16.08.2011 | Controllerpraxis

Fehlendes Controlling Hauptursache für Insolvenzen

Häufig sind unternehmensinterne Gründe die Ursache für eine Insolvenz. Die Erfahrung zeigt: Fehlendes Controlling ist eine der Hauptursachen.

Professionelles Finanzmanagement kann Insolvenzen verhindern!

Professionelles Finanzmanagement ist der entscheidende Erfolgsfaktor für den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Ein Großteil der befragten Insolvenzverwalter sieht mangelhaftes Finanzmanagement als eine zentrale Ursache für die Zerschlagung von Unternehmen. Das Controlling spielt hier eine wichtige Rolle. Mit 79% Zustimmung ist ein fehlendes Controlling aus Sicht der Insolvenzverwalter die wichtigste Insolvenzursache überhaupt. Immerhin gaben 77% der Befragten an, bereits Unternehmen ohne jegliches Controlling und Kostenrechnung begleitet zu haben. Weitere Insolvenzursachen sind

  • Finanzierungslücken (76%)
  • Unzureichendes Debitorenmanagement (64%)
  • Autoritäre, rigide Führung (57%)
  • Ungenügende Transparenz und Kommunikation (44%)

Zusammenfasst heißt das: Der falsche Umgang mit Kapital ist Haupttreiber für Insolvenzen. Damit stehen vor allem interne Gründe ganz oben auf der Agenda, die unabhängig von Markt und Konjunktur wirken.

Die Probleme beginnen an der Spitze

Der persönliche Führungsstil und die Persönlichkeit der Chefs und Unternehmer können auch maßgeblich an einer Insolvenz beteiligt sein. Neben einem autoritären und rigiden Führungsstil und dem Kommunikationsverhalten gibt es weitere Merkmale für schlechtes Management:

  • Dominanz persönlicher über sachlicher Motivation (33%)
  • Egozentrik, fehlende Außenorientierung (28%)
  • Mangel an strategischer Reflexion (27%)
  • Zu viele Wechsel (21%)

Auch externe Faktoren können bedrohlich sein

Natürlich wäre es zu einseitig, nur unternehmensinterne Gründe für eine Insolvenz verantwortlich zu machen. Es gibt auch eine Reihe externer Faktoren, die einem Betrieb Schwierigkeiten bereiten können. Dazu zählen vor allem:

  • Die teilweise sehr schlechte Zahlungsmoral von Kunden (82%). Spezielle Probleme gibt es bei Lieferungen ins Ausland, denn in einigen Ländern gelten deutlich längere Zahlungsziele.
  • Bürokratische Anwendung des Arbeits- und Sozialrechts (81%). Ein Insolvenzverwalter drückte es so aus: „Der Kündigungsschutz behindert die Sanierung: Anstatt einzelne Mitarbeiter zu entlassen, geht der ganze Betrieb kaputt“ (s. Studie „Ursache von Insolvenzen“, 2011, S. 23)
  • Arbeitsgerichte verhindern notwendige personelle Umstrukturierungen im Unternehmen (73%)
  • Basel II schafft eine ungünstigere Finanzierungssituation (60%)

Auch wenn eine Insolvenz noch lange nicht das Ende sein muss, leuchten bei vielen die Alarmglocken. Insolvenzgefährdete Unternehmen werden oft stigmatisiert und Geschäftspartner distanzieren sich. Diese Verhaltensweise wird z.B. der öffentlichen Hand bei der Vergabe von Bauaufträgen nachgesagt. Unternehmen im Insolvenzverfahren erhalten eine Kündigung und werden für weitere Ausschreibungen nicht mehr berücksichtigt. Doch genau das Gegenteil ist nötig, um diese Unternehmen zu retten.

Wege aus der Krise: Ein Sanierungsplan gehört dazu

Unabdingbar für ein Insolvenzverfahren ist ein Sanierungsplan. Dieser gilt als Leitfaden, um ein angeschlagenes Unternehmen vor der Liquidierung bzw. Zerschlagung zu retten. Ein Sanierungsplan besteht aus folgenden Bestandteilen:

  • Eine vollständige Beschreibung der aktuellen Situation des Unternehmens, inklusive Finanzierung, Organisation, Produktionsverhältnissen u.ä.
  • Eine Analyse der Stärken und Schwächen eines Unternehmens
  • Eine systematische Darstellung der Krisenursachen, die ständig an aktuelle Erkenntnisse anzupassen ist
  • Ein Leitbild des sanierten Unternehmens, welches u.a. die Potenziale und Chancen enthält
  • Eine Übersicht über die konkreten Schritte, um eine erfolgreiche Sanierung zu erreichen

Grundlage

Die Studie „Ursachen von Insolvenzen“ befragte über 120 Insolvenzverwalter nach ihren Erfahrungen in Insolvenzverfahren. Die Euler Hermes Kreditversicherung und das Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim e.V. haben die Befragung 2006 in Auftrag gegeben.

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