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Behavioral Controlling – Wie Berichte Management-Entscheidungen beeinflussen

Welche Bedeutung haben Inhalt und Darstellung von Berichten für Entscheider und Controller? Die Verquickung von Psychologie und Controlling zeigt eindrucksvoll die Relevanz des Berichtswesens für Management-Entscheidungen. Der Controller wird dadurch mit einem neuen Rollenverständnis konfrontiert (FK Reporting, Teil 3).

Informationsversorgung ist nach wie vor die zentrale Aufgabe des Controllings

Die Informationsversorgung des Managements stellt nach wie vor eine der zentralen Aufgaben des Controllings dar. Wenn nicht der Controller, wer dann soll die „richtigen“ Zahlen haben? Aber können Manager unendlich viele Informationen verarbeiten? Wie hoch ist die Gefahr von Fehlentscheidungen? Diesen Fragen widmete sich Prof. Dr. Bernhard Hirsch, Professor für Controlling an der Universität der Bundeswehr München in seinem Vortrag und zeigte die kognitive Begrenzung der menschlichen Informationsverarbeitung.

 

Beim Berichtsumfang kommt es auf den Persönlichkeitstypus des Berichtsempfängers an. So gibt es durchaus Manager, die sich mit Monatsberichten von über 250 Seiten Umfang intensiv auseinandersetzen und entsprechende Maßnahmen daraus ableiten. Das stellt aber eher die Ausnahme als die Regel dar. Empfängerorientierung stellt damit im Rahmen der Gestaltung von Berichten für das Controlling eine große Herausforderung dar.

Entscheidungsanomalien im Berichtswesen beeinflussen die Rolle des Controllers

Die Art der Aufbereitung und Darstellung von Informationen als das wesentliches Element des Management Reportings hat eine enorme Bedeutung auf die Entscheidungen des Managements. Das die Experimentalforschung hierfür eindrucksvolle Beweise bietet, zeigte Prof. Hirsch den Konferenzteilnehmern in einem Live-Versuch.

Je nach Formulierung der Entscheidungsalternative entschieden sich die Konferenzteilnehmer mehrheitlich für oder gegen die Durchführung einer bestimmten Behandlungsalternative analog zum Originalexperiment.

Wie würden Sie entscheiden?
Überlegen Sie sich, wie Sie für die Fragestellungen der Gruppen A bzw. B entscheiden würden. Sehen Sie sich erst anschließend die Ergebnisse der Antworten des Originalexperiments an.

Dies verdeutlicht, dass sich durch eine verhaltensorientierte Betrachtung des Management Reportings eine erweiterte Rollendefinition für das Controlling ergibt. Für den Controller gilt es damit auch Motivationsprobleme und kognitive Entscheidungsanomalien der Führung zu erkennen, zu erklären und zu reduzieren.

Lessons learned

Auf die Bereitstellung von Informationen durch das Controlling hebt Prof. Hirsch folgende Konsequenzen hervor:

  • Manager können nur eine begrenzte Anzahl von Informationen verarbeiten.
  • Die Fähigkeit zur Bearbeitung von Informationen hängt auch von der Darstellung der Informationen ab. Hier können Graphiken neben Tabellen helfen.
  • Menschen sind auch qualitativ kognitiv begrenzt. Sie bauen sich im Rahmen ihres Wirkens und ihrer Wahrnehmung eigene mentale Modelle (Gedankenwelten) bzw. sind in gemeinsamen mentalen Modellen mit anderen Akteuren verbunden.
  • Kommentare, die der Controller in Berichten formuliert, können helfen auf Sachverhalte hinzuweisen, die sonst in der Gedankenwelt es Empfängers „übersehen“ werden.

Ausgehend von den verhaltenswissenschaftlich geprägten Erkenntnissen des Behavioral Controlling sieht Prof. Hirsch deutliche Konsequenzen für die Rolle der Controller in der Praxis:

  • Die Aufgaben des Controllers hängen stark vom Führungskontext sowie von den Fähigkeiten und Eigenschaften der Führungskräfte ab.
  • Controlling als umfassende Unterstützungsfunktion des Managements bedeutet auch eine aktive und teilweise unbequeme Counterpartfunktion einzunehmen.
  • Dafür ist ein umfassendes Wissen verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse ebenso wichtig wie die Fähigkeit, Führungskräfte individuell zu beeinflussen.

Der Autor: Dr. Stefan Zeibig

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