10.10.2011 | Controllerpraxis

Controller in China: Risikomanager in der internen Revision?

Im Rahmen des Länderschwerpunkts „China“ des Stuttgarter Controller-Forums erläuterte Prof. Wang Xuyi die Entwicklung des Controllings in China. Die Erkenntnisse zeigten den überwiegend deutschen Teilnehmern deutliche Abweichungen zu den Praktiken hierzulande. (SCF-Serie, Teil 4)

 

Philosophische Bremsen für das Controlling

Das Verhältnis der Chinesen zum Controlling ist sehr stark durch ihre Philosophien geprägt. Deshalb erläuterte Prof. Wang zunächst die vier zentralen chinesischen Philosophien  und ihre Auswirkungen auf die Bewertung des Controllings durch die Chinesen.

  • Der Taoismus: Jeder macht, was er will, dann geht es allen gut. 
    -> Wenn jeder macht, was er will, dann wird ein Controlling nicht gebraucht.
  • Der Buddhismus: Das Verhalten im jetzigen Leben wirkt sich erst auf das nächste Leben nach der Reinkarnation (Wiedergeburt) aus.
    -> Wenn ein Verhalten sich erst im nächsten Leben auswirkt, braucht man in diesem Leben kein Controlling.
  • Der Konfuzianismus: Der Mensch ist von Natur aus gut. Das kann durch eine moralische Erziehung noch verstärkt werden: Eine gute, moralische Ausbildung ist wichtiger als Regeln.
    -> Wenn „gute“, moralisch integre Menschen zusammenarbeiten, ist auch das Ergebnis quasi automatisch gut. Dann brauch man auch kein Controlling.
  • Der Legalismus: Der Mensch ist von Natur aus böse, egoistisch und nutzt andere aus. Deshalb sei ein strenges Rechtssystem mit drakonischen Strafen einzuführen.
    -> Endlich eine Philosophie, die Controlling sinnvoll erscheinen lässt. Die Kehrseite: Nach der legalistischen Sicht werden zur Erziehung Kontrolleure gebraucht – und mit dieser Sichtweise tun sich die Controller bekanntlich schwer.

Zeitliche Perspektive: Operatives Controlling ja, strategisches Controlling nein

Auch heute noch wird die strategische Ausrichtung in China durch die Regierung bzw. die Kommunistische Partei bestimmt. Diese Ausrichtung dauert jeweils max. 5 Jahre bis zum nächsten Parteitag. Somit ist ein strategisches Controlling in der Praxis kaum zu finden. Wenn, dann hat sich ein operatives Controlling zur Verbesserung des laufenden Betriebs etabliert.

Inhalte und Funktionen: Regierung forciert Risikomanagement

Auch bei den Inhalten des Controllings hat die chinesische Regierung einen entscheidenden Einfluss. 2009 hat sie die Einführung eines Risikomanagements als Hauptaufgabe des Controllings gefordert. Hintergrund ist die Angst vor einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise in den USA, den Hauptabnehmern chinesischer Produkte. Entsprechend hätten 76 % der Unternehmen den Controlling-Schwerpunkt in Richtung Risikomanagement angepasst. Für rund die Hälfte aller Unternehmen ging es dabei in erster Linie darum, die Forderungen der Regierung zu erfüllen.

Organisationsform: Controller arbeiten in der Internen Revision

Knapp zwei Drittel (65 %) der Unternehmen wird das Controlling durch die Interne Revision geführt. Dies zeigt ebenfalls einen inhaltlichen Schwerpunkt bei der Kontrolle auf.

Probleme: Orientierungslosigkeit und Unzufriedenheit mit Ergebnissen

  • Nur 6 % der Topmanager in chinesischen Unternehmen habe Interesse, die Mitarbeiter zum Controlling zu schulen. Dadurch fehlt eine klare Orientierung.
  • Dem staatlich geförderten Controlling droht die Bürokratisierung: Man macht Controlling, um die Anforderungen zu erfüllen.
  • Oft liegen die Daten aus der Buchhaltung nicht vor oder sind nicht zuverlässig. Die IT-Unterstützung im Rechnungswesen ist ebenfalls häufig unzureichend.
  • Zudem werden die Ziele oft nicht erreicht: Knapp 60 % der Unternehmen erreichen das vorgesehene Ergebnis nicht.
  • Bisher lebt China noch in einer Wirtschaftswunderzeit. Krisen gab es bisher nicht. Der Wert des Controllings, so Prof. Wang, würden die Chinesen erst nach einer echten Krise erkennen können.

Gute Erfahrungen der deutschen Unternehmen in China

In einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Dr. Bernd Gaiser, Vorstandssprecher von Horváth & Partners, äußerten sich die Vertreter der deutschen Unternehmen Audi und Henkel dagegen zufrieden mit ihren Erfahrungen. Sie setzen auch in China die gleichen Controlling-Instrumente ein wie in der übrigen Welt. In ihren Empfehlungen bestätigten sie die von Prof. Wang genannten Probleme indirekt: Controlling müsse man erst bekannt machen. Eine universitäre Ausbildung im Controlling gäbe es nur am Lehrstuhl von Prof. Wang. Der Ausweg: Die deutschen Unternehmen bilden ihre chinesischen Controller für einige Zeit in der deutschen Zentrale aus. Dies garantiere nicht nur eine gute fachliche Ausbildung, sondern festige auch die Loyalität der Mitarbeiter.

 

Der Referent:

Prof. Wang Xuyi ist Lehrstuhlinhaber des ThyssenKrupp-Lehrstuhls für Controlling CDHK Chinesisch-Deutsches Hochschulkolleg, Tongji-Universität Shanghai.

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