Wer internationale erfolgreich zusammenbeiten will, sollte Kulturunterschiede und nationale Arbeitsstile beachten Bild: Fotolia LLC.

Mentalitäts-Unterschiede gibt es schon zwischen Hanseaten und Bayern, Berlinern und Schwaben. Doch mittlerweile gehen Dienstreisen weiter: Was in Frankreich vielleicht üblich ist, ist in Japan und China u. U. befremdlich oder unhöflich. In der Kommunikation, aber auch in den Arbeitsstilen und Strategien gibt es Unterschiede, die in der internationalen Zusammenarbeit für Verwirrung sorgen und Irritationen auslösen können, wenn man sie nicht kennt. Ein Anriss:

"Mit dem Hut in der Hand, kommt man durch das ganze Land." So hält ein altes deutsches Sprichwort zur Höflichkeit an. Doch wie sieht es jenseits der Landesgrenzen aus?

Verschiedene Gesprächskulturen  erschweren internationale Verhandlungen

Nicht nur die Sprache kann die Kommunikation erschweren, auch ihr zu direkter Gebrauch. Gerade auch in asiatischen Ländern ist das offene Wort nicht gefragt. Direkte  Kritik ist hier auch bei verpatzten Projekten unzulässig, es gibt dafür sehr höflich erscheinende Formulierungen. Europäern fällt es oft schwer, die als höflich empfundenen Kritik-Codes zu entschlüsseln oder gar selbst indirekt zu kommunizieren. Was in Deutschland als produktives Feedback gedeutet wird, interpretieren manche Chinesen als destruktiven Streit.

Doch auch bei Umgang, Essen, Kleidung und Smalltalk gibt es Besonderheiten, wie ein Artikel der Wirtschaftswoche aufzeigt. 

Pünktlichkeit ist relativ

Bereits Europa ist ein Übungsfeld, etwa wenn es um die Pünktlichkeit geht. Während der Deutsche pünktlich „wie die Maurer“ ist, empfindet der Italiener übertriebene Pünktlichkeit als ein Zeichen mangelnder Flexibilität und stuft eine Verspätung von 5 bis 30 Minuten als normal ein. Nicht anders sieht es in Brasilien aus. Das heißt allerdings nicht, dass der deutsch Geschäftspartner dies unbedingt aufgreifen sollte. Es reicht, wenn er damit rechnet.

Hierarchie-Unterschiede und Höflichkeitsvorstellungen

Während in skandinavischen Länder die Hierarchie oft eine untergeordnete Rolle spielt und die berufliche Gleichberechtigung ausgeprägter ist, gibt es schon in Frankreich deutlich autoritärer geführte Unternehmen.

In Japan ist neben dem Status auch ausgesuchte Höflichkeit wichtig, Direktheit verpönt und geselliges Beisammensein einschließlich Karaoke nach der Arbeit üblich. Die mit beiden Händen angebotene Visitenkarte ist im japanischen Geschäftsleben ein Muss. Einen guten Einblick vermittelt der Japan-Knigger der IHK Japan.

Andere Länder, andere Tabu-Themen

Nicht in allen Ländern sind dieselben Smalltalk-Themen opportun: So ist es in Italien ein Tabu, über Religion, Politik, Korruption und die Mafia zu parlieren. In den Niederlanden schickt es sich dagegen nicht, nach Beruf, Rang, Status oder Reichtum zu fragen oder private Familienangelegenheiten anzusprechen.

In Russland nicht als Konversationsthemen geeignet oder gerne gehört oder gesehen: Über das eigene Einkommen und die eigene Karriere zu sprechen und über Geistliche und Politiker offen zu lachen. Letzteres wird in sehr vielen Ländern weniger toleriert als in Deutschland.

Strategieunterschiede und verschiedene Problemlösungen

Arbeits- und Strategienansätze unterscheiden sich von Kultur zu Kultur ebenso wie die Eewartungen an die Rolle einer Führungskraft. Asiatische Mitarbeiter erwarten, dass ihre Führungskraft ihnen eine Aufgabe gibt und dann häufiger bei ihnen vorbeischaut. Es ist der patriarchalische Führungsstil gefragt.

Während in Deutschland partnerschaftliche Zusammenarbeit gewünscht ist und eine monochromer Zeitwahrnehmung herrscht, bei der die Aufgaben möglichst eigenständig der Reihe nach erledigt werden, so dass der Terminkalender Ablauf und Planung bestimmt, werden in anderen Kulturen mehrere Aufgaben parallel erledigt und der persönliche Austausch steht im Vordergrund. Das erschwert die Zusammenarbeit in internationalen Teams, so ein Handelsblatt.

Deutsche zu langsam und unpragmatisch?

Chinesen vermissen in der deutschen Arbeits- und Geschäftskultur oft Schnelligkeit und Pragmatismus. Demgegenüber stören sich Deutsche mitunter daran, dass in China planlos oder nicht sorgfältig genug gearbeitet werde.

In Indien werden in der Ausbildung üblicherweise verschiedene Problemlösungen aufgezeigt und dann auswendig gelernt. Das hat zur Folge, dass auch in der Arbeitswelt die Strategie angewandt wird, bekannte Lösungen nacheinander ausprobieren, wenn ein Problem auftritt.

Sich mit Fehlern oder Fehlversuchen allzu kreativ auseinandergesetzt und phantasievoll nach neuen Lösungsansätzen zu suchen, steht nicht immer im Vordergrund. Die Strategie, Gelerntes strikt umzusetzen, kann man manchmal schon bei der ersten Taxifahrt in Indien wahrnehmen. Die Taxifahrer lernen, dass sie das Gepäck des Fahrgastes ins Auto tragen sollen. Und genau das machen sie dann auch, selbst wenn der Fahrgast  es vielleicht nicht möchte. Koffer und Taschen werden dem sich sträubenden Gast notfalls auch mal aus den Händen genommen: Andere Länder, andere Sitten!. 

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Einen guten Überblick über die verschiedenen Länder und ihre Sitten liefert der Business-Knigge der IHK Halle -Dessau

Schlagworte zum Thema:  Kultur, Auslandsaufenthalt, Compliance, Compliance-Kultur

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