11.11.2014 | Serie Compliance - rechtliche Schwerpunkte

Compliance endet nicht am Firmentor - auch die Lieferantenauswahl zählt

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Compliance endet nicht an der Unternehmenszgrenze - auch die Lieferantenauswahl muss stimmen
Bild: Haufe Online Redaktion

CSR (Corporate Social Responsibility) und Compliance sind zwei Seiten einer Medaille.  Für echte Compliance muss ein Wertekatalog her. Dazu gehört, dass sich ein Unternehmen auch bei der Auswahl von Partnern und Lieferanten nicht blind stellt. Hier hilft ein CSR-Prozess mit einem stringenten Kontroll-Management.

Richtig verstandene Compliance geht über pure Regelkonformität hinaus. Nachhaltigkeit, Schonung der Ressourcen, eine verantwortliche Auswahl der Zulieferbetriebe und Geschäftspartner sind notwendiger Bestandteil einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Wertekultur in einem Unternehmen. Was nützt ein großzügig gestaltetes Compliance-Regelwerk, wenn Zulieferbetriebe oder Subunternehmer ohne jeden Wertekatalog auskommen.

Zu Compliance gehört verantwortliche Auswahl der Zulieferbetriebe und Geschäftspartner

Auf grausame Weise augenscheinlich geworden ist die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise bei einer Reihe von schweren Unfällen in Zulieferbetrieben in Indien und dem Einsturz eines Fabrikgebäudes im Jahr 2013 in Bangladesch, bei dem 1.127 Menschen ums Leben kamen.

Erst der Tod vieler Menschen brachte die Einsicht

Nicht verantwortbare Arbeitsbedingungen, skandalöse Arbeitszeiten, Kinderarbeit, beißende Chemiegerüche in den Fabriken, schwere Baumängel und in der Folge eine große Anzahl von Toten waren Anlass für grundsätzliche Debatten um die Unternehmensverantwortlichkeit.

Ein Unternehmen kann nicht compliant sein, wenn es seine Waren von Geschäftspartnern oder Zulieferern herstellen oder bringen lässt, die nicht einmal die Mindeststandards menschlicher Arbeitsbedingungen beachten.

Compliance weist über die Unternehmensgrenzen hinaus

Eine richtig verstandene Compliance umfasst daher auch eine verantwortliche Auswahl der Lieferantenkette hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Schonung der Ressourcen und Naturschutz. In der Textilbranche scheint man dies inzwischen gelernt zu haben.

Unmenschlichen Arbeitsbedingungen den Kampf angesagt

Unternehmen wie Primark, H &M oder C & A haben inzwischen der Kinderarbeit, unmenschlichen Arbeitszeiten und -bedingungen den Kampf angesagt. Die Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung auch über den unmittelbaren Unternehmensbereich hinaus, scheint sich bei diesen Unternehmen langsam durchzusetzen.

Abzuwarten bleibt, ob die eingeleiteten Engagements - beispielsweise für die Schulausbildung der in den Zulieferbetrieben arbeitenden Jugendlichen - mehr sind als eine kosmetische Maßnahme zur Aufpolierung des Unternehmensimage. Unter Compliancegesichtspunkten dürfte aber auch die Reputation eines Unternehmens nur dann nachhaltig gestärkt werden, wenn auch solche Engagements am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert sind.

Umsetzung auch im Mittelstand

Wie solche Compliance-Regeln auch im Mittelstand umgesetzt werden können zeigen die vom BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.) herausgegebenen Richtlinien zu den Anforderungen an einen Compliance/CSR-Prozess im Lieferanten-Management, der für Lieferanten jeder Größe, Unternehmensstruktur und Rechtsform gelten soll.

Als Lieferanten werden dort alle Distributoren, Logistikdienstleister, Personaldienstleister, Marketing-Dienstleister und sonstige Agenten betrachtet. Als Auftragnehmer gelten Lohnhersteller, Zeitarbeiter, IT Programmierer und Lieferanten.

Geschäftsverbindungen nur mit integren Lieferanten

Compliance im Lieferanten-Management bedeutet, dass Geschäftsverbindungen nur mit integren Lieferanten eingegangen werden. Die Überprüfung der Lieferanten erfolgt nach den Gesichtspunkten

  • Versorgungssicherheit,
  • Wettbewerbsfähigkeit und
  • Integrität des Lieferanten(z.B. Zuverlässigkeit).

Der BME schlägt insoweit die Bildung eines Lieferantenpools vor, in dem

  • Lieferantenqualifizierung,
  • die Lieferantenleistung,
  • die Lieferantenbewertung
  • und die Lieferantenentwicklung

dokumentiert sind (beispielsweise durch Zertifikate und Unternehmensprofile).

Integrierter Compliance/CSR - Prozess 

Die Integration eines Compliance/CSR Prozesses bedarf klarer Vorgaben. In erster Linie ist auf den rechtlichen Grundlagen der jeweiligen Branche aufzubauen, wobei gegebenenfalls die rechtlichen Besonderheiten bei ausländischen Lieferanten zu berücksichtigen sind. Wichtig ist eine stringentes Kontoll-Management. Festgestellte Defizite sind möglichst unter Vereinbarung einer Fristsetzung abzustellen. Werden schwerwiegende Mängel nicht abgestellt, muss dies gegebenenfalls durch Ausgrenzung des entsprechenden Unternehmens aus dem Lieferanten-Pool sanktioniert werden.

Dies alles sehen die Richtlinien des BME in Beispiel gebender Weise vor. Sie können damit durchaus als Vorbild für eine vielversprechende Integration des Compliance/CSR-Prozesses im Lieferanten-Management gewertet werden, deren konsequente Umsetzung Katastrophen wie die in Bangladesch in ihrem Geltungsbereich zumindest unwahrscheinlicher machen würde.

Schlagworte zum Thema:  Compliance-Organisation, Compliance-Gefährdungsanalyse, Compliance-Regel, Compliance-Kultur, Compliance-Management

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