04.03.2016 | Nutzerdatenschutz

Datenschutzverstöße bei Windows 10 - Verbraucherschutzverband verklagt Microsoft

Unzureichende Datenschutzerklärungen beim massiv vertriebenen und neugierigen Windows 10
Bild: Microsoft Corp.

Das neue Microsoft-Betriebssystem ist bei vielen Datenschützern nicht gerade beliebt, vor allem weil es sich bei der Einrichtung automatisch den Zugriff auf viele Nutzderdaten einräumen lässt. Die Informationen darüber sind nicht sehr nutzerfreundlich. Die Verbraucherzentrale NRW hat daher nun den Hersteller Microsoft wegen unzureichender Einhaltung der Datenschutzbestimmungen vor dem LG München verklagt.

Microsoft hat in der aktuellen Version seines Windows-Betriebssystems viele neue Assistenz- und Cloudfunktionen integriert, mit denen die Nutzung neuer bzw. zusätzlicher Dienste einfacher werden soll. Allerdings werden hierfür auch viele Daten und Informationen zum Nutzerverhalten benötigt.

Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Assistenten-Funktion Cortana verwendet wird, die einen Zugriff auf Terminkalender, den Browserverlauf oder E-Mail-Inhalte benötigt und diese Daten dazu teilweise auch an die Microsoft-Server überträgt.

Skepsis gegenüber Kontrollversprechen

Microsoft wirbt zwar für Windows 10 explizit mit dem Hinweis, dass die Nutzer hier die volle Kontrolle über ihre Daten behalten, bei Verbraucher- und Datenschützern sieht man diese Aussage aber eher skeptisch. Die Verbraucherzentrale NRW bemängelt ganz konkret, dass Nutzer von Windows 10 unzureichend über den Datenschutz aufgeklärt werden.

Es müssen die Nutzer etwa beim Upgrade auf Windows 10, für das Microsoft ganz massiv wirbt, in jedem Fall die Lizenzbedingungen akzeptieren, in denen sich Microsoft die Einwilligung in die Datenerhebung und Datennutzung gemäß einer seitenlangen Datenschutzerklärung pauschal geben lässt.

Datenschutzerklärung unzureichend

Diese Datenschutzerklärung halten die nordrhein-westfälischen Verbraucherschützer jedoch für unzulänglich. Sie monieren u. a.

  • die ausufernde Länge,
  • die Unübersichtlichkeit und
  • die Unbestimmtheit dieser Ausführungen.

Zudem müssten hier brisante Klauseln besonders hervorgehoben werden und die Anwender sollten genau erkennen können, welchen konkreten Bestimmungen sie zustimmen.

Abmahnung blieb ohne Reaktion

Die Verbraucherzentrale hatte Microsoft zunächst abgemahnt und aufgefordert, die Datenschutzklausel in der bisherigen Form nicht weiter zu verwenden, worauf das Unternehmen allerdings nicht reagierte. Daher entschlossen sich die Verbraucherschützer nun, eine Klage vor dem Landgericht München I (Az.: 12 O 909/16) einzureichen.

Hinweis: So verbessern Sie den Datenschutz bei Windows 10

Als Nutzer sind Sie den Zugriffen auf Ihre Daten unter Windows 10 zumindest nicht schutzlos ausgeliefert.

  • Schon während der Installation können Sie Änderungen bzw. Einschränkungen vornehmen. Dazu dürfen Sie allerdings nicht die bequeme Express-Installation wählen, sondern müssen die Installation manuell durchführen und dürfen dabei nicht überall auf die Option Übernehmen klicken.
  • Auch im Nachhinein können Sie jederzeit die Einstellungen anpassen, etwa über das Menü Einstellungen und den Bereich Datenschutz. Aber auch in einigen anderen Bereichen sind datenschutzrelevante Einstellungen möglich. Auf Funktionen wie die digitale Assistentin Cortana müssen Sie bei hohem Datenschutzniveau dann jedoch verzichten.
  • Mit speziellen Tools, wie etwa Shutup 10 von O&O Software, können Sie die Datenschutzeinstellungen ebenfalls einfach anpassen.

Vgl. zu dem Thema auch:

Windows 10 im Fokus der Datenschützer

Datenschutzbeauftrage warnen vor Windows XP

Schlagworte zum Thema:  Datensicherheit

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