31.01.2012 | Controllerpraxis

Innovation im Stakeholder-Dialog: der Deutsche Nachhaltigkeitskodex

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex soll Unternehmen anregen mehr über ihre nachhaltige Entwicklung nachzudenken und über ihr Handeln Rechenschaft abzulegen.

Ziele und Zweck des DNKs

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung zusammen mit zahlreichen Stakeholdern entwickelt. Insgesamt wirkten Repräsentanten der Finanzmärkte, Unternehmen und der Zivilgesellschaft bei der Ausarbeitung mit. Ziel des DNKs ist es, mehr

  • Verbindlichkeit,
  • Transparenz und
  • Vergleichbarkeit

bei der Umsetzung und Berichterstattung über die nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Den Unternehmen und der Politik wurde die Umsetzung des DNKs als freiwilliges Instrument nachdrücklich empfohlen. Der DNK strahlt eine hohe politische Bedeutung aus, die nicht nur nationale, sondern auch europäische und globale Dimensionen erreichen soll.

28 Unternehmen überprüften den DNK auf Praxistauglichkeit. Darunter befinden sich börsennotierte und mittelständische Unternehmen oder deutsche Tochtergesellschaften aus Produktion, Handel und Dienstleistung. Insgesamt weisen diese „Test-Unternehmen“ eine Marktkapitalisierung von 463 Milliarden Euro auf und vereinen rund 3,16 Mio. Mitarbeiter in Deutschland auf sich. Der DNK ist konzipiert für Organisationen jeglicher Art, d. h. privatwirtschaftlich arbeitende Unternehmen, Nichtregierungs-Organisationen, Stiftungen, Verbände, Universitäten etc.

Zur Geschichte: Entstehung des DNK

Am 13. Oktober 2011 hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung den DNK einstimmig beschlossen. Diesem Tag ging viel harte Arbeit voraus. Bis Ende November 2010 hatten Experten einen ersten Entwurf als Diskussionsgrundlage erarbeitet. Während einer Dialogphase bis Ende Februar 2011 waren Öffentlichkeit und Unternehmen eingeladen, Vorschläge und Anregungen einzubringen. Die Verantwortlichen erhielten fast 80 Beiträge, die zur Ausdifferenzierung des Kodex genutzt wurden. Eine dreimonatige Praxisphase im Sommer 2011 bot Gelegenheit, Rückmeldungen der Unternehmen einzuholen.

Zum Inhalt: Transparenz an oberster Stelle

Der DNK enthält insgesamt 20 Kriterien aus den Bereichen Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft, mit denen nachhaltige Entwicklung konkretisiert wird. Zusätzlich wird jedes Kriterium durch Leistungsindikatoren nachvollziehbar und überprüfbar gestaltet. Der DNK wird ergänzt durch einen Kommentar, welcher die praktische Umsetzung erläutert. Um die Glaubwürdigkeit der Entsprechenserklärung zu stärken, kann ein Testat unabhängiger Dritter hinzugezogen werden.

Im Folgenden werden nun exemplarisch die Kriterien aus den vier zentralen Bereichen des DNKs zusammenfassend vorgestellt:

  1. Strategie
    Die vier Kriterien im Bereich Strategie verpflichten ein Unternehmen, nachhaltige Entwicklung in der Strategie zu verankern und die Zielerreichung regelmäßig zu überprüfen. Außerdem sollte jede Organisation, die den DNK anwendet, die Chancen und Risiken seiner nachhaltigen Entwicklung und alle damit zusammenhängenden Maßnahmen öffentlich darlegen. Als Indikatoren schlägt der DNK im Wesentlichen die qualitative Beschreibung der nachhaltigen Strategie, der Umfeld-Analyse und der getroffenen Entscheidungen vor.
  2. Prozessmanagement
    Dieser Bereich verlangt Transparenz über die Regeln und Prozesseeiner Organisation. D. h. die Operationalisierung der nachhaltigen Strategie und die stringente Umsetzung im Alltag stehen im Vordergrund. Ferner schreibt der DNK vor, die Verknüpfung der Anreizsysteme mit nachhaltigen Unternehmenszielen offenzulegen. Ein dritter Punkt beschäftigt sich mit dem Stakeholder-Management, d.h. allen Maßnahmen zur Identifizierung und zum Umgang mit externen Interessensgruppen wie z. B. Lieferanten, Verbrauchern, Verbänden etc. Schließlich sollten Informationen über die schonende Ressourcennutzung im Rahmen des Innovations- und Produktmanagements veröffentlicht werden.
  3. Umwelt
    Im Bereich Umwelt gilt es, den Verbrauch natürlicher Ressourcen offenzulegen und geeignete Maßnahmen zur Reduktion der Ressourcen darzulegen. Außerdem schlägt der DNK vor, dass jede Organisation ihre Treibhausgas-Emissionen offenlegt inklusive der Ziele zur Verringerung dieser Emissionen. Als Leistungsindikator werden z. B. die Summe aller direkten und indirekten Treibhausgase nach Gewicht und die Initiativen zur Verringerung der Emissionen genannt.
  4. Gesellschaft
    Fünf Unterpunkte finden sich im gesellschaftlichen Bereich. Arbeitnehmerrechte und Diversity zielen auf Chancengleichheit von Mitarbeitern und den Erhalt ihrer Beschäftigungsfähigkeit. Zur Überprüfung wird dies beispielsweise durch Tage angebotener Schulungen oder Unfälle am Arbeitsplatz gemessen. Der Aspekt Menschenrechte bezieht sich auf jene Maßnahmen eines Unternehmens, um in der gesamten Lieferkette die Wahrung der Menschenrechte sicherzustellen. Mit Themenfeld Gemeinwohl beschreibt der DNK den Beitrag einer Organisation zu der Region, in der sie primär tätig ist. Zum Schluss folgen die Themen politische Einflussnahme, vor allem Lobby-Aktivitäten, sowie Maßnahmen gegen Korruption.

Grundlagen

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat den DNK im Oktober 2011 publiziert. Der Rat wurde im April 2001 von der Bundesregierung ins Leben gerufen. Im gehören 15 Mitglieder des öffentlichen Lebens an.

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