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Controlling in China: Eine Bestandsaufnahme

Durch die Öffnungspolitik vollzieht sich in China eine rasante Entwicklung. Diese macht auch vor den internen Steuerungssystemen chinesischer Unternehmen nicht halt. Wie steht es um das Controlling in chinesischen Unternehmen? (Serie, Teil 5)

Umsetzungsstand westlicher Controlling-Ansätze in China

Die systematische Umsetzung eines modernen Controllings erfolgt in China seit Mitte der 1990er Jahre. In der 1996 modifizierten „Richtline für Buchführung“ ist auch eine Definition für Controlling enthalten. Mehrere Studien belegen zudem, dass sich der Entwicklungsstand des Controllings in chinesischen Unternehmen permanent verbessert.

Die Verbreitung und Tiefe der Anwendung des Controllings in China ist jedoch noch nicht auf dem gleichen Stand wie in vielen westlichen Unternehmen. Auch beim Einsatz von Controlling-Instrumenten nutzen chinesische Unternehmen noch nicht alle Potenziale, die das Controlling zu bieten hat. So nutzen sie das Controlling vor allem, um die Unternehmensprozesse effizienter zu gestalten. Die nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes wird vielfach noch nicht explizit verfolgt.

Die Einführung westlicher Controlling-Ansätze in China verlief dabei nicht geradlinig, sondern in vier Phasen:

  • Späte 1970er bis frühe 1980er Jahre: In China werden nach der Öffnungspolitik westliche Controlling-Ansätze langsam bekannt. Wichtigste Medien zur Verbreitung sind Zeitschriften und Lehrbücher.
  • Bis Anfang der 1990er Jahre: Mehrere westliche Controlling-Instrumente werden enthusiastisch implementiert. Darunter fallen z.B. Break-Even-Analysen oder die operative Planung.
  • Bis Mitte der 1990er Jahre: Ernüchterung macht sich breit, weil die Implementierung unerwartete Herausforderungen mit sich bringt. Einige chinesische Wissenschaftler bezweifeln den Nutzen einer eins zu eins Kopie westlicher Ansätze für chinesische Firmen.
  • Seit Ende der 1990er Jahre: Es werden nun systematischer jene Controlling-Instrumente ausgewählt, die sich besonders gut für den chinesischen Kontext eignen. Außerdem werden Instrumente auch den chinesischen Bedürfnissen angepasst.

Treiber zur Umsetzung eines modernen Controllings in China

Die Verbreitung westlicher Controlling-Ansätze in China verlief nicht von heute auf morgen. Der Prozess wurde durch mehrere Treiber kontinuierlich gefördert:

  • Vorherige Erfahrung in Joint Ventures mit internationalen Unternehmen: Dies ist ein zentraler Aspekt für chinesische Firmen, weil sie durch ihrem ausländischen Partner hautnah westliche Managementkonzepte erleben und deren Nutzen für eigene Zwecke überprüfen können.
  • Notierung an einer Börse: Die Börsennotierung setzt eine Professionalisierung interner Managementstrukturen und somit auch des Controllings voraus. Außerdem achten gerade internationale Anleger auf einen hohen Entwicklungsstand interner Strukturen.
  • Vorhandensein von Training: Gerade weil die universitäre Ausbildung im Controlling in China kaum etabliert ist, spielt berufsbegleitendes Training eine große Rolle. Chinesische Unternehmen, die in den Aufbau eigener Controlling-Experten investieren, weisen auch einen höheren Entwicklungsstand im Controlling auf.
  • Hoher Kostendruck: Hohe Wettbewerbsintensität führt zu Ressourcenknappheit und Effizienzdruck. Chinesische Unternehmen in sehr wettbewerbsintensiven Unternehmen weisen daher auch ein professionelleres Controlling auf als andere Firmen.

Bremsen für den Controlling-Fortschritt

Im Gegensatz zu diesen Treibern wirken auch Faktoren, die der Übernahme westlicher Controlling-Praktiken entgegenwirken. Dazu zählen beispielsweise Bürokratie, wenig oder keine Dezentralisierung und die Dominanz von Hierarchie und traditionellen Werte. Die traditionell sehr hierarchische Struktur in chinesischen Unternehmen führt dazu, dass chinesische Manager sehr lange auf ihre aktuelle Position warten mussten. Durch Veränderungen befürchten sie einen Statusverlust und neigen daher zu einer Blockadehaltung.

Grundlagen

Chow, C. W./Duh, R.-R./Xiao, J. Z. (2007): Management Accounting Practices in the People‘s Republic of China, pp. 923-967. In: Handbook of Management Accounting Research. Edited by Chapman, C. S./ Hopwood, A. G./Shields, M. D.

O’Connor, N. G./Chow, C. W./Wu, A. (2004): The adoption of “Western” management accounting/controls in China’s state-owned enterprises during economic transition. In: Accounting, Organizations and Society, Jg. 29, Heft 3-4, S. 349-375.

Wu, J./Boateng, A./Drury, C. (2007): An analysis of the adoption, perceived benefits, and expected future emphasis of western management accounting practices in Chinese SOEs and JVs. In: The International Journal of Accounting, Jg. 42, Heft 2, S. 171-185.

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