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen stehen noch aus, ebenso wie denkbare industriespezifische Modifikationen. Diese Gedankengänge bringen dennoch frischen Wind in eine bekannte Diskussion und die Chance, nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Jeder Interessent – Unternehmen, Stakeholder, Wirtschaftsprüfer u.a. – ist daher eingeladen, die Implikationen dieses Konzepts für sich zu überdenken.

Die Initiative

Das Diskussionspapier „Towards Integrated Reporting“ wurde Anfang September 2011 von dem International Integrated Reporting Committe (IIRC) veröffentlicht. Das IIRC versteht sich als global agierendes, interdisziplinäres Netzwerk, das führende Experten aus den verschiedensten Bereichen (z. B. Unternehmen, Wissenschaft, Gesellschaft, Gesetzgeber u. a.) vereint. Ziel ist es, das Rahmenkonzept im Diskurs mit allen Interessierten schrittweise zu verfeinern.

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