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Firmenübernahme: Potenziale durch Post-Merger-Integrationsprojekte erfolgreich ausschöpfen

Die Übernahme von Unternehmen oder Geschäftsfeldern gehört zu den wichtigen strategischen Maßnahmen eines Unternehmens. Bei der Integration neuer Geschäftsbereiche besteht jedoch noch großes Verbesserungspotenzial. Um dieses zu heben, hat das Beratungsunternehmen Steria Mummert das Post-Merger-Integrations-Modell entwickelt.

M&A-Aktivitäten als wichtiger strategischer Hebel

Unternehmen nutzen Mergers & Akquisitionen (M&A) als wichtigen Hebel, um ihren langfristigen Erfolg zu sichern. Zu den bekannten M&A-Aktivitäten zählen z. B. der Zukauf oder die Abspaltung von Unternehmensteilen. Wichtig für die erfolgreiche Integration neuer Geschäftsbereiche ist die Integrationsstrategie. Zusätzlich gibt es noch eine Reihe weiterer Bereiche, die über Erfolg oder Misserfolg einer Post Merger Integration entscheiden. Dazu zählen z. B. die Etablierung einer einheitlichen IT-Infrastruktur, gemeinsame Governance-Regeln oder konsistente Strukturen im Marketing und Vertrieb.

Große Lücke zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit mit der Umsetzung

Auch wenn die Inhalte des Post Merger Integration Modells nicht unbedingt überraschen, so ist die Umsetzung in der Praxis eine umso größere Herausforderung. Denn die Misserfolgs-Quoten bei Integrationsprojekten sind vergleichsweise hoch. Außerdem werden oftmals nicht alle Ziele erreicht.

Im Folgenden wird die Bedeutung der einzelnen Module des Post Merger Integration Modells im Detail analysiert:

  1. Integrations- / Demerger-Strategie
    Mit 70 % Zustimmung ist der Großteil der befragten Fach- und Führungskräfte von der Wichtigkeit der Strategie im Integrationsprojekt überzeugt. Bei der Zufriedenheit mit der Umsetzung hapert es allerdings: Hier stimmen mit 46 % weniger als die Hälfte zu.
  2. Programm-Management
    Das Programm-Management, d.h. die Koordination und Kontrolle von Integrationsprojekten, genießt ebenfalls hohe Akzeptanzwerte. Mit 71 % liegen diese sogar leicht über den Ergebnissen für die Integrationsstrategie. Noch deutlicher ist der Unterschied zur Strategie bei der Zufriedenheit mit der Arbeit des Programm-Managements. Satte 70 % Zustimmung wurden erzielt.
  3. Governance
    Rund 65% der Unternehmen halten diesen Bereich im Rahmen einer Integration bzw. bei einem Demerger für wichtig. Zufrieden mit der Umsetzung ist jedoch nur die Hälfte der Befragten.
  4. Change Management & Personal
    Hier geht es um den „weichen“ Aspekte einer Integration. Die Wichtigkeit schätzen viele Unternehmen nicht besonders hoch ein. Allerdings sind sie zu 65 % trotzdem mit der Arbeit aus diesem Bereich zufrieden.
  5. Produkte
    Die Angleichung der Produktstrategie und die Anpassung von Produktportfolios gehören zu den zentralen Aufgaben einer Integration bzw. eines Demergers. Denn dies entscheidet maßgeblich über den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg beim Kunden. Mit 71 % zeigt sich die hohe Zustimmung bei der Wichtigkeit dieses Bereichs. Mit 55 % ist die Zufriedenheit jedoch deutlich geringer. Dies mag auch daran liegen, dass die strategische Neuausrichtung eines umfassenden Produktprogramms komplex und langwierig sein kann.
  6. Marketing und Vertrieb
    Ähnliche Ergebnisse wie im Modul Produkte ergeben sich für Marketing und Vertrieb. Drei Viertel der Befragten halten diesen Bereich für relevant. Etwas über die Hälfte ist zufrieden mit der Integrationsleistung.
  7. Finanzen
    Mit 70 % stimmen die Befragten der Relevanz zu. Mit 60 % liegen die Werte der Zufriedenheit deutlich über dem Schnitt der anderen Bereiche.
  8. IT
    Bei der Integration bzw. Abspaltung von Unternehmensteilen müssen oftmals eine neue IT-Infrastruktur aufgebaut und Daten zusammengeführt werden. Der bestehende Betrieb darf dabei nicht unterbrochen werden. Aus diesem Grund sind 70 % der Unternehmen der Meinung, dass die IT eine wichtige Aufgabe bei einer Integration übernimmt. 57 % sind mit der Arbeit während der Integration zufrieden.
  9. Betrieb
    Eines der zentralen Ziele einer Integration besteht darin, Synergiepotenziale zu nutzen und Abläufe zu straffen. Auf diese Weise können Kosteneinsparungen erreicht werden. 64 % der Befragten sehen diesen Punkt als wichtig an und 65 % sind mit der Umsetzung zufrieden.

Fazit

Insgesamt zeigt sich das größte Verbesserungspotenzial bei der Umsetzung von Integrationsprojekten. Außerdem sollte mehr Zeit in die Strategieentwicklung investiert werden, weil eine gute Integrations- bzw. Demerger-Strategie Basis für eine erfolgreiche Umsetzung ist.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass passiv Beteiligte die Integration schlechter beurteilen als die Projektverantwortlichen. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem passiv Beteiligte stärker eingebunden werden und dem Bereiche Change Management und Personal eine größere Bedeutung beigemessen wird. Denn die Integration findet nicht nur auf dem Papier, sondern vor allem in den Köpfen der Mitarbeiter statt.

Grundlagen

Die Publikation „Potenzialanalyse Post Merger Integration“ basiert auf einer Umfrage unter 272 Fach- und Führungskräften in großen und mittelständischen Unternehmen ab 100 Mitarbeitern. Die Studie wurde im Auftrag der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung durchgeführt.

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