19.11.2010 | Controllerpraxis

Beschaffungs-Controlling: Zukünftige Rohstoffknappheit macht Risikomanagement notwendig

Die Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten wird in Zukunft schwieriger werden. Als ein hohes Risiko betrachten viele Unternehmen Marktverzerrungen durch Spekulationen an den Rohstoffmärkten. Ein systematisches Risikomanagement ist jedoch nur selten vorhanden.

Rohstoffknappheit wird zu Preissteigerungen führen

Die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen steigt stetig. Ursachsen sind

  • das globale Bevölkerungswachstum,
  • wachsender Wohlstand in den Schwellenländern und
  • die zunehmende Energieerzeugung aus Biomasse lassen steigen.

Diese Entwicklung bekommen auch Handel und Konsumgüterindustrie in Deutschland zu spüren: Da sich das Rohstoffangebot nur begrenzt ausweiten lässt und die Spekulationen an den Rohstoffmärkten zunehmen, rechnen gut acht von zehn Unternehmen, die im Rahmen einer Studie der WP- und Beratungsgesellschaft PwC befragt wurden, mit Preissteigerungen. Über 40 % prognostizieren in den kommenden fünf Jahren auch häufigere Versorgungsengpässe als bisher.

Beschaffung wird schwieriger - Wertschöpfungsstrukturen verändern sich

Knapp jedes dritte befragte Unternehmen geht davon aus, dass die Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten in den kommenden Jahren insgesamt schwieriger wird. Von besonderer Bedeutung für das eigene Unternehmen sind dabei Marktverzerrungen durch Spekulationen an den Rohstoffmärkten, die gut 40 Prozent der Befragten für ein sehr hohes Risiko halten. Ebenso viele fürchten, dass Teile des Rohstoffhandels unter die Kontrolle weniger globaler Konzerne geraten und Monopole oder zumindest Oligopole mit entsprechender Markmacht entstehen könnten.

Schwächen beim Risikomanagement

Der angemessene Umgang mit Versorgungsrisiken setzt voraus, dass diese überhaupt bekannt sind. Von den befragten Unternehmen schätzen jedoch nur 40 % den eigenen Wissensstand zum Thema als gut oder sehr gut ein, während 27 % ihre Kenntnisse als gering oder sogar sehr gering bezeichnen. Knapp zwei Drittel der Unternehmen vertrauen dabei auf die persönliche Risikoeinschätzung von Mitarbeitern und Führungskräften. Eine ausformulierte Strategie zum Umgang mit Versorgungsrisiken existiert nur bei einer Minderheit der Befragten (17 %). Die Handelsunternehmen schätzen sich dabei deutlich schlechter ein als die Konsumgüterhersteller.

Keine Supply-Chain-Analyse – Fokus auf direkten Lieferantenbeziehungen

Eine Betrachtung der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette bleibt bisher die Ausnahme. Tatsächlich stehen bei der Risikoanalyse vor allem die direkten Lieferantenbeziehungen im Vordergrund. Diese überprüfen gut 60 % der Unternehmen regelmäßig. Zwei Drittel achten auch auf eine möglicherweise zu starke Abhängigkeit von Einzellieferanten. Länderrisiken betrachten hingegen nur 38 % der Unternehmen kontinuierlich.

Über die Studie

Für die Studie wurden 89 Unternehmen in Deutschland befragt, darunter 42 aus der Konsumgüterbranche und 41 Handelsunternehmen. Eine besonders hohe Beteiligung kommt aus den Branchen Lebensmittel und Bekleidung.

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