| VW im Dilemma

Reden ist Silber, doch Schweigen ist auch keine Lösung

VW nach dem Diesel-Skandal: Bloß nichts Falsches sagen
Bild: Haufe Online Redaktion

Wie man's gerade macht, ist es falsch. So dürfte sich gerade die Kommunikationsabteilung von VW fühlen. Denn jedes falsche Wort könnte den Aktienwert noch mehr sinken lassen.

Alle wollen Antworten von VW: Kunden, Anleger, Mitarbeiter, Medien, Politiker - sie bohren mit Fragen. Doch der Konzern kann oft nicht so antworten wie es viele erwarten. Die Börse ist nur ein Grund, das juristische Risiko ein anderes.

VW steckt im Dilemma

Für den krisengeschüttelten VW-Konzern ist die Ausnahmesituation derzeit Normalzustand. Jedes Wort liegt auf der Goldwaage, jede Information scheint Gold wert.

Das bringt die absurde Lage, dass schon Termine zum Politikum werden. Am Mittwoch ist es wieder soweit. Der innere Zirkel des Aufsichtsrats tagt. Nur darf das keiner wissen. Das ist bei Konkurrenten wie BMW und Daimler nicht viel anders. Doch herrscht bei VW derzeit beispiellose Aufregung.

Reden ist Silber, doch Schweigen ist auch keine Lösung

Aktuell schreit alles nach Kommunikation. VW-Kunden haben so viele Fragen wie nie. Zum Beispiel die hier: Wann sind welche VW-Modelle mit dem Rückruf dran, etwa der Verkaufsschlager Golf? Unklar.

Warum schreibt VW nicht wenigstens generell einmal alle hierzulande 2,5 Millionen betroffenen Halter an, um zumindest anfänglich Klarheit zu schaffen? Unklar. Was steckt hinter dem ominösen "Gesamtpaket", mit dem VW betroffene Kunden in Europa - anders als in den USA - ohne Bargeld besänftigen will? Unklar.

Wer traf damals die Entscheidung, weltweit elf Millionen Dieselfahrzeuge mit einer illegalen Software auszurüsten? Unklar. Enden noch mehr Leiharbeiterverträge? Unklar.

Im Zweifel haben die Juristen von VW das Sagen, was gesagt werden darf

Es ist verständlich, dass der Konzern vieles nicht so kommunizieren kann, wie es sich Marketing und Pressestelle mitunter wünschen. Denn Heerscharen von Anwälten, gerade in den USA, protokollieren alles. Im Zweifel haben derzeit die VW-Juristen das Sagen - auch wenn das dazu führt, dass lieber keiner etwas sagt oder zu spät. Die Angst geht um. Milliardenstrafen drohen längst, der Aktienkurs ist tief im Keller.

Die Gemengelage ist heikel. Und das liegt mitunter auch am Hang der Medien, ein schnelllebiges Geschäft zu führen. Ein Präsidiumstermin allein kann da für Spekulationen schon reichen. Also will der Konzern sie nicht nur nicht bekanntgeben, sondern auf Nachfrage auch nicht bestätigen. Das aber löst einen Erwartungsdruck mit Eigendynamik aus. Die Zwickmühle ist perfekt: Reden hilft nicht. Schweigen auch nicht.

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Schlagworte zum Thema:  Volkswagen, Compliance

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