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Grau ist alle Theorie? Controller sind für gute Theorien dankbar

CfC-Serie, Teil 2: In der Controlling-Praxis wird die Bedeutung von Theorie oftmals als gering eingestuft. Jedoch können theoretische Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen Manager und Controller bei der Bewältigung verschiedener Aufgaben unterstützen. Aber auch die Wissenschaft kann von der Praxis lernen und so neue Erkenntnisse generieren, die wiederum in die Unternehmen fließen und Probleme lösen können.

In seinem Vortrag beim 4. Campus for Controlling an der WHU – Otto Beisheim School of Management thematisierte Prof. Dr. Jürgen Weber, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC), das Zusammenspiel aus Theorie und Praxis im Controlling. Ziel des Vortrages war es zum einen, ein möglichst objektives Bild über die Möglichkeiten zu vermitteln, die die Wissenschaft im Fach Controlling der Controllingpraxis bieten kann. Ferner sollte der Vortrag den Teilnehmer des Campus for Controlling Appetit auf mehr Theorie machen. Darüber hinaus zielte der Vortrag von Jürgen Weber darauf ab, die Arbeit von Wissenschaftler und Beratern abzugrenzen.

Was halten Praktiker von der Theorie?

Entgegen anderer Erwartungen wird die Theorie gut bewertet.

Eine gute Theorie verbessert das Verständnis der Praxis

Zu Beginn seines Vortrages und unterstützt von einer im Vorfeld durchgeführten vor-Ort-Umfrage unter den Teilnehmern der Konferenz zum Thema „Was verstehen Sie unter dem Begriff Theorie“, stellte Jürgen Weber seine Definition einer wissenschaftlichen Theorie vor. Dabei definierte Weber eine Theorie als eine „Brille“, die demjenigen, der sie sich aufzieht, ermöglicht, bestimmte Aspekte der Praxis besser zu erkennen. Dieses Grundverständnis bildete auch die Basis für den weiteren Verlauf seines Vortrages, den Jürgen Weber mit einer Diskussion der Entwicklung der deutschsprachigen Controlling-Forschung fortführte. Dabei zeigte er, dass deutsche Controlling-Wissenschaftler – entgegen der oftmals geäußerten Kritik, sie beschäftigten sich vorwiegend mit der Suche nach dem „richtigen“ Begriff – aktuelle Entwicklungen innerhalb der Controlling-Praxis (von der Informationsversorgungs-, über die Steuerungs- und Koordinations- hin zur Rationalitätssicherungsfunktion des Controllings) nicht nur frühzeitig prognostizieren sondern auch unterstützen konnten.

Beispiel: Prinzipal-Agenten-Theorie beeinflusst Ausgestaltung von Incentives

Anschließend stellte Jürgen Weber einige ausgewählte theoretische Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen vor. Dabei ging er zunächst auf die „die neue Theorie im Controlling schlechthin“ – die Prinzipal-Agenten-Theorie (PA-Theorie) – ein, deren Bekanntheitsgrad im Vorfeld unter den Teilnehmern im Rahmen der zuvor erwähnten vor-Ort-Umfrage abgefragt wurde.

Die in der Ökonomie verortete PA-Theorie betrachtet Weisungsbeziehungen zwischen einem Prinzipal (Vorgesetzten) und einem Agenten (Untergebenen), die beide unterschiedliche Ziele verfolgen. Dabei wird eine vollständige Rationalität der handelnden Akteure angenommen. Dabei geht die PA-Theorie davon aus, dass der Agent

  • opportunistisch handelt,
  • sogar vor Betrug nicht Halt macht und
  • gegenüber dem Prinzipal einen Informationsvorsprung besitzt.

In der Praxis ist die PA-Theorie insbesondere im Rahmen der Ausgestaltung von Managementverträgen sowie der Anreizgestaltung von Managern höchst relevant.

Kein „rationales Verhalten“ durch unbewusste Faktoren

Ferner ging Jürgen Weber auf einige beispielhafte Erkenntnisse der Psychologie ein, die eine hohe Relevanz für die Controllingpraxis haben. Unterstützt von eindrucksvollen Live-Experimenten mit den Teilnehmern zeigte er beispielhaft, wie kognitive Wahrnehmungsverzerrungen Manager und Controller im Rahmen der Gestaltung von Reports oder der Abgabe von Schätzungen „hinters Licht führen“. Daher sollten Praktiker stets berücksichtigen, dass das individuelle Verhalten der Menschen oftmals von unbewussten Faktoren beeinflusst wird, was negative Auswirkungen auf ein „rationales“ Verhalten haben kann.

Suche nach gesellschaftlicher Legitimität

Auch Erkenntnisse soziologischer Theorien können, wie Professor Weber in seinem Vortrag zeigte, einen Mehrwert für die Controllingpraxis leisten. So  zeigte z.B. die soziologische Institutionentheorie, dass das Verhalten von Individuen und Unternehmen oftmals von der Suche nach gesellschaftlicher Legitimität (Akzeptanz) geprägt ist. Aus diesem Grunde verhalten sich Manager oftmals so, wie

  • es spezifische Stakeholder von ihnen erwarten,
  • es „Best Practices“ vorgeben,
  • sich andere Unternehmen verhalten oder
  • Unternehmensberater es empfehlen.

Somit streben Manager danach, Legitimität für ihre Handlung zu erlangen und „nicht aus der Reihe zu tanzen“.

Vor dem Hintergrund der theoretischen Erkenntnisse ging Jürgen Weber anschließend auf die Rollen von Beratern und Wissenschaftlern ein. Während Wissenschaftler verantwortlich sein sollten, der Praxis neue Theorien und somit „Brillen“ zu präsentieren, sollten Beratungen die theoretischen Erkenntnisse in Konzepte und Instrumente einfließen lassen bzw. dafür nutzen, um Konzepte wissenschaftlich fundiert zu reflektieren.

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