| EU Datenschutz-Grundverordnung

Umfrage zu zögerlicher Umsetzung der EU-Datenschutzreform durch Unternehmen

Die Übergangsfrist läuft, doch die EU-Datenschutzreform gilt Unternehmen und Kritikern als teuer bzw. praxisfern
Bild: Haufe Online Redaktion

Die EU-Datenschutzreform ist in vielen Unternehmen noch kaum Thema. Durch die im Mai in Kraft getretene europäische Datenschutz-Grundverordnung kommen zahlreiche Änderungen gerade auch auf Unternehmen zu. Dennoch haben sich bislang nur wenige Unternehmen mit diesen Vorgaben befasst, wie eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom ergab. Der Verband mahnt mehr Engagement an, bis in 18 Monaten müssen die Neuerungen umgesetzt sein.

Zwar ist die EU Datenschutz-Grundverordnung mittlerweile bereits seit knapp einem halben Jahr in Kraft, doch viele Unternehmen haben sich bislang nur unzureichend oder sogar überhaupt noch nicht mit den damit verbundenen Änderungen und neuen Anforderungen auseinandergesetzt.

Umfrage zeigt Lethargie

Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom, für die knapp über 500 Datenschutzverantwortliche aus Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt wurden. Fast die Hälfte hat sich noch nicht mit der Reform beschäftigt

  • Demnach hat fast jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) sich noch gar nicht mit der Reform befasst.
  • 32 Prozent der befragten Datenschutzverantwortlichen kannten die neue Datenschutz-Grundverordnung zwar, hatten sich aber noch nicht weiter damit beschäftigt.
  • In 12 Prozent der Unternehmen war diese Reform sogar völlig unbekannt.
  • Immerhin 47 Prozent der Unternehmen befasst sich mittlerweile mit der Reform,
  • allerdings haben erst 8 Prozent auch schon erste Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Übergangsfrist bis Mai 2018

Derzeit läuft noch die zweijährige Übergangsfrist, in der die EU-Mitgliedsstaaten ihre nationalen Gesetze an das neue EU-Recht anpassen müssen.

Dennoch mahnt die Bitkom-Geschäftsleiterin Datenschutz und Sicherheit, Susanne Dehmel, an, dass die Unternehmen möglichst frühzeitig mit der Umsetzung beginnen sollten, da nach dem Ende der Übergangsfrist empfindliche Strafen drohen, wenn Unternehmen sich nicht an die neuen Bestimmungen halten.

So können etwa bei schwereren Verstößen Bußgelder verhängt werden, die bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes ausmachen.

Zahlreiche Neuerungen

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung bringt in verschiedenen Bereichen neue Pflichten und Vorgaben.

  • So muss etwa eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchgeführt werden.
  • Bei Produktentwicklungen muss der Datenschutz bereits frühzeitig in der Planungsphase (Privacy by Design) berücksichtigt werden.
  • Zudem werden viele neue Informations- und Dokumentationspflichten eingeführt.

Hoher Mehraufwand

Nach Ansicht des Bitkom wird die Umsetzung der neuen Regeln mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden sein.

  • Rund ein Viertel der Unternehmen rechnet etwa damit, dass zusätzliches Personal für die Anpassungsmaßnahmen benötigt wird,
  • fast zwei Drittel der Unternehmen wollen sich bei der Umsetzung durch externe Fachleute und Berater unterstützen lassen.
  • Knapp 30 Prozent erwarten zudem, dass die neue Verordnung auch dauerhaft zu einem Mehraufwand gegenüber der jetzigen Situation führen wird.

Sinnhaftigkeit der Reform wird in Frage gestellt

Heftige Kritik an der EU-Datenschutz-Grundverordnung gibt es mittlerweile aus der Wissenschaft. So moniert etwa der Leiter der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) der Universität Kassel, Prof. Alexander Roßnagel,

dass die Reform zahlreiche der wichtigen aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Datenschutz, wie etwa Suchmaschinen, Cloud Computing, Big Data, Soziale Netzwerke oder Ubiquitous Computing bzw. IoT, weitgehend ignoriere.

Zudem sei die Abgrenzung zum deutschen Recht sehr unscharf, sodass die Rechtslage hierzulande eher unübersichtlicher und möglicherweise sogar schlechter werde.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz-Grundverordnung, Datenschutz, EU-Datenschutzverordnung, EU-Datenschutzreform

Aktuell

Meistgelesen