26.11.2015 | 2. Big Data-Konferenz

"Big Data" ist zumindest als Idee bei den Unternehmen angekommen."

Big Data ist mehr als unzählige Einsen und Nullen.
Bild: Horváth Akademie GmbH

Unternehmen stehen nicht nur einem immer größeren Datenberg, sondern auch einem wachsenden Werkzeugkasten gegenüber. Mit der Anwendung hapert es besonders in etablierten Unternehmen jedoch noch. Doch konnten die Leuchtturmprojekte auf der 2. Big-Data-Konferenz zeigen, wie Unternehmen ihre Daten und Geschäftsmodelle erfolgreich durchleuchten.

Themenvielfalt verdeutlicht Digitalisierungsspektrum

Das Thema „Chancen und Potenziale der Digitalisierung“ durchzog die zehn Fachvorträge aus Praxis und Forschung. Dabei zeigte sich das breite Spektrum der Digitalisierung in der Vielfalt der Vorträge. Vom „Cutting Edge“ der Künstlichen-Intelligenz-Forschung bis zur konkreten Auswirkung auf bestehende Geschäftsmodelle reichte die Bandbreite der Themen.

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„Big Data bedeutet Veränderung“: Dieses Fazit zogen Konferenzleiter Alexander Vocelka und Walid Mehanna vom Veranstalter Horváth & Partners zum Ende der Konferenz. So stünden Unternehmen nicht nur einem immer größeren Datenberg, sondern auch einem wachsenden Werkzeugkasten gegenüber. Durch die richtige Anwendung der Werkzeuge würde aus Daten Verständnis und damit ein Mehrwert für die Unternehmen. Die Beiträge verdeutlichten, dass „Big Data“ zumindest als Idee mittlerweile in den Unternehmen angekommen ist. Spannend werde es sein, zu sehen, wie Unternehmen mit dem steigenden Wettbewerb durch „junge, wilde Start-ups“ umgingen. Speziell der Druck auf die internen IT-Abteilungen, ihre Prozesse agiler und flexibler zu gestalten, werde zunehmen, prophezeiten Vocelka und Mehanna.

Algorithmen werden immer intelligenter

Wichtige Impulse für die Datenanalyse kamen in den letzten Jahren aus der Künstlichen-Intelligenz-Forschung. „Die rasante Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz wird dramatische Auswirkungen haben“, prophezeit Professor Schmidhuber. Der Scientific Director des Schweizer Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz IDSIA veranschaulichte die Potenziale einiger besonders effektiver Modelle der künstlichen Intelligenz, den Neuronalen Netzen. Diese universell anwendbaren Algorithmen imitieren die Lernprozesse des menschlichen Gehirns und sind unter anderem in jedem Smartphone zu finden. Hier sorgen sie zum Beispiel für Siris menschlichen Touch.

Dass diese Algorithmen bereits heute in der Praxis Anwendung finden, verdeutlichte der Vortrag von Dr. Andreas Schmidt (Blue Yonder) über die Automatisierung von Unternehmensentscheidungen. Seine Prognose: „In Zukunft werden Mensch und Maschine Hand in Hand handeln, taktische Unternehmensentscheidungen werden der Maschine überlassen, die strategische Planung verbleibt weiterhin beim Menschen.“

Wo liegen die Hürden für die flächendeckende Umsetzung?

Während globale IT-Konzerne, neben Apple auch Google, IBM etc. und agile Start-up-Unternehmen bereits flächendeckend auf solche Algorithmen setzen, tun sich viele andere Unternehmen in der Einführung noch schwer. Zum einen, so stellte Professor Dr. Andreas Seufert, Direktor des Instituts für Business Intelligence von der Steinbeis-Hochschule Berlin auf Basis einer empirischen Studie fest, mangele es an hochqualifizierten Mitarbeitern, die zum Beispiel die neue Funktion des Data Scientists ausfüllen könnten. Zum anderen beobachten Markus Nemeth und Marcel Franke von pmOne, dass bei den Unternehmen bisher noch Angst vor den anstehenden Veränderungen herrscht. Dabei müssen Unternehmen vor allem lernen wissenschaftlicher zu arbeiten und dabei iterative und evolutionäre Vorgehensmodelle entwickeln.

