20.07.2011 | Controllerpraxis

Controlling in China: Warum funktioniert es anders als in Deutschland?

Controlling ist in China weiter auf dem Vormarsch. Allerdings gibt es mehrere Besonderheiten in China zu beachten. Denn Controlling wird in China anders gelebt als in Deutschland. (Serie, Teil 2)

Besonderheiten des Controllings in China

Auch wenn das moderne Controlling spätestens seit 1996 mit der modifizierten „Richtlinie für Buchhaltung“ Einzug in chinesische Unternehmen erhalten hat, ist sein Verbreitungsgrad noch ausbaufähig. Ferner ist das Controlling in China nicht 1:1 mit dem westlichen Controlling-Verständnis zu vergleichen. Fünf zentrale Treiber führen zu Besonderheiten des Controllings in China und werden im Folgenden diskutiert:

  1. Ausbildung von Controllern: Erweiterung und Verbesserung notwendig
    Etablierte Lehrpläne zur Ausbildung von Controlling-Experten sind in China bis heute Mangelware. Das Fach „Controlling“ bzw. „Management Accounting“ in der anglo-amerikanischen Ausprägung sucht man an den meisten Universitäten vergebens. Vielfach sind noch traditionelle Merkmale der Finanzausbildung vorzufinden, die wesentlich auf Buchhaltung und Finanzmanagement beruhen.
    Allerdings hat der Wandel eingesetzt: viele Universitäten legen mittlerweile Wert auf eine breitere Ausbildung ihrer Absolventen und planen den Einsatz von Controlling-Kursen. Auf dem Arbeitsmarkt macht sich dies jedoch kaum bemerkbar. Gut ausgebildete Controller in China sind selten und haben häufig im Ausland studiert.
  2. Berufsverbände: keine eigenständige Vereinigung vorhanden
    Eine Vereinigung von Controlling-Praktikern existiert in China bis heute nicht. Stattdessen übernimmt der nationale Verein für Kostenrechnung die Funktionen einer Vereinigung für Controller. Abgesehen vom eher geringen Verbreitungsgrad des Controllings mag auch die geringe Anzahl an Controllern in China eine Rolle dabei spielen. Allerdings kann gerade in dieser Situation ein eigener Berufsverband von Vorteil sein: der regelmäßige Austausch zwischen etablierten Controlling-Experten und weniger erfahrenen Kollegen kann die Professionalität und die Verbreitung des Controlling deutlich steigern.
  3. IT-Unterstützung: Notwendige Daten sind oft nicht verfügbar
    Datentransparenz ist eine der Grundvoraussetzungen für das Controlling. Diese ist in China jedoch nicht immer gegeben. Die Verfügbarkeit und die Verlässlichkeit von Informationen sind in zahlreichen Unternehmen eingeschränkt. Dies gilt besonders für staatliche Unternehmen. Zu den Gründen zählen häufig Altlasten aus der Vergangenheit: in den meisten Betrieben sind wenig leistungsfähige Buchhaltungssysteme am Laufen. Aus Kostengründen oder mangelnder Expertise wurden sie noch nicht zugunsten moderner IT ausgetauscht. Konsequenz ist, dass der Einsatz des Controllings aufgrund mangelnder Daten eingeschränkt ist.
  4. Bisherige Aufgabenschwerpunkte müssen sich verändernEine der zentralen Funktionen des Controllings besteht in der effizienten Verteilung knapper Ressourcen. In einem marktwirtschaftlichen System sorgt der Wettbewerb zwischen Unternehmen für Effizienzdruck und die Notwendigkeit, Kosten im Auge zu behalten.
    Zu Zeiten der Planwirtschaft in China bestand dieser Druck jedoch nicht, sodass für ein marktwirtschaftliches Controlling westlicher Prägung kein Bedarf vorhanden war. Nach der Öffnungspolitik Chinas wandelt sich das Bild kontinuierlich. Doch durch die hohen Wachstumsraten in vielen Branchen und die (noch) sehr günstigen Rohstoffpreise ist das Controlling lange Zeit für zahlreiche Unternehmen wenig relevant gewesen.
  5. Kulturelle Unterschiede: Fokus auf individuelle Leistungsmessung fällt schwer
    Kulturelle Besonderheiten in China beeinflussen ebenfalls die Ausgestaltung des Controllings. Beispielsweise spielt die Gemeinschaft in China eine sehr große Rolle im Gegensatz zu dem eher auf Individualismus fokussierten Westen. Die klare Definition eines Controlling-Objektes und individuelle Leistungsmessung sind daher eine Herausforderung in chinesischen Unternehmen.
    Ein weiterer kultureller Unterschied besteht darin, wie Exaktheit und methodisches Vorgehen gewertet werden. Während diese Eigenschaften in westlichen Ländern wie Deutschland zu den zentralen Tugenden eines Controllers zählen, präferieren die Chinesen Flexibilität. Auch wenn Flexibilität nicht mit Ungenauigkeit gleichzusetzen ist, so besteht in China doch eine deutlich höhere Toleranz für Abweichungen. Auch Budgets gelten eher als anpassungsfähige Richtschnur, denn als unverrückbare Pläne.

Fazit

Die dynamische Entwicklung in China ist eine große Chance für die Etablierung eines modernen Controllings. Das Controlling in China wird jedoch von zahlreichen Treibern beeinflusst und ist nicht identisch mit den bekannten Ansätzen westlicher Ländern.

Grundlagen:

  • Chow, C. W./Duh, R.-R./Xiao, J. Z. (2007). Management Accounting Practices in the People‘s Republic of China, pp. 923-967. In: Handbook of Management Accounting Research. Edited by Chapman, C. S./ Hopwood, A. G./Shields, M. D.
  • Xuyi, W. (2007): Controlling in der VR China, in: Rechnungswesen & Controlling, Heft 3, S. 7-9.
  • Yunwei, T. (1997). The Recent Accounting Development and Internationalization of Accounting Education in China. In: Issues in Accounting Education, Vol. 12, No. 1.

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