10.02.2011 | Controllerpraxis

Corporate Governance: Auch in Familienunternehmen ein Erfolgsfaktor

Familienunternehmen gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ein Erfolgsfaktor ist ein Governance-System, das die Besonderheiten von Familienunternehmen angemessen berücksichtigt.

Besonderheiten der Governance bei Familienunternehmen

Familienunternehmen repräsentieren ca. 93% der deutschen Unternehmen. Besonders  im Mittelstand sind familiengeführte Firmen die Regel. Familienunternehmen vereinen mehrere Besonderheiten auf sich, die sie z.B. von Publikumsgesellschaften unterscheiden. Zu den wichtigsten Merkmalen zählen die folgenden:

  • So liegen die Geschäftsanteile mehrheitlich in der Hand eines oder mehrerer Familieninhaber.
  • Häufig wollen die Inhaber das Unternehmen über mehrere Generationen in Familienbesitz erhalten.
  • Potenzielle Vorteile gegenüber typischen Publikumsgesellschaften  bestehen aufgrund geringerer Publikationspflichten, des langfristigeren strategischen Entscheidungshorizonts und der größeren Kontinuität in der Führungsfunktion.
  • Potenzielle Risiken bestehen jedoch durch die emotionale Bindung der zentralen Akteure untereinander. Familiäre Konflikte können nachhaltigen Schaden anrichten.

Die verflixte dritte Generation

Eine Frage bleibt unbeantwortet: Warum sind einige Familienunternehmen über Generationen hinweg erfolgreich, während andere spätestens in der dritten Generation scheitern? Eine Antwort liegt in der Gestaltung der Corporate Governance.

Die Professionalisierung der Governance ist ein zentraler Baustein des langfristigen Erfolgs.

Umsetzung eines Governance-Systems für Familienunternehmen

Ein umfassendes Governance-System für Familienunternehmen sollte die Besonderheiten der Familien explizit institutionalisieren. Das sog. Family Business Governance System enthält aus diesem Grund die beiden Subsysteme

  • Corporate Governance und
  • Family Governance.

Diese enthalten die relevanten Gremien, Akteure und Instrumente, d.h. sowohl die Führung und Steuerung des Unternehmens auf der einen Seite und die Sicherung des Zusammenhaltes der Familie auf der anderen Seite.

Das Gesamtsystem enthält die zentralen Interessensgruppen und Governance-Gremien. Dabei wird auch deutlich, dass zwischen interner und externer Governance unterschieden wird. Zu den internen Bausteinen zählen z.B. die Gremien der Familie und des Unternehmens. Zu den externen Interessensgruppen zählen z.B. der Staat, Abschlussprüfer, Kunden oder Lieferanten. Das Zusammenspielt dieser beiden Subsysteme wird in der Abbildung erläutert.

Ziel: Familie an das Unternehmen binden

Family Governance hat zu Ziel, faire, transparente und überprüfbare Regeln für die Familie und deren Zugang zum Unternehmen zu schaffen Die Gremien und Instrumente sollten den Zusammenhalt der Familie und eine professionelle Einstellung zum Unternehmertum sicherstellen. Die emotionale Bindung der Familienmitglieder untereinander und zum Unternehmen soll so gestärkt werden. Gleichzeitig soll einer Entfremdung zum gemeinsamen Betrieb entgegengewirkt werden.

Die beiden Subsysteme Corporate Governance und Family Governance können sich auch überlappen. Dies kann beispielsweise bei der Inhaberversammlung der Fall sein. Daher ist es wichtig, dass beide Subsysteme gleichberechtigt nebeneinander stehen und sich gegenseitig nicht destabilisieren können.

Regelungen individuell ausgestalten

Jedes Familienunternehmen weist unterschiedliche Charakteristika auf. Nicht jedes Gremium und jede Regelung für alle Unternehmen notwendig. Meistens ist eine Anpassung an die spezifische Situation erforderlich. Grundsätzlich gilt, dass Änderungen in der Familienstruktur i.d.R. auch Änderungen in der Governance zur Folge haben. Erhöht sich beispielsweise die Komplexität bei den Inhabern durch eine nachfolgende Generation, ist zu überlegen, inwiefern sich dies auf die Governance auswirkt.

Quelle

Zum Thema Governance in Familienunternehmen hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Informationen im Internet zusammengestellt. Ferne haben Koeberle-Schmid, Witt und Fahrion (2010) in der Zeitschrift für Corporate Governance den Artikel „Gestaltung der Governance in Familienunternehmen“ (S. 161-169) publiziert.

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