09.05.2016 | EU-Datenschutzgrundverordnung + Bonitätsprüfung

Verbraucherschützer warnen vor Aufweichung der Scoring-Vorgaben

Bringt die EU-Datenschutzreform hierzulande verbotenen Bonotäts-Prüfverfahren zurück?
Bild: Tony Hegewald ⁄

Kreditgewährung und sorgfältige Bonitätsprüfungen sind für Wirtschaft, Verbraucher und Unternehmer existenziell. Nach Ansicht des Bundesverbands der Verbraucherzentralen droht die europäische Datenschutzreform die Vorgaben für Auskunfteien hierzulande deutlich zu lockern. Umstrittene und verbotene Verfahren wie das Geo-Scoring (= einordnen nach Wohnanschrift) könnten wieder zugelassen werden.

Obwohl die jüngste verabschiedete europäische Datenschutzreform vielerorts begrüßt wurde und zahlreiche Verbesserungen bringt, sorgen sich vor allem Verbraucher- und Datenschützer in Deutschland, dass die europaweiten Regelungen auch einige Rückschritte mit sich bringen könnten.

Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt

So weist jetzt etwa der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) darauf hin, dass in der Grundverordnung weniger strenge Vorgaben zum Scoring der Bonitätsprüfung vorgesehen sind als etwa im derzeit noch geltenden Bundesdatenschutzgesetz.

Geo-Scoring wieder möglich

Nach Ansicht des vzbv-Vorstandes Klaus Müller droht beim Scoring, also der Bewertung der Kreditwürdigkeit, ein massiver rechtlicher Rückschritt.

  • So könne es sein, dass die Verbraucher künftig allein auf Grundlage von Anschriftendaten beurteilt werden.
  • Dieses sogenannte Geo-Scoring ist in Deutschland seit einigen Jahren explizit untersagt, um zu verhindern, dass bestimmte Personengruppen strukturell ausgegrenzt werden.

Weitere Kritikpunkte

Darüber hinaus kritisieren die Verbraucherschützer weitere Punkte der Datenschutzgrundverordnung:

  • So verhindert die EU-Regelung nicht, dass auch solche finanziellen Forderungen an Auskunfteien gemeldet und zum Scoring verwendet werden dürfen, die ein Verbraucher bestritten hat.
  • Derzeit geltende Regelungen, nach denen Kunden einen Auskunftsanspruch im Hinblick auf die statistisch-mathematisch errechneten Werte zu ihrer Kreditwürdigkeit haben, seien gefährdet.

Längere Löschfristen

Schließlich könnten sich auch die Vorgaben zu Löschfristen aus Verbrauchersicht verschlechtern. 

Die ausführlichen Kritikpunkte an den Scoring-Regelungen in der EU-Datenschutz-Grundverordnung hat der vzbv in einem Hintergrundpapier zusammengefasst.

Öffnungsklauseln nutzen

Die Verbraucherschützer sehen das aktuelle Schutzniveau daher in Gefahr und fordern die Politik dazu auf, die vorhandenen Öffnungsklauseln in der Verordnung auszunutzen, um den bisherigen Schutz aufrecht zu erhalten.

Die Bundesregierung solle sich an ihr Versprechen erinnern, bei der Umsetzung der EU-Reform in nationales Recht dafür zu sorgen, dass es nicht zu Verschlechterungen kommt.

Vgl. zu dem Thema auch:

EU-Datenschutzreform - die wichtigsten Änderungen

Die Macht der Schufa

Löschungsanspruch Schufa

sowie

Verbandsklage gegen Dantenschutzverstöße

Schlagworte zum Thema:  EU-Datenschutzreform, EU, Datenschutz, Scoring

Aktuell

Meistgelesen