| Studie zu Löschanträgen

Website-Betreiber halten Korrektur- und Löschpflichten nicht ein

Studie belegt rechtswidrige Löschverweigerung vieler Websites
Bild: Haufe Online Redaktion

Schon länger bestehen Ansprüche gegenüber Website-Betreibern und App-Anbietern, Informationen zu dort gespeicherten persönlichen Daten zu erteilen und diese gegebenenfalls zu korrigieren oder zu löschen. Eine Studie von Wissenschaftlern zeigt jetzt jedoch, dass längst nicht alle Anbieter auf derartige Anfragen ihren Verpflichtungen gemäß reagieren.

Datensammelnde Stellen im Internet sind verpflichtet,

  • den Nutzern Auskunft über deren persönliche Daten zu geben, wenn diese entsprechende Anfragen stellen
  • und müssen gegebenenfalls diese Daten auch korrigieren oder löschen, sofern dies gewünscht wird.

Doch in der Praxis laufen viele derartige Anfragen ins Leere und bleiben unbeantwortet, wie Wissenschaftler der Universitäten Siegen und Hamburg jetzt herausgefunden haben.

Umfangreiche Stichproben zu Lösch- und Auskunftspflichten

Für ihre Studie stellten die Forscher rund 120 Websites und ca. 150 App-Angebote für Smartphones auf die Probe.

  • Zu den überprüften Angeboten gehörten dabei vor allem solche Dienste, die bei deutschen Internetnutzern besonders populär sind, wie etwa die Web-Angebote von Amazon, Twitter oder Apple, Medienangebote wie von BILD, der FAZ, Spiegel Online oder dem Handelsblatt.
  • Bei den Apps gehörten etwa die Mobilanwendungen von Facebook, Whatsapp, ebay oder auch Angry Birds zu den überprüfte Angeboten.

Zur Durchführung der Tests meldeten sich die Wissenschaftler dazu zunächst inkognito mit plausiblen Angaben an.

Unzureichende Reaktionen

  • Beim den ersten Anfragen der Wissenschaftler zu ihren Daten reagierte gerade einmal ein Viertel der kontaktierten Anbieter.
  • Ein knappes weiteres Viertel sendete antwortete erst dann zufriedenstellend, als die Wissenschaftler in einem zweiten Kontaktversuch zugleich auch einen Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen ihres Auskunftsersuchens mitschickten.
  • Die Mehrheit der Anbieter (57 Prozent) antworteten aber auch dann nicht oder nur unzureichend. 

Sorglosigkeit beim Umgang mit den Daten

Jedoch auch viele der Unternehmen, die die gewünschten Angaben übermittelten, handelten dabei nicht immer vorbildlich.

  • So überprüften viele Anbieter die Identität der Fragesteller oftmals gar nicht.
  • Etwa ein Viertel der befragten Unternehmen sendete die gewünschten Auskünfte beispielsweise an eine E-Mail-Adresse, die nicht mit der beim jeweiligen Anbieter hinterlegten Anschrift übereinstimmte. 

Daten werden auch ohne Kontrolle gelöscht

Sehr unterschiedlich fielen auch die Ergebnisse bei Änderungs- und Löschungsanfragen aus.

  • Rund die Hälfte der Unternehmen reagierte bereits auf ein informelles Schreiben und entfernte die persönlichen Daten, wobei allerdings wiederum meistens keine Überprüfung der Identität durchgeführt wurde.
  • Andererseits reagierte etwa die Hälfte der Anbieter gar nicht auf Löschungsaufforderungen, selbst dann nicht, wenn auf die Gesetzesgrundlage verwiesen wurde.

Der Anspruch ergibt sich gem. der EuGH-Urteil v. 13.05.2014, C-131/12, bei der Verarbeitung personenbezogener Daten gem. Art. 2 Buchst. b der Richtlinie 95/46 EG  aus dem Schutz der Privatsphäre.

Vgl. zu dem Thema auch:

Recht auf Vergessen und Löschanträge

Google stellt Löschantrag online

Pflicht zur Löschung von Daten

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, Löschen

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