| Datenverschmutzung

EU-Datenschützer warnt vor Risiken von Big Data und datengetriebenen Geschäftsmodellen

Risiken von Big Data und datengetriebene Geschäftsmodelle - EU-Datenschützer warnt
Bild: Haufe Online Redaktion

Big Data gilt als einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die Wirtschaft insgesamt und die IT-Branche im Besonderen. Immer mehr Politiker und Interessensvertreter sprechen sich dabei für eine Absenkung des Datenschutzniveaus aus, um dieses Potenzial nicht zu gefährden. Der EU-Datenschutzbeauftragte mahnt jetzt allerdings zu Vorsicht.

In einer aktuellen Stellungnahme setzt sich der Datenschutzbeauftragte der EU, der Italiener Giovanni Buttarelli, differenziert mit Big Data und den Auswirkungen auf den Datenschutz auseinander. Darin attestiert er dieser Technik einerseits erhebliche Vorteile sowohl für den Einzelnen als auch die Gesellschaft insgesamt, andererseits warnt er aber davor, zugunsten derartiger Anwendungen den Schutz der Grundrechte aufzugeben.

Keine unkritische Übernahme von Geschäftsideen

Bei allen Vorteilen, etwa im Bereich der Gesundheitsforschung oder dem Umweltschutz, dürfe die EU jedoch nicht einfach „datengetriebene Technologien und Geschäftsmodelle“ aus anderen Teilen der Welt importieren. Das Datenschutzrecht der EU, das entwickelt worden sei, um die Grundrechte der Bürger abzusichern, müsse auch auf Big Data angewendet werden, wenngleich man hier auch in innovativer und dynamischer Weise Anpassungen vornehmen könne.

Privacy by Design notwendig

Alle bisherigen Datenschutzprinzipien wie etwa Transparenz, Verhältnismäßigkeit oder Zweckbegrenzung müssten auch für Big-Data-Anwendungen gelten, zudem seien sie durch weitere Grundsätze wie Rechenschaftspflicht, Nutzerfreundlichkeit und Nutzerkontrolle sowie den Einbau von Datenschutz in die Technik (Privacy by Design) zu ergänzen. Damit stellt sich er EU-Datenschutzbeauftragte klar gegen Forderungen aus Wirtschaft und Politik, nach Abschaffung von Prinzipien wie Zweckbindung und Datensparsamkeit zugunsten von Big Data.

Anonymisierung darf nicht umgangen werden

Große Bedeutung kommt nach Ansicht Buttarellis bei Big Data auch einer effektiven Anonymisierung zu.

  • So reiche es hier nicht aus, aus den Datensätzen einfach die Attribute zu entfernen, die eine direkte Identifizierung der Individuen erlauben.
  • Darüber hinaus müsse zusätzlich darauf geachtet werden, dass die vorgeblich anonymen Daten nicht durch Hinzuziehen weiterer Datensammlungen doch wieder Einzelnen zugeordnet werden könnten.

Datenverschmutzung und falsche Korrelationen

Schließlich warnt der Datenschützer noch vor weiteren Risiken von Big Data.

  • So gebe es durch die Vielzahl von extensiven Datensammlungen bereits jetzt so etwas wie eine „Datenverschmutzung“
  • und in dieser Vielfalt könne es auch zu falschen Korrelationen kommen, bei denen gänzlich unzusammenhängende Phänomene künstlich miteinander in Verbindung gebracht würden.

Dies könne etwa zu negativen Folgen für Betroffene führen, wie etwa beim Scoring für die Kreditwürdigkeit. Zudem könne es durch das Gefühl der ständigen Überwachung in den digitalen Medien dazu kommen, dass die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gefährdet wird.

Big Data: Jeder „Klick“ erzeugt Daten. Sie entstehen beim Ticketkauf am Automaten, bei Suchanfragen im Internet, bei Telefonaten, bei Geldgeschäften, beim Twittern usw. Als Big Data werden aber auch große und komplexe Datenmengen bezeichnet wie zum Beispiel Datensätze, die bei Einkaufstransaktionen entstehen oder GPS-Signale.

Big Data nezeichnet aber nicht nur die Daten an sich, sondern auch deren Analyse und Nutzung. Die Daten werden automatisch nach Zusammenhängen durchsucht. Das ermöglicht etwa beim Internetshopping Kaufempfehlung wie „Andere Kunden, die das Produkt gekauft haben, haben sich auch für Folgendes interessiert“.

Vgl. zu dem Thema auch:

Gesetzeslage an Big-Data-Realität anpassen

Big Data: Goldgrube oder Gefahr für die Unternehmenskultur?

Interview zu Big Data

Schlagworte zum Thema:  Big Data, Datenschutz

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