02.12.2016 | Studie

Verbraucher zweifeln am Schutz ihrer persönlichen Daten durch Unternehmen

Viele Verbraucher fürchten, dass ihre Daten in Unternehmen nicht wirksam geschützt sind
Bild: Corbis

Nach einer aktuellen Studie befürchten viele Verbraucher, dass Unternehmen es mit dem Schutz ihrer persönlichen Daten nicht all zu genau nehmen. Werden Datenpannen oder Missbräuche bekannt, drohen jedoch erhebliche Konsequenzen wie etwa ein deutlicher Umsatzrückgang. Datenschutz sollte daher zu einer Chefsache werden.

Eine internationale Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group  hat jetzt gezeigt, wie tief das Misstrauen bei den Konsumenten im Hinblick auf die vertrauliche Behandlung ihrer persönlichen Daten bei Unternehmen mittlerweile ist.

Für die Studie Big Data & Trust Consumer Survey wurden dazu rund 8.000 Verbraucher aus den größten europäischen Ländern und den USA befragt.

Weit verbreitetes Misstrauen

Demnach befürchtet

  • gut jeder zweite deutsche Verbraucher (51 Prozent), dass die Unternehmen im Hinblick auf die Nutzung persönlicher Daten nicht ehrlich sind.
  • Noch misstrauischer ist man etwa in Frankreich, wo dieser Anteil sogar bei 62 Prozent liegt,
  • in Spanien sind mit 57 Prozent ebenfalls mehr Konsumenten misstrauisch.
  • Etwas weniger skeptisch sind dagegen Verbraucher in den USA und Italien.

Soziale Medien und Suchmaschinen besonders zweifelhaft

Am größten sind die Zweifel gegenüber Social-Media-Angeboten und Suchmaschinen, was angesichts bekannt gewordener datenschutzrechtlich bedenklichen Praktiken bei Anbietern wie Facebook oder Google auch nicht weiter verwundern dürfte.

Ebenfalls als sehr unzuverlässig beim Umgang mit den Daten werden allerdings auch Mobilfunkanbieter eingestuft.

Aus Verbrauchsersicht sensible Daten

Als besonders sensible Daten stufen die Verbraucher

  • neben Finanz-, Steuer- und Kreditkartendaten
  • auch Gesundheitsdaten
  • sowie Informationen über Ehepartner und Kinder

ein.

Bei Missbrauch drohen Unternehmen direkte Konsequenzen

Die große Mehrheit der Deutschen (71 Prozent) würde der Umfrage zufolge den Zugriff auf persönliche Daten verweigern, wenn dem Unternehmen kein Vertrauen mehr entgegengebracht wird.

  • Nach Schätzung der Boston Consulting Group kann das Bekanntwerden eines Datenmissbrauchs sogar direkte Konsequenzen für den Umsatz haben.
  • Um bis zu 8 Prozent könne der Umsatz im Folgejahr sinken, im zweiten Jahr seien Einbußen um bis zu 5 Prozent denkbar. 

Verbraucher reagieren empfindlich

Nach Ansicht der Auswerter der Studie unterschätzen viele Unternehmen die Bedeutung der Transparenz bei der Datennutzung.

  • So werde es bei vielen Verbrauchern bereits als Vertrauensbruch gewertet, wenn diese bemerken, dass die von ihnen preisgegebenen Daten für andere Zwecke als ursprünglich gedacht, verwendet werden.
  • Eine deutliche Diskrepanz zwischen Unternehmen und Verbrauchern stellten die Unternehmensberater auch der Einstufung elementarer Aktivitäten fest. So gingen bei einer Befragung von 140 Unternehmen aus acht Branchen etwa 40 Prozent davon aus, dass es nicht nötig sei, die Kunden vor einer Personalisierung des Angebots um Erlaubnis zu fragen, während 88 Prozent der Verbraucher dies jedoch erwarteten. 

Daten-Compliance sollte Chefsache werden

“Verbraucher verstehen unter Datenmissbrauch oft etwas anderes als Unter­nehmen. Für sie kann ein Missbrauch schon dann vorliegen, wenn sie sich nicht ausreichend über die Nutzung ihrer Daten informiert fühlen.

Unternehmen wiederum achten in erster Linie auf die Einhaltung von rechtlichen Vorgaben“, kommentierte BCG Senior Partner Joachim Stephan die Resultate der Studie.

  • Das Vertrauen der Verbraucher sei eine der wichtigsten Ressourcen für die Unternehmen,
  • der Kunden-Datenschutz sollte daher zu einer Kernaufgabe des strategischen Managements gemacht werden.
  • Bislang liegt die Verantwortung für den Datenschutz in den meisten Unternehmen bei der IT- oder Rechtsabteilung bzw. beim betrieblichen Datenschutzbeauftragen (73 Prozent) und nur bei 22 Prozent der Unternehmen ist der Datenschutz bereits Chefsache.

Die Ergebnisse der Studie finden Sie auf der BCG-Website.

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Hinweis: Nicht zu unterschätzen ist im Umkehrschluss dieser Studie auch der Wert eines guten Kunden-Datenschutzes für die Strahlkraft einer Marke, wenn er ernsthaft betrieben und gut kommuniziert wird.

 

 

Schlagworte zum Thema:  Kundendaten, Persönliche Daten, Datenschutz

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