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FIFA leidet weiter unter schwerst angeschlagenem Sepp Blatter

Wann muss Blatter endgülig vom Platz?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Schlinge um seinen Hals wird zunehmend enger. Nicht nur die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Sepp Blatter wegen des Verdachts der „Ungetreuen Geschäftsbesorgung“ und eventuell wegen „Veruntreuung“, auch die Ethikkommission der FIFA selbst hat jetzt eine Untersuchung eingeleitet.

Während allüberall immer neue Ethikrichtlinien und uferlose Compliance-Werke ins Kraut schießen, während weltweit Großfunktionäre von Banken, Industrie und Verbänden hehre Ethik- und Verantwortungsstatements in die Welt posaunen, überschlagen sich gleichzeitigdie Skandale: Ob Deutsche Bank, VW oder der gemeinnützige Verein des Weltfußballs  „Federation Internationale de Football Association“ (FIFA) – es geht zu wie im Tollhaus. Als ob es kein Morgen gäbe, werden Anti-Korruptionsrichtlinien, wird die Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt mit Füßen getreten. Schlimmer noch, die Verantwortlichen wollen selbstvergessen ihre Missetaten aussitzen und inn ihren Ämtern und "Würden" ausharren.

Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung, Art. 158 Schweizer StGB

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den noch amtierenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wegen 2 mutmaßlichen Delikten:

  • Im Jahre 2011 soll Blatter zu Unrecht 2 Millionen Schweizer Franken an den Chef des europäischen Verbandes „Uefa“ Michel Platini gezahlt haben. Die Bundesanwaltschaft vermutet eine „treuwidrige Zahlung“. Platini erklärt die Zahlung mit seiner vertraglich vereinbarten Beratertätigkeit für den Verband in den Jahren 1998 bis 2001. Wenig plausibel für die Ermittler, denn die Rechnungsstellung erfolgte erst achteinhalb Jahre nach Beendigung der Beratertätigkeit, aber 3 Monate vor der den FIFA-Präsidentschaftswahlen.
  • Der 2. Verdachtsfall betrifft den Verkauf von TV-Rechten zur Übertragung der Weltmeisterschaften 2010 und 2014 weit unter ihrem wahren Wert. Jack Warner erwarb die Rechte für die karibische „Concacaf“ für 600.000 US-Dollar und erzielte bei der Weiterveräußerung zwischen 15 und 20 Millionen US-Dollar. Der Vertrag war allerdings später von der FIFA gekündigt worden, weil die Concacaf eine Teilgewinnabführungsklausel (Profit-Splitt) nicht eingehalten hatte. 

Blatter will bleiben

Bisher macht der FIFA-Präsident noch keine Anstalten, abzutreten. Dies erstaunt angesichts der Tatsache, dass Blatter offiziell als Beschuldigter vernommen wurde und seine Büroräume durchsucht wurden. Der ins Auge gefasste Nachfolger Michel Platini, der im Februar 2016 gewählt werden könnte, ist gerade dabei, seine Chancen endgültig zu verspielen. Zwar wurde er bisher von der Schweizer Bundesanwaltschaft nur als „Auskunftsperson“ einvernommen, sollte sich die 2-Millionenzahlung an ihn aber als rechtswidrig erweisen, dürfte er für den Job endgültig verbrannt sein. Einige haben als Ersatz – zumindest übergangsweise - den korruptionsunverdächtigen ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ins Gespräch gebracht, darüber besteht aber noch bei weitem kein Konsens. Solange aber kein aussichtsreicher Nachfolger zur Verfügung steht, bleibt Blatter der amtierende Präsident.

Ethikkommission könnte Absetzung Blatters betreiben

Blatter könnte aber auch suspendiert werden. Insofern sind die Unersuchungen der Ethikkommission der FIFA für Blatter zur Zeit eine ebenso ernste Gefahr wie die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Kommt die Ethikkommission zu einem für Blatter negativen Ergebnis – und der politische und mediale Druck auf die Ethikkommission ist groß – so kann sie die Demissionierung Blatters vorschlagen. Erst Mitte September wurde der langjährige Vertraute Blatters, der FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke von seinen Diensten wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe von Ticket-Kontingenten entbunden. Die Ethikkommission ist allerdings bis zum Ende ihrer Ermittlungen gemäß  Art. 36 des Ethikcodes zum Stillschweigen verpflichtet. Eine Modernisierung dieser und weiterer Regelungen hatte u.a. der DFB-Chef Wolfgang Niersbach verhindert. Die Entscheidung über die Suspendierung Blatters läge bei der Spruchkammer der Ethikkommission unter Vorsitz der Münchner Richters Hans-Joachim Eckert, der allerdings bisher nicht gerade als entschiedener Kritiker Blatters aufgefallen ist.

Blatter zerstört sein Lebenswerk

Der Schweizer Altbundesrat Adolf Ogi, der Blatter stets unterstützte und ihm mit zu seinem Amt verholfen hat (neben dem damaligen Adidas-Chef Horst Dassler), äußerte, Blatter müsse entscheiden ob er seinem Land und dem Fußball dienen wolle oder nur seinem Ego. Blatter, der wegen der völkerverbindenden Kraft des Fußballs lange hoffte, einmal den Friedensnobelpreis zu erhalten, dürfte diese Krönung seines Lebenswerks wohl nicht mehr erleben. Je länger der schwer angeschlagene FIFA-Chef an seinem Amt klebt, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass er sein Lebenswerk und seine sicherlich auch vorhandenen Verdienste um den Weltfußball nachträglich zunichte macht und die FIFA als besonders korrupter Skandalverband in die Geschichte eingeht.

Fazit: Solange in einem Unternehmen oder Verband die Personen fehlen, die bestehende Ethikrichtlinien auch umsetzen und leben wollen, ist jede Art von Compliance für die Katz.

Vgl. zu dem Thema auch:

Blatter geht - aber wer räumt den FIFA-Stall auf?

Korruption und Sport: Zwei die zusammenpassen?

Vgl. zum Thema Fußball:

Schwulenfeindlichkeit im Verein

Außerordentliche Kündigung eines gewalttätigen Fußballtrainers

Schlagworte zum Thema:  Fußball, Geldwäsche, Korruption

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