| Spion liest mit

Neue Software kann Nutzung von eBooks überwachen

Hier liest niemand mit.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Im Internet ist die Überwachung der Aktivitäten durch Tracking-Technologien schon ein alter Hut. Beim Lesen eines eBooks fühlte man sich bis jetzt unbeobachtet. Jetzt wurde eine neue Software vorgestellt, mit der sich Verhaltensanalysen bei eBook-Lesern durchführen lassen.

Wer im Internet surft, ist sich inzwischen meist bewusst, dass die Ausflüge kontrolliert und die Aktivitäten protokolliert werden. Online-Shops registrieren genau, welche Produkte sich ein Kunde anschaut und auf welche Werbebanner er klickt und können ihm dann ähnliche Angebote präsentieren. Werbenetzwerke verfolgen die Nutzer über Tracking-Cookies und nutzen Eingaben bei Suchmaschinen, um passende Werbebanner einzublenden.

Das Magazin Technology Review berichtet in seiner neuen Ausgabe (9/2012) über eine neuartige Überwachungssoftware, mit der Verlage künftig auch das Nutzerverhalten der Leser elektronischer Bücher und Zeitschriften kontrollieren und für Marketingzwecke verwenden können.

Wie wird gelesen?

Bei der Nutzung elektronischer Bücher und Zeitungen fehlte den Anbietern bislang eine derartige Rückmeldung. Hier konnten Informationen nur aufgrund der Absatzzahlen oder durch aufwendige Marktforschung gewonnen werden. Dieses Manko will nun das Startup-Unternehmen hiptype beseitigen und hat dazu eine spezielle Analyse-Software entwickelt. Das Tool kann beispielsweise aufzeichnen, wie die Käufer die E-Books lesen, also an welchen Stellen sie mit der Lektüre beginnen, wo sie aufhören zu lesen oder welche Stellen sie markieren und welche Zitate sie mit anderen Nutzern austauschen.

Auch Kaufentscheidung kann beobachtet werden

Dadurch, dass die Technik auch auf Leseproben angewendet werden kann, sind sogar Rückschlüsse auf die Kaufentscheidung möglich. Nutzbar ist hiptype-Technik derzeit unter anderem bei eBooks aus dem iBookstore von Apple und hier wird sie bereits von einigen Verlagen getestet. Aber auch für andere eBook-Formate ist diese Technik geeignet.

Datenschutzbedenken: Abschaltung nur nachträglich möglich

Aus Datenschutzsicht bedenklich ist hierbei vor allem, dass die Überwachung des Leseverhaltens den meisten Nutzern nicht bekannt sein dürfte. Zwar ermöglicht die hiptype-Technik den Lesern, die Überwachung abzuschalten, jedoch ist dies nur nachträglich durch eigene Aktivität (Opt-out) möglich. Die gesammelten Daten werden nach Aussage des Unternehmens immerhin anonym gespeichert.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, Webanalyse, E-Book

Aktuell

Meistgelesen