09.05.2011 | Controllerpraxis

Controller Agenda 2020 – Wohin entwickelt sich diese Funktion?

Nach heutigem Verständnis ist ein modernes Controlling vorausschauend, zielorientiert, transparent und risikoorientiert. Welche Entwicklungsrichtungen sich für das Controlling zukünftig abzeichnen, war ein Thema der Controlling World 2011.

Die Controlling World 2011 fand am 11. und 12. April im Sheraton Airport Hotel in Frankfurt/Main statt. Dieser Fachkongress von Management Circle wendet sich insbesondere an Fach- und Führungskräfte aus dem Bereich der Unternehmenssteuerung und -entwicklung.  In seinem Eröffnungsvortrag widmete sich Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management, der Fragestellung, welche wesentlichen Einflussfaktoren und Entwicklungsrichtungen derzeitig für das Controlling in Deutschland erkennbar sind.

Prof. Dr. Schäffer skizzierte seinen Vorschlag einer „Controller Agenda 2020“ in der er insgesamt sechs wesentliche Einflussfaktoren identifiziert: Volatilität des Umfeldes, normativer Druck der Globalisierung, Entwicklung der IT, Nachhaltigkeit, Compliance sowie qualifizierter Nachwuchs. Diese wiederum münden in ein zukünftiges Rollenmodell des Controllers als Business Partner des Managements.

Zunehmende Volatilität des wirtschaftlichen Umfeldes

In Theorie und beruflicher Praxis besteht Einigkeit darüber, dass die Volatilität des wirtschaftlichen Umfeldes in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Dies führt dazu, dass das Controlling der Zukunft sein Instrumentarium (Früherkennung, Forecasting, Szenario-Analysen, Planungszyklen bzw. -detaillierung…) hinterfragen muss, um dieser Volatilität besser gerecht zu werden. Weiterhin sind Veränderungen in den Geschäftssystemen vorzunehmen (z.B. Reduzierung von Fixkosten), um diese Herausforderung besser bewältigen zu können. Prof. Schäffer plädierte dafür, dass die Controller diese Diskussion aktiv führen und beeinflussen sollen.

Controlling-Verständnis gleicht sich international an: Was wird aus dem deutschen Controlling-Ansatz?

Derzeitig besteht eine allgemein wahrgenommene und zum Teil empirisch nachgewiesene Divergenz zwischen dem Controlling-Verständnis im deutschsprachigen Raum und dem im internationalen Bereich. Dies zeigt sich sowohl in den Berufsbildern als auch in den unterschiedlichen Ausbildungssystemen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der normative Angleichungsdruck im Zuge der fortschreitenden Globalisierung zu Anpassungsvorgängen im hiesigen Controllingverständnis führen wird. Hier stellen sich zukünftig beispielhaft folgende Fragestellungen:

  • Gibt es weiterhin eine Existenzberechtigung für einen spezifischen Controllingansatz im deutschsprachigen Raum?
  • Besteht zukünftig die Notwendigkeit einer Zertifizierung des Controllerberufes?

Entwicklung der IT hat weiterhin Einfluss auf das Controlling

Die Weiterentwicklung der IT wird zu weiteren Auswirkungen auf das Controlling führen. Es wird zukünftig weiter zunehmend von Routinetätigkeiten im Bereich der Informationsbereitstellung entlastet, Informationen können durch Manager einfacher und mobiler abgerufen werden und es werden neue Einsatzmöglichkeiten durch die IT, beispielsweise  im Bereich der Mustererkennung, erschlossen. Die durch diese Trends frei werdende Controllerkapazität kann entweder dazu genutzt werden, neue, komplexere Leistungen zu erbringen oder diese Kapazität kann abgebaut werden. Letzteres würde zu einer Schwächung der Unternehmensfunktion Controlling führen.

"Nachhaltigkeit" gewinnt an Bedeutung für das Controlling

In den letzten Jahren hat sich die Bedeutung nachhaltigen Handelns von Unternehmen  bedingt durch eine sich verändernde gesellschaftliche Wertebasis verändert. Es ist zu erwarten, dass der Aspekt der Nachhaltigkeit und damit der Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Soziales, als zukünftiger Trend weiter anhalten und sich sogar noch verstärken wird. Prof. Schäffer stellte hier allerdings fest, dass noch kein einheitliches Verständnis in den Unternehmen über die Bedeutung für das eigene wirtschaftliche Handeln existiert und somit ein einheitliches Managementkonzept in der Folge erst recht noch nicht. Hier stellen sich seiner Meinung nach zukünftig folgende Fragen:

  • Sollten die Controller die Herausbildung eines Nachhaltigkeitskonzeptes unterstützen oder gar vorantreiben?
  • Wie werden sich die Aufgaben der Controller durch den Aspekt der Nachhaltigkeit verändern bzw. erweitern?
  • Sollten die Controller ihre Transparenzaufgabe auch für den Aspekt Nachhaltigkeit übernehmen (beispielsweise im Rahmen eines Carbon Accounting)?

Compliance rückt stärker in Controlling-Fokus

Die Notwendigkeit für Unternehmen, das eigene Handeln an den gesetzlichen und regulatorischen Vorschriften auszurichten und vor allem die Rechtmäßigkeit ihres Handelns nachfolgend transparent zu belegen, wird weiter zunehmen. Prof. Dr. Schäffer formulierte deshalb hier die Fragestellungen:

  • Wie intensiv soll sich das Controlling zukünftig mit dem Thema Compliance beschäftigen?
  • Sollte das Controlling diese Funktion in kleinen Unternehmen selbst übernehmen?
  • Welche Konsequenzen gehen davon auf die anderen Aufgaben des Controllings aus?

Demografischer Wandel tangiert auch Controller-Nachwuchs

Zuletzt werden sich der demographische Wandel und der davon ausgehende allgemeine Trend eines zukünftigen Fachkräftemangels auch auf  das Controlling auswirken. Hier gilt es frühzeitig Maßnahmen in den Unternehmen zu definieren, um weiterhin qualifizierten Nachwuchs in ausreichender Anzahl finden zu können.

Abschließend ging Prof. Dr. Schäffer auf das zukünftige Rollenmodell des Controllers ein. Weltweit werden Forderungen nach der Entwicklung des Controllers hin zum „Business Partner“ des Managements formuliert. Dies bedeutet jedoch auch eine erhebliche Ausweitung der von Controllern zu erfüllenden Anforderungen (z.B. in Bezug auf Geschäftsmodell- und Branchenkenntnisse). Hier stellt sich die Frage inwieweit die Controller diesen Weg konsequent gehen sollen oder ob dadurch die Rollenbreite eines Controllers nicht zu umfangreich wird.

Grundlagen

Der Beitrag beruht auf der Präsentation „Controller-Agenda 2020“ von Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC) der WHU – Otto Beisheim School of Management, im Rahmen der Controlling World 2011 am 11. April 2011 in Frankfurt/Main.

Der Autor

Dipl.-Kfm. Mike Schulze, Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE), EBS Business School.

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