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Corporate Governance in deutschen Unternehmen: Mehr Transparenz fordern und umsetzen

Corporate Governance wird für deutsche Unternehmen ein zunehmend wichtiges Thema. Welche Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Index in welchem Umfang in der Praxis angewandt werden, wird nach wie vor intensiv diskutiert.

Kompetenzprofile der Aufsichtsräte vor der Wahl veröffentlichen

82 % der Befragten befürworten es, die Kompetenzprofile der Aufsichtsratsmitglieder und aller Kandidaten den Aktionären vor der Wahl bekannt zu geben. Außerdem begrüßt es fast die Hälfte der Unternehmen, wenn die Aufsichtsräte ihr Wissen im Bereich Corporate Governance auffrischen. Dieser Wunsch geht einher mit den kontinuierlich steigenden Anforderungen an Aufsichtsräte und die Ausschussarbeit. Abgesehen von den 100 anspruchsvollen Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Index, müssen die Verantwortlichen eine zunehmend schärfere Rechtsprechung bei Verstößen berücksichtigen.

Die Publikation der Kompetenzprofile ist für die Aufsichtsratsbesetzung von hoher Relevanz. Im Interesse der Aktionäre und Investoren ist es, ihre Interessensvertreter im Aufsichtsrat bestmöglich auszuwählen. Die gesetzlichen Mindestanforderungen zum Kompetenzprofil (Name, ausgeübter Beruf, Wohnort und zusätzliche Angaben zu weiteren Kontrollaufgaben) sind allerdings nicht spezifisch genug. Vielmehr sollten die für das spätere Mandat wichtigen Fähigkeiten stärker im Vordergrund stehen.

Fortbildung oder Qualität von Anfang an?

Eine wichtige neue Kodex-Empfehlung regt die Unterstützung von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Aufsichtsräte durch die Unternehmen an. Grundsätzlich befürwortet mit 47 % fast die Hälfte der Befragten dieses Vorgehen. Weitere 53 % haben sich zu diesem Thema noch keine abschließende Meinung gebildet. Allerdings sind 27 % der Befürworter nicht bereit, ein Budget für die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Außerdem gelten diese Maßnahmen primär zu Aneignung von zusätzlichem Spezialwissen. Die erforderlichen Mindestqualifikationen muss jeder Mandatsträger bereits mitbringen, um seine Aufgaben erfolgreich bewältigen zu können.

Interessenskonflikte des Aufsichtsrates bei der Vorstandsvergütung vermeiden

Bei 44 % der Studienteilnehmer erhält der Aufsichtsrat bei seiner Arbeit Unterstützung durch die Mitarbeiter des Unternehmens, in dem das Mandat ausgeübt wird. Mit 80 % übernimmt auch die große Mehrheit der Unternehmen die Kosten für diese Hilfsleistungen. Interessenskonflikte können auftreten, wenn der Aufsichtsrat für die Vorarbeiten bei der Vorstandsvergütung Unterstützung von Mitarbeiter erhält, die disziplinarisch dem Vorstand unterstellt sind. Objektivität wird dann vor allem bei Informationen über die Ist-Situation gegeben sein. Vorschläge für die Weiterentwicklung der Vorstandsvergütung sind an dieser Stelle jedoch mit großer Vorsicht zu genießen. Die Antworten der Studienteilnehmer teilen sich in zwei fast identische Teile auf: Während 48 % die Unterstützung disziplinarisch unterstellter Mitarbeiter ablehnen, halten die anderen 52 % dieses Vorgehen für angemessen. Ein anderer Ansatz besteht darin, Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen, in dem der Aufsichtsrat selbst als Vorstand tätig ist, heranzuziehen. Hier halten 36 % der Befragten das Vorgehen für zulässig, während es 45 % prinzipiell ablehnen.

Grundlagen

Die Management-Beratung Kienbaum veröffentlichte im Januar 2011 die Corporate Governance Studie, an der insgesamt 81 der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland teilnahmen.

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