Leuchtturmprojekte zeigen vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Wie groß die Bandbreite der möglichen Anwendungen ist, zeigte Anja Schneider, Vice President bei der SAP, mit einer Livedemonstration kommender SAP Tools. Neben „klassischen“ prädiktiven Analyseanwendungen wie der Instandhaltung stellte sie Dashboards vor, die den Zustand von Waren in Realtime wiedergeben. Der Schlüssel hierzu sind Sensoren, die ständig Rückmeldung zu einer Vielzahl an Parametern wie Temperatur, Lage und Position geben.

In der fertigenden Industrie unterstützen laut Dr. Volker Nestle, dem Leiter Future Technology bei Festo, erstmals selbsttätige Roboter direkt den Menschen bei ermüdenden Aufgaben. Diese seien dabei so lernfähig, dass der Mensch keine Schutzkleidung mehr im Umgang brauche.

Digitalisierung bietet Chance, näher an Kunden zu rücken

In der Versicherungsindustrie sorgten neue Intermediäre wie Vergleichsportale zu einer Entkopplung zwischen Assekuranzen und Kunden. Diese Lücke wieder zu schließen, sei eine Schlüsselherausforderung für die Versicherungsindustrie, so Dr. Jochen Tenbieg von der Allianz SE. Die Potenziale seien dabei enorm, z. B: mit neuen Services wie zum Beispiel Assistenzen. Zudem  schaffe die Digitalisierung auch neue Versicherungsrisiken wie Cyberkriminalität – und damit neue Geschäftsmodelle.

Wo die Versicherungsindustrie dabei auf Big Data-Lösungen setzen sollte, zeigten Alexander Ritter und Alexander Makowski (ConVista Consulting AG) auf. Sie analysierten die Potenziale von Big Data-Anwendungsfällen in der Versicherungsindustrie. Dabei fanden sie mit der Echtzeit-Datentransparenz, individualisiertem Pricing für Kfz-Policen und individualisiertem Marketing drei Anwendungsfälle, deren „systematischer Ausbau“ lohnenswert ist.

Der Frage, wie Unternehmen relevanter für ihre Kunden werden können, ging auch Dr. Oliver Bohl (PAYBACK) nach. Seine Lösung: die vorhandenen Kundendaten durch intelligente Analyse und für die personalisierte Ansprache besser nutzen.

Ebenfalls aus Sicht des Marketings betrachtete Sven Markschläger (Twitter Germany) die Chancen der Digitalisierung. Das Fazit: Relevanz in der Kundenansprache erreichen Unternehmen durch Content Marketing, eine Weiterentwicklung des Sponsorings.

Die Frage nach dem Wohin mit all den Daten beantwortete zum guten Schluss Frank Harzheim, Geschäftsführer der Deltalis SA. Sein Angebot: Ein Hochsicherheitsrechenzentrum in einem umgewidmeten Militärbunker.

Die Veranstaltung

Auf der 2. Big-Data-Konferenz am 28. Oktober 2015 in Stuttgart haben über 120 Teilnehmer die Vorträge über die unterschiedlichen Aspekte der digitalen Unternehmenssteuerung verfolgt. Der wesentliche Schwerpunkt lag dieses Jahr auf den Analysemethoden, die als Grundlage für (teil-) automatisierte Unternehmensentscheidungen genutzt werden können. Wie die Unternehmen mit dem hohen Tempo des Wandels und dem sich daraus ergebenden Innovationsdruck umgehen, wird sicherlich auf der nächsten Big-Data-Konferenz am 8. November 2016 diskutiert werden.

Schlagworte zum Thema:  Konferenz, Big Data, Horváth & Partners

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