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Controlling in China: Verständnis, Aufgaben und Entwicklung

China durchläuft gerade einen dynamischen Transformationsprozess mit einem hohen Wirtschaftswachsum. Doch wie steuern chinesische Unternehmen ihre Geschäfte? Gibt es „das“ Controlling in China überhaupt? (Serie, Teil 1)

Was wird in China unter Controlling verstanden?

Ein grundlegendes Verständnis von Controlling wie es in westlichen Unternehmen gelebt wird ist chinesischen Unternehmen grundsätzlich nicht ganz fremd. Allerdings gibt es im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern keine geradlinige Entwicklung eines einheitlichen Controlling-Ansatzes. Ferner weist China zahlreiche Besonderheiten auf, sodass es nicht sinnvoll erscheint, westliche Controlling-Ansätze eins zu eins nach China zu übertragen.

Ein mit Deutschland vergleichbares Verständnis von interner Steuerung besteht in China nicht. Der Begriff „Controlling“ wird in China auch noch nicht sehr lange verwendet, weil es sich um eine recht junge Disziplin handelt. Das moderne Verständnis von Controlling in China umfasst primär folgende Aufgaben:

  • (Finanz-)Kontrolle,
  • Informationsbeschaffung,
  • Planung.

Auf den ersten Blick scheinen diese Aufgaben dem traditionellen Controlling-Verständnis in Deutschland zu entsprechen. Allerdings ergibt sich in der Praxis ein sehr heterogenes Bild in China. Abgesehen davon, dass sich dieses moderne Controlling-Verständnis erst schrittweise seinen Weg in die chinesischen Unternehmen bahnt, wird es auch sehr unterschiedlich in der Praxis gelebt. Dies liegt u. a. an der Vielfalt der Unternehmensformen, die ganz verschiedene Philosophien repräsentieren wie z. B. chinesische Staatsbetriebe, private Unternehmen oder Joint-Ventures mit internationalen Unternehmen.

Wie sieht die Rolle des Controllers in China aus?

Nicht in allen Unternehmen in China ist eine Controlling-Abteilung mit Controllern zu finden. Häufig werden die Aufgaben des Controllings auf mehrere Abteilungen verteilt, z. B. der Buchhaltung und die Finanzabteilung. Denn neben den oben genannten Aufgaben übernehmen Controller in China noch zusätzliche Aufgaben. Dazu zählt zum einen das Finanzmanagement mit den Kernthemen Cash, Finanzierung und Investitionen. Ferner ist auch die interne Revision häufig dem Controlling oder einem angrenzenden Bereich unterstellt. Einen unabhängigen Status hat die interne Revision daher nicht.

Wie hat sich das Controlling in China entwickelt?

Ursprünglich hat China bereits vor über 4.000 Jahren einen dem Controlling ähnlichen Ansatz genutzt, vor allem im öffentlichen Sektor. Der Kontakt zu westlichen Firmen Anfang des letzten Jahrhunderts hat den Einsatz moderner Controlling-Instrumente weiter beflügelt. Dies änderte sich jedoch schlagartig nach der chinesischen Revolution 1949 bis zur Öffnungspolitik in 1978. In der staatlich gelenkten Planwirtschaft sowjetischer Prägung lag ein staatlich vorgegebenes Buchhaltungssystem vor, das kaum individuelle Leistungsanreize bot. Controlling war also weder möglich noch erwünscht.

Mit der Modifizierung einer „Richtlinie für die Buchhaltung“ wurde 1996 zum ersten Mal von offizieller Seite eine Definition von Controlling vorgenommen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass damit eine landesweit einheitliche Definition geschaffen wurde. Nach wie vor kann die Bedeutung von Controlling je nach Anwendungsbereich unterschiedlich interpretiert werden.

Die obenstehende Definition scheint zunächst keine eindeutige Antwort darauf zu geben, was Controlling in China bedeutet. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass die voranschreitende Liberalisierung in China zu einer Koexistenz traditioneller und moderner Ansätze geführt hat. Damit sich das Controlling etablieren kann, sind noch einige Herausforderungen zu meistern wie z. B. eine verbesserte Ausbildung von Controllern oder eine Standardisierung von Controlling-Systemen.

Grundlagen:

  • Xuyi, W. (2007): Controlling in der VR China, in: Rechnungswesen & Controlling, Heft 3, S. 7-9.
  • Banik, K./Otto, J.-P./Xuyi, W. (2010): Der Einfluss traditioneller Philosophien auf das Controlling im modernen China, in: PWC: China Compass, S. 41-43.

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