11.10.2011 | Controllerpraxis

Green Controlling bei Hansgrohe: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor

Bild: Horváth & Partners

„Nachhaltiges Handeln eines Unternehmens hat inzwischen ebenso viel Einfluss auf dessen Geschäftsentwicklung wie seine Innovationskraft", so der Hansgrohe CEO und Vorstandsvorsitzender des Internationalen Controller Vereins Siegfried Gänßlen beim 25. Stuttgarter Controller-Forum.

Die Anfänge des Umweltschutz bei Hansgrohe

Hansgrohe zählt zu den Vorreitern im Umweltschutz, wie Siegfried Gänßlen bei der Vorstellung von Hansgrohe, einem führenden Unternehmen der Sanitärbranche, erläuterte. Das zeigte sich bei der Entwicklung umweltschonender Produkte, im frühzeitigen Einsatz von Solarenergie oder in der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs durch die Bereitstellung von Job-Tickets. Dabei habe man auch Lehrgeld bezahlt, so Gänßlen, und manche Maßnahmen habe man aus Prinzip durchgeführt und  nicht kalkuliert. Dabei habe Hansgrohe immer mehr getan, als der Gesetzgeber vorgegeben hat.

In abwechslungsreicher Art und Weise berichtete Siegfried Gänßlen von den „grünen Anfängen“ bei Hansgrohe in den 1980er Jahren, der Errichtung des Hansgrohe Solarturms und Solarkraftwerkes in Elgersweier 1993/94 bis hin zur Einführung eines „grünen Controllings“ und den Hansgrohe Nachhaltigkeitszielen bis 2015. Anhand eines fünfstufigen Modells erklärte er, wie Hansgrohe zu einem nachhaltigen Unternehmen wurde und welche Maßnahmen dazu erforderlich waren. Zu den Stufen zählen: dass Nachhaltigkeitsstandards übertroffen, Wertschöpfungsketten nachhaltig gestaltet, nachhaltige Produkte und Prozesse entwickelt, neue Geschäftsmodelle eingeführt und neue Märkte geschaffen werden.

Siegfried Gänßlen stellte einige nachhaltige Produkte vor, die von Hansgrohe entwickelt wurden, wie zum Beispiel die Mistral Eco Handbrause oder Pontos AquaCycle. „Aber nicht Produkte stehen im Mittelpunkt des Hansgrohe Nachhaltigkeitsengagements, auch die  Mitarbeiter spielen eine wichtige Rolle. „Zahlreiche Auszeichnungen, die wir erhalten haben – beispielsweise 1995 den Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg oder den UMSICHT-Wissenschaftspreis 2011 des Fraunhofer Institutes – bestärken uns in unserem Tun.“

Bei Nachhaltigkeit gilt das Top-Down-Prinzip

Nachhaltigkeit muss Top-down vorgelebt werden. Bei Hansgrohe ist deshalb auch der Vorstandsvorsitzende der Leiter des entsprechenden Lenkungsausschusses. „Als Vorstandsvorsitzender stehe ich in der Pflicht und der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und Kunden “, so Gänßlen.

Ebenso werden Nachhaltigkeitsziele in der Unternehmensstrategie verankert und Ziele auf allen Ebenen vereinbart. Allerdings könne man nicht in jedem Land das gleiche Tempo gehen: In Entwicklungsländern müsse man andere Maßstäbe ansetzen, weil Vorgaben wie in Deutschland nicht akzeptiert würden.

Aufgaben des grünen Controllings

Damit Nachhaltigkeitsziele auch nachhaltig im Unternehmen verfolgt werden, sei jedoch eine Integration in die Unternehmensplanung und das allgemeine Berichtswesen erforderlich. Bei der Entwicklung von Kennzahlen zur Steuerung der Nachhaltigkeit lehnt sich Hansgrohe dabei an die Global Reporting Initiative Standards (GRI) an. Dadurch hat sich auch die Datenermittlung im Laufe der Zeit verändert. Manche Daten werden nicht mehr erhoben, dafür sind andere Werte hinzugekommen. Bei der Kommunikation an Kunden bzw. die Öffentlichkeit warnte Gänßlen ausdrücklich vor „Green Washing“, analog zum „Window Dressing“ beim Jahresabschluss: „Die Kunden und die Presse entdecken alles!“

Das Controlling hat bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele die Rolle des Prozessführers übernommen. Es integriert die Umweltziele in den Businessplan und das Berichtswesen. Es gibt jedoch andere Bezugsgrößen als den Euro, z. B. Kilogramm oder Liter.  Beim Green Controlling werden die Angaben in Bezug zum Produktionsvolumen in verschiedenen Messgrößen gesetzt, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Große Projektgeschäfte setzen Umwelt-Zertifizierung voraus

Neben dem Produktionsbereich betrachtet das Hansgrohe-Controlling auch den Absatzbereich. So wird der Absatz umweltfreundlicher Produkte gesondert betrachtet. Außerdem gibt es produktspezifische Öko-Bilanzen über den Produktlebenszyklus hinweg. Dabei wird neben der Produktionsphase auch die Nutzungsphase betrachtet: Mit wassersparenden Brausen wird nicht nur Wasser gespart, sondern es werden auch die CO2-Emissionen reduziert, da weniger Wasse erwärmtwerden muss.

Daneben sei Nachhaltigkeit auch eine Voraussetzung, um gerade bei großen Projekten zum Zuge kommen zu können. Große Immobilien-Projekte, Hotelketten oder auch Reedereien für Kreuzfahrtschiffe setzen eine Umwelt-Zertifizierung voraus – und dies gelten weltweit. Diese Kundengruppen gewinnen bei Hansgrohe seit Jahren an Bedeutung. Deswegen ist Hansgrohe nach allen fünf relevanten Branchenstandards zertifiziert.

Kommunikation und Durchsetzung mit der Sustainability Balanced Scorecard

Um die Realisierung der Nachhaltigkeitsziele zu verbessern, hat Hansgrohe eine Sustainability Balanced Scorecard formuliert. Darin sind die zentralen Ergebniskennzahlen sowie die Maßnahmen jeweils spezifisch für die einzelnen Organisationseinheiten enthalten.

Zukunftsthema auch im Internationalen Controller Verein

Nachhaltigkeit hat für Siegfried Gänßlen nicht nur als Hansgrohe-CEO, sondern auch als Vorstandsvorsitzender des Internationalen Controller Vereins (ICV) eine hohe Priorität. Beim ICV beschäftigt sich derzeit die Ideenwerkstatt unter Leitung von Prof. Péter Horváth und Dr. Uwe Michel mit diesem Thema. Beim letzten „Congress der Controller“ in München gab es deshalb ein Themenzentrum zur Nachhaltigkeit. Es gibt eine Vielzahl von Veröffentlichungen der Ideenwerkstatt zum Thema Nachhaltigkeit auf der Website des ICV.

Der Referent:

Siegried Gänßlen ist Vorstandsvorsitzender der Hansgrohe AG, Schiltach, und Vorstandsvorsitzender des Internationalen Controller Vereins, Gauting.

Weitere Quelle:

Gänßlen/Kraus/Ette, Green Controlling – Green Profit: Nachhaltigkeitscontrolling bei Hansgrohe, in: Horváth (Hrsg.), Exzellentes Controlling, exzellente Unternehmensleistung, 2011.

 

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Schlagworte zum Thema:  Nachhaltigkeit, Green Controlling, Nachhaltigkeitscontrolling

